• Was steckt hinter dem neuen Projekt?: Modellbaukasten Bergmann-Klinikum

Was steckt hinter dem neuen Projekt? : Modellbaukasten Bergmann-Klinikum

Potsdams kommunales Krankenhaus soll „Next Generation Hospital“ werden. Was bedeutet das? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. 

Das Bergmann-Klinikum soll digitaler werden. 
Das Bergmann-Klinikum soll digitaler werden. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ soll Teil des Zukunftsprojekts mit dem Titel „Next Generation Hospital“ werden. Das verkündete Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwochabend im Hauptausschuss. Was steckt hinter dem Projekt? Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Welche Ziele verfolgt das Projekt „Next Generation Hospital“?

Es geht um die Digitalisierung im Gesundheitswesen und das Krankenhaus der Zukunft. Wie ein Modellbaukasten soll ein solches Krankenhaus entworfen werden, das dann andere als Blaupause nutzen und sich modular bedienen können, so beschreibt es Projektmanager Moritz Matthey von der Hasso Plattner Foundation. „Andere Krankenhäuser werden auch nach Potsdam schauen“, sagte er im Hauptausschuss am Mittwoch. Die Hoffnung ist es, die Prozesse so zu verbessern, dass Pfleger und Ärzte sich „noch stärker auf die Interaktion mit ihren Patient:innen konzentrieren können“. Das Projekt hat auch einen finanziellen Hintergrund: Werde frühzeitig vor einem Neubau oder einer Umstrukturierung intensiv geplant, können in der Folge die Kosten gesenkt werden, so Matthey. 

Wer steckt dahinter?

Geplant und koordiniert wird das Projekt von der 2015 gegründeten Hasso Plattner Foundation. Den Potsdam-Mäzen und SAP-Gründer Hasso Plattner, so sagte es Matthey, interessiere das Krankenhaus der Zukunft „auch persönlich intellektuell sehr stark“. Beteiligt sind außerdem das Hasso Plattner Institut, das Projekt Data4Life der Stiftung und die Softwarefirma SAP, sowie Partner wie die Charité in Berlin, das Mount Sinai Krankenhaussystem in New York, Siemens Healthineers und das Bundesgesundheitsministerium. 

Warum wurde Potsdam ausgewählt?

Im Hauptausschuss begründete Moritz Matthey die Wahl von Potsdam mit zwei Argumenten. Zum einen sei die Stiftung in Potsdam ansässig. „Wir haben ein großes Interesse daran, den Standort Potsdam zu unterstützen und einen Beitrag zu leisten“, so Matthey. Zum anderen stehe das Bergmann-Klinikum vor einer Neuausrichtung. Darin sieht er eine Chance, denn er hoffe, „dass wir die neuen Kenntnisse direkt umsetzen können“.

Wie geht das Projekt vor?

Zunächst sollen der Status Quo sowie die Ziele erfasst werden. Dazu gehören Besuche in verschiedenen Krankenhäusern weltweit. Zudem sind Gespräche mit Mitarbeitern des Klinikums geplant. „Wir wollen mit den Leuten sprechen, die direkt betroffen sind und sie nach ihren Bedürfnissen und Wünschen für das Krankenhaus der Zukunft fragen“, beschreibt Matthey. Es ist ihm wichtig zu betonen, dass der Nutzer, also der Bürger, der Pfleger, der Arzt im Mittelpunkt des Projekts stehe. Dabei soll es sowohl um eine Vision für das Krankenhaus in zehn oder 20 Jahren gehen, als auch um die Konsequenzen dieser Vision für das heutige Handeln. Es geht auch um die Frage, wie die Digitalisierung im Alltag helfen kann. 

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Was heißt das konkret?

Matthey erläutert das am Beispiel der Aufnahme einer Patientin in der Notaufnahme. Dazu stelle man Fragen wie: „Was sind die wichtigsten Prozessschritte? Wie wird es heute gemacht? Wo hakt es dabei? Wie können wir es verbessern? Wie können uns digitale Technologien dabei unterstützen?“ 

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Welche Rolle spielt die Prävention?

Vor dem Hauptausschuss argumentierte Matthey, es stehe nicht nur der Patient, sondern vielmehr der Bürger im Mittelpunkt – der nach Möglichkeit gar nicht krank werden sollte. Auf Nachfrage erläuterte er gegenüber den PNN, gemeint sei Trend der fortschreitenden Vernetzung. „Konsequent zu Ende gedacht bedeutet das auch die Einbindung des gesunden Bürgers oder der gesunden Bürgerin, der oder die zum Beispiel regelmäßig Blutdruck, Herzfrequenz oder körperliche Aktivität misst.“ Bei Auffälligkeiten könne etwa die Hausärztin präventiv eine Untersuchung vorschlagen, bevor überhaupt Symptome auftreten. Auch präventives Verhalten könne mit digitalen Werkzeugen unterstützt werden. 

Wie bewertet das Klinikum die Teilnahme?

Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums, bezeichnet das Projekt als Riesenchance. Zwar sieht er das Klinikum im Bereich Digitalisierung im Brandenburgvergleich im vorderen Drittel – aber „da ist noch viel Luft nach oben“. Besonders positiv bewertet er neben dem Fokus auf Patienten und Mitarbeiter auch die internationale Perspektive. 

Wieviel wird investiert?

Zahlen nennt die Foundation bislang nicht, es gehe jedoch vor allem um Personal und Know How. Die Stiftung unterstützt das Projekt durch ein Team aus Projektmanager Matthey und mehreren Mitarbeitern. Zusätzlich steht ein Budget für weitere Experten zur Verfügung. „Das einzige, was wir von der Stadt Potsdam brauchen, ist das Commitment“ – also ein Bekenntnis zum Modellprojekt , so Matthey im Hauptausschuss.


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