• Warnung vor Staus in alle Richtungen: Potsdam droht jahrelanges Verkehrschaos

Warnung vor Staus in alle Richtungen : Potsdam droht jahrelanges Verkehrschaos

Der Umbau des Leipziger Dreiecks verschiebt sich um ein Jahr – und fällt womöglich zeitlich mit anderen großen Bauprojekten zusammen. Potsdam droht ein nie gekanntes Verkehrschaos.

Droht Potsdam ein jahrelanges Baustellenchaos? So wie hier auf der Nuthestraße könnte sich der Verkehr noch in vielen anderen Teilen Potsdams stauen.
Droht Potsdam ein jahrelanges Baustellenchaos? So wie hier auf der Nuthestraße könnte sich der Verkehr noch in vielen anderen...Foto: S. Gabsch

Potsdam - Eine geplatzte Ausschreibung könnte Potsdam im schlimmsten Fall das wohl größte Baustellenchaos seiner Geschichte bescheren. Weil es für den Umbau des Leipziger Dreiecks zu wenige und zu teure Angebote gegeben hat, muss das Verfahren nun neu aufgerollt werden, wie Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Dienstagabend im Bauausschuss bekannt gab. Statt wie geplant in diesem Juli kann die auf drei Jahre angelegte Umgestaltung dieses wichtigen Verkehrsknotens nun frühestens im März 2019 beginnen. Um überhaupt zu diesem Zeitpunkt starten zu können, soll das Vorhaben gesplittet und in drei Einzellosen neu ausgeschrieben werden.

Welche Auswirkungen diese Verzögerung hat, ist noch unklar. Der „detaillierte Zeitplan für das Bauvorhaben“ werde derzeit überarbeitet und soll am 29. Mai im Bauausschuss vorgestellt werden, teilte eine Rathaussprecherin mit.

Im schlimmsten Fall kommen auf Potsdams Autofahrer extrem harte Jahre zu. Denn sollte sich das Gesamtprojekt um ein Jahr, also bis Ende 2022, nach hinten verschieben, würde sich die Baustelle gleich mit drei weiteren großen Verkehrsprojekten teilweise zeitlich überschneiden. Die erste Baustelle liegt gleich nebenan. Ab 2022 – und damit fünf Jahre früher als ursprünglich geplant – will die Stadt wie berichtet mit dem Ersatzneubau für die Lange Brücke beginnen, eine Maßnahme, die vier Jahre dauern soll. Wie das Leipziger Dreieck wird auch die Lange Brücke täglich von rund 50 000 Autos befahren.

Mehrere Brücken sollen auf der Nutheschnellstraße erneuert werden

Parallel will auch der Landesbetrieb Straßenwesen auf der ebenfalls vielbefahrenen Nutheschnellstraße mehrere Brücken erneuern. Komplett neu gebaut werden muss die sogenannte Hochstraßenbrücke über die Bahngleise, die Friedrich-List- und die Friedrich-Engels-Straße, sie gilt wie die Lange Brücke als marode. Der Bau soll 2020 beginnen und bis 2023 dauern. Im gleichen Zeitraum soll auch die Brücke über den Neuendorfer Anger erneuert werden. Bislang gehe man von rund 23 Millionen Euro Baukosten aus, die das Land trägt. Die Nuthestraßenbrücke über den Horstweg soll nach derzeitigem Stand 2025 erneuert werden. Während dieser Bauarbeiten wird die Nuthestraße teilweise in jeder Richtung nur noch einspurig befahrbar sein.

Das letzte große Projekt betrifft die Autofahrer aus und in Richtung Norden. Wie berichtet streben Stadt, Pro Potsdam und Verkehrsbetrieb (ViP) an, dass die geplante neue Straßenbahnlinie nach Krampnitz 2025 in Betrieb geht. Um das zu schaffen, müsste mit der Verwirklichung des bislang auf etwa 50 Millionen Euro taxierten Projekts wohl spätestens 2022 begonnen werden, eher früher. Schon für den Bau der 1,2 Kilometer langen Strecke von der Viereckremise zum Jungfernsee hatte der Verkehrsbetrieb ViP ein Jahr gebraucht – bei vergleichsweise unkompliziertem Verlauf. Die Trasse nach Krampnitz ist aber 7,4 Kilometer lang und muss als besondere Hürde über die Insel Neu Fahrland geführt werden. Zuletzt hatte Rubelt sogar statt der ursprünglich geplanten eingleisigen eine zweigleisige Streckenführung über die Insel angekündigt. Dafür soll eigens eine neue Brücke gebaut werden.

Ob und wie sich die Verzögerung beim 24 Millionen Euro teuren Umbau des Leipziger Dreiecks auf diese anderen Vorhaben auswirkt, ist bislang unklar. Zur Koordinierung der jeweiligen Vorhaben hatten die Stadt, der ViP und der Landesbetrieb bereits eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet. Zudem haben die städtischen Verkehrsplaner ab 2019 ein generell besseres Baustellenmanagement versprochen. Eine neue Software zur Koordination von Baustellen für 250 000 Euro soll künftig helfen, das Verkehrschaos zu reduzieren.

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Kommentar: Die Stadt muss das vermutlich schlimmste Verkehrschaos in der Stadtgeschichte abwenden, kommentiert PNN-Redakteur Peer Straube.

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