• Kostenloses Weihnachtskino für bedürftige Kinder in Potsdam

Von Unternehmern aus Potsdam organisiert : Kostenloses Weihnachtskino für bedürftige Kinder

Potsdamer Unternehmer haben ein kostenloses Weihnachtskino für Kinder aus bedürftigen Familien organisiert.

Der Grinch in einer Szene des Kinofilms "Der Grinch". Der Film läuft seit Ende November in den deutschen Kinos.
Der Grinch in einer Szene des Kinofilms "Der Grinch". Der Film läuft seit Ende November in den deutschen Kinos.Foto: Illumination/Universal Pictures/dpa

Potsdam - Am Frühstückstisch las Robert Neubauer einen Bericht über Kinderarmut in Potsdam. „Dass in meiner Heimatstadt 3500 Kinder unter der Armutsgrenze leben, das hat mich schon sehr berührt“, sagt der Immobilienmakler, bekannt aus der Vox-Serie „Mieten, kaufen, wohnen“, der jetzt für Dahler & Company arbeitet. „Wir leben hier manchmal in unserer eigenen Welt und vergessen, was anderswo, im Schlaatz und Drewitz, los ist“, sagt der 46-Jährige freimütig. „Aber dass in manchen Familien sogar das Geld für das Essen fehlt, darf es eigentlich nicht geben. Da müssen wir was tun.“

Er hat was getan und innerhalb weniger Tage einen Kinotag für 350 Kinder und Eltern aus einkommensschwachen Familien organisiert. Das Event unter der Marke „Hand in Händchen“, eine Hamburger Kinderhilfsinitiative von Dahler & Company, wird in Potsdam außerdem vom UCI-Kino, den Potsdamer Verkehrbetrieben und vielen weiteren Sponsoren unterstützt.

Der Potsdamer Unternehmer Robert Neubauer.
Der Potsdamer Unternehmer Robert Neubauer.Foto: Andreas Klaer

Das Rundum-Wohlfühlpaket

Am Samstag dem 15. Dezember dürfen die kleinen Gäste es sich nun in den neuen Loungesesseln des UCI bequem machen. Gezeigt wird der Weihnachtsklassiker „Der Grinch“. Die Kinokarte kommt im Paket mit Fahrscheinen für den Nahverkehr und einem Gutschein für Popkorn und Getränk. Denn: „Was wäre Kino ohne Popkorn“, sagt Neubauer. Von der Potsdamer Firma Katjes gibt es weiteres Naschwerk. Außerdem wird der Potsdamer Friseur TrioHair Gutscheine für Kinderhaarschnitte verteilen.

Neubauer sagt, die spontane Bereitschaft vieler Firmen, das Event zu unterstützen, habe ihn sehr gefreut. „Da ist nicht nur wegen Weihnachten. Da steckt auch Lokalpatriotismus dahinter“, sagt er. Deshalb soll das Weihnachtskino auch nicht die einzige Aktion der neuen Initiative bleiben. Man habe bereits jetzt ein kleines Budget auf der hohen Kante. Denkbar sei beispielsweise, im kommenden Sommer eine Kindervorstellung im Hans Otto Theater anzubieten.

Die Kinokarten für „Der Grinch“ wurden über das Potsdamer Awo-Büro gegen Kinderarmut, den DRK Kinder- und Jugendhilfeverband Heimatstern und die Weidenhofgrundschule verteilt. Auch die Arche in Drewitz bekommt Karten für ihre Kinder. Bis zu 90 Kinder im Grundschulalter werden in der Einrichtung in Drewitz täglich betreut – kostenlos. Hier gibt es Mittagessen, Hausaufgabenhilfe, viele Freizeitangebote und vor allem einen Ort, wo Kinder Freunde finden und auch erwachsene Ansprechpartner. Neben Arche-Leiter Christoph Olschewski kümmern sich vier Pädagogen, Praktikanten und viele ehrenamtliche Helfer um die Kinder.

In der Weihnachtszeit öffnen sich die Herzen

Diese kommen aus teils sehr armen Familien wie Hartz-IV-Haushalten. Häufig sind Eltern zwar erwerbstätig aber das Geld ist trotzdem knapp, sagt Olschewski. „Da ist ein gemeinsamer Kino-Tag nicht drin – Kino ist sehr teuer.“ Er freut sich, dass die Initiatoren mitgedacht haben und auch Fahrscheine und Popkorn finanzieren. „Das ist super, da entstehen keine Extra-Kosten.“ Dass sich im Dezember Hilfsaktionen bündeln, sieht er nicht problematisch. „Das ist eben so, in dieser Zeit öffnen sich die Herzen“, sagt Olschewski. „Für uns ist es jedesmal eine große Hilfe, denn Weihnachten ist für die meisten Familien eine brisante Zeit.“ Wo das Geld ganz knapp ist, werde durch eine Überraschungsaktion konkret am Heiligabend geholfen.

Da fehlt noch was

Die Arche finanziert sich komplett aus Spenden. Günther Jauch ist seit Jahren einer der regelmäßigen Geber. Aber das Spendenziel, um eine auskömmliche Arbeit zu ermöglichen, ist für dieses Jahr noch nicht erreicht. Auf der Internetseite wird der aktuelle Stand angezeigt. „Da fehlt noch was“, so der Leiter. Wer lieber Sachspenden geben möchte, kann auf einer Liste sehen, was gerade gebraucht wird.

Wenn Neubauer an sein Kindheitsweihnachten zurückdenkt, erinnert er sich an gemeinsames Basteln. „Und die schönen Defa-Märchenfilme im Fernsehen.“ Er wird am Samstag zur Begrüßung dabei sein, den „Grinch“ aber nicht sehen. „Die Kinokarte soll ein Kind bekommen.“