Potsdam : Vorwürfe ausgeblendet

Umstrittene Islamgruppe zu Gast im Migrantenbeirat

Die umstrittene „Islamische Gemeinschaft am Park Sanssouci“ (IGAPS) hat sich gestern im Migrantenbeirat der Stadt vorgestellt. Das Überraschende dabei: Kein Mitglied des offiziellen Gremiums des Stadtparlaments sprach die schweren Vorwürfe an, die gegen IGAPS existieren. Vielmehr wünschte Beiratsvorsitzende Olga Schummel (Linke) der Religionsgruppe zum Abschluss der Runde „viel Erfolg bei der Arbeit“.

Wie berichtet, ist die islamische Religionsgruppe in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge ins Visier des brandenburgischen Verfassungsschutzes geraten. Im aktuellen Bericht der Sicherheitsbehörde heißt es, die IGAPS-Gruppe stehe „für einen islamistischen Extremismus, der antisemitische und antikapitalistische Ideologie mit rechtsesoterischen Tendenzen vermengt“. IGAPS-Repräsentanten verwahrten sie sich gegen die Vorwürfe und drohten mit rechtlichen Schritten.

Im Migrantenbeirat war dies kein Thema. IGAPS-Vertreter Thomas Schröder hielt einen Vortrag über die Gruppe und ihre Suq-Sommermärkte auf dem Luisenplatz. Die Gruppe bestehe zu zwei Dritteln aus Deutschen, die zum Islam konvertiert seien. Dazu kämen Mitglieder aus Nordafrika, der Türkei und Südeuropa, so Schröder: „Wir haben den Islam im Herzen.“ Mit den Märkten auf dem Luisenplatz wolle die Gruppe „etwas Nützliches“ für die Stadt tun. Die Händler, die dort einmal im Monat unter anderem Kunsthandwerk anbieten, müssten laut Schröder nur für Werbung zahlen, aber keine Standgebühren. „Wir übernehmen die Restsumme von rund 2000 Euro“, so Schröder. Zugleich habe die Stadt Potsdam den Preis für die Anmietung des Platzes ermäßigt. Der Markt sei „gelebte Toleranz“, so Schröder, damit würden die Besucher auch den Islam kennenlernen. Kritische Fragen zu den Ausführungen blieben aus.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen IGAPS hatte der CDU-Innenexperte Sven Petke von gesellschaftlichen Gruppen wie dem Migrantenbeirat „klare Aussagen“ gefordert und vor „falsch verstandener Toleranz“ gewarnt. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sich in Potsdam eine islamistische Gruppe mit „ihrem menschenverachtenden Gedankengut“ festsetzen kann, so Petke damals. HK