• Sex-Skandal: Potsdamer Sekretärin erstreitet 30 Gehälter
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Vorwürfe gegen die Kassenärztliche Vereinigung : Sex-Skandal: Potsdamer Sekretärin erstreitet 30 Gehälter

Weil ihr Chef sie sexuell missbraucht haben soll, hat eine Potsdamer Sekretärin jetzt eine Abfindung erstritten. Der Streit wurde mit einer Mediation beigelegt.

Foto: David Ebener/dpa

Potsdam - Der Umgang mit einem Sex-Skandal kommt die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) teuer zu stehen. Denn die langen juristischen Auseinandersetzungen zwischen einer Sekretärin und der Ärztevereinigung sind am Potsdamer Arbeitsgericht nun mit einem umfangreichen Vergleich beendet wurden, wie die PNN aus Justizkreisen erfuhren. Nach einer Mediation soll die Klägerin nun eine Abfindung in Höhe von rund 30 Monatsgehältern erhalten, hieß es. Und: Sie habe die KVBB inzwischen verlassen. Eine genaue Summe wurde nicht genannt.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihren Sitz in der Potsdamer Pappelallee.
Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihren Sitz in der Potsdamer Pappelallee.Foto: Andreas Klaer

Die Frau hatte eigentlich 75.000 Euro gefordert

Eigentlich hatte die Frau die Ärztevereinigung mit Sitz in der Pappelallee auf 75.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Die delikate Angelegenheit und der daraus folgende Rechtsstreit waren Anfang vergangenen Jahres öffentlich geworden, hatte – mitten in der #MeToo-Debatte – für Unruhe im Haus gesorgt, eine Kommission zur Aufarbeitung war gegründet worden. 

Die Sekretärin und ihr früherer vorgesetzter Abteilungsleiter sollen eine mehrjährige Affäre gehabt haben. Einige Monate nach der Trennung soll der Chef seine Angestellte dann Ende Januar 2017 in dessen Büro sexuell missbraucht haben, so der Vorwurf der Frau. Der Vorgesetzte bestritt dies. Ende September 2017 waren auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Aus Sicht der Ermittler konnte nicht festgestellt werden, dass die Sekretärin ihren Widerwillen gegen die sexuellen Handlungen ausreichend zum Ausdruck gebracht habe. 

Der beschuldigte Vorgesetzte war trotz der Vorwürfe nicht entlassen worden

Sie hatte angegeben, in eine „Schockstarre“ verfallen zu sein. In der Folge hatte die Angestellte ihrem Arbeitgeber vorgeworfen, sich einseitig auf die Seite des Mannes gestellt zu haben – der beschuldigte Vorgesetzte blieb trotz der Vorwürfe im Dienst und wurde nicht bis zur Klärung, wie es üblich sein sollte, freigestellt. Er musste dann Ende 2017 wegen weiterer „innerbetrieblicher Umstände“ die Ärztevereinigung verlassen. 

Auf PNN-Anfrage bestätigte die KVBB die Höhe der Zahlung an die Sekretärin nicht. Man habe sich auf eine „gütliche Lösung verständigt“, sagte ein Sprecher. Und: „Dabei konnten die gegenseitig erhobenen Vorwürfe ausgeräumt werden. Beide Seiten bedauern etwaige Missverständnisse.“ Die Mitarbeiterin strebe nun mit Hilfe der KVBB eine berufliche Neuorientierung an. Als Konsequenzen seien laut dem Sprecher unter anderem neue Compliance-Leitlinien zur Unternehmenskultur entwickelt worden und Führungskräfte hätten Fortbildungen erhalten. Ferner sei eine neue Gleichstellungsbeauftragte gewählt worden.