• Von Thorsten Metzner: Ärger an allen Ecken um Kongsnaes

Von Thorsten Metzner : Ärger an allen Ecken um Kongsnaes

Verein „Berliner Vorstadt“ zieht Unterstützung zurück / Baugenehmigung nach nur sechs Wochen erteilt

Berliner Vorstadt - Der Streit um den Aufbau der Kaiserlichen Matrosenstation „Kongsnaes“ nahe der Glienicker Brücke spitzt sich zu. Der Verein „Berliner Vorstadt“ zieht seine Unterstützung für das Vorhaben des Berliner Investors Michael Linckersdorff zurück. Das bestätigte Vereinschef Peter Daniel am Dienstag den PNN. Er begründete dies damit, dass für seine Initiative feststehe, dass an dieser sensiblen Stelle „eine Ausflugsgaststätte samt Biergarten und Yachthafen“ gebaut werden soll, nicht mehr von der alleinigen Wiederherstellung der historischen Anlage von Matrosenstation und Ventehalle mit musealem Restaurant-Café die Rede sein könne. Dies aber hatten Stadt und Investor angekündigt, die wiederum eine Ausweitung der Pläne bestreiten. „Das Projekt sprengt jetzt den Rahmen“, sagte Daniel. „Wir sind noch auf dem Bauschild, wir möchten da nicht mehr als Förderer stehen.“ Damit gerät auch das von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) geführte Rathaus weiter in die Kritik. Wie berichtet, hatte Jakobs angekündigt, im Streit zwischen Investor und Anwohnern vermitteln zu wollen. „Die Stadt hat durch die Baugenehmigung vollendete Tatsachen geschaffen. Man hätte vor Erteilung vermitteln müssen“, sagte Daniel. „Das ist nicht passiert.“ So sieht es auch die Anwohner-Initiative „Schwanenallee“. Tatsächlich kannte die Stadt die erst jüngst öffentlich bekannt gewordenen genaueren Pläne von Linckersdorff seit Sommer. Der Bauantrag wurde am 20. Juli 2010 eingereicht. Dieser Plan enthält bei der Gastronomie bereits auf der Terrasse den Eintrag „Biergarten“ und auch die geplanten vier Stege von insgesamt rund 170 Metern, für die allerdings noch extra Genehmigungen nötig sind.

Die Baugenehmigung für das „Restaurant Ventehalle mit Küchenanbau“ wurde knapp sechs Wochen später, nämlich am 9. September erteilt – zügig für Potsdamer Verhältnisse und genau zwei Tage vor der Grundsteinlegung mit Jakobs. Er brachte sie nicht mit, verlor dort kein Wort über den Widerspruch zu früheren Ankündigungen und zur einstigen Ausschreibung der Stadt, wo von einer „eingeschränkten“ gastronomischen Nutzung die Rede war. Rathaus-Sprecher Stefan Schulz erklärte dazu: „Dem Oberbürgermeister war der Inhalt der Baugenehmigung nicht bekannt.“ Einen Sinneswandel habe es nicht gegeben, da „die gastronomische Nutzung der Ventehalle bei diesem Projekt von Beginn an vorgesehen“ gewesen sei. Das zügige Genehmigungstempo erklärt das Rathaus mit umfangreichen Abstimmungen im Vorfeld, „besonders hervorzuheben“ mit der Denkmalpflege. Nach PNN-Informationen droht wegen der Kongsnaes-Pläne gleichwohl Streit mit der Schlösserstiftung, die für den Schutz des Welterbes zuständig ist und schon im Genehmigungsverfahren Bedenken anmeldete. Dem Vernehmen nach hatte das Rathaus der Stiftung nicht den kompletten Bauantrag für das Gesamtprojekt übergeben, auf der übersandten Plankarte waren etwa die Stege – einer ragt 52 Meter in den Jungfernsee – gestutzt. Für die Stege, an denen auch die Weiße Flotte und das Wassertaxi halten soll, läuft jetzt ein zweites Genehmigungsverfahren. Es sei sichergestellt, dass die Stiftung „eingebunden wird“, so das Rathaus. Welche Position die Stadt zu den Stegen vertritt, ist noch offen, da laut Stadt die „Fachbehörden z.Z. ihre Stellungnahmen erarbeiten.“

Linckersdorff wehrt sich gegen die Kritik. Für diese Zeitung war er am Dienstag nicht erreichbar. Doch er hat einen Medienanwalt eingeschaltet, der im Zusammenhang mit einer presserechtlichen Auseinandersetzung argumentiert, „dass weder eine Rede davon sein kann, dass mit den Plänen hinterm Berg gehalten wurde, noch dass irgendjemand überrumpelt wurde“. Schließlich habe Linckersdorff den Anwohnern am 9. September, dem Tag der Baugenehmigung, seine Pläne gezeigt. Zudem habe die Anlage bereits 1929 vier Stege gehabt. Die Anwohner-Initiative „Schwanenallee“ weist die Darstellung, umfassend informiert worden zu sein, zurück. Die Anwohner fühlen sich getäuscht, wie aus einem Schreiben hervorgeht. Sie bereiten eine Klage gegen die Baugenehmigung vor.