• Von Nicola Klusemann: Dauerbaustelle Hiller-Brandtsche Häuser

Von Nicola Klusemann : Dauerbaustelle Hiller-Brandtsche Häuser

Anwalt der Eigentümerin legte Mandat nieder / Projekt stockt / Bauanträge liegen nicht vor

Nicola Klusemann

Der Projektentwicklung Hiller-Brandtsche Häuser droht offenbar das Aus. Wirtschaftsanwalt Dr. Dieter Klesen, der das Objekt in der Breite Straße im Auftrag der Eigentümerin zu Hotel, Büro- und Wohnhaus umbauen wollte, hat gestern sein Mandat niedergelegt, wie er den PNN sagte. Eine Begründung nannte er nicht. Auch dem im vergangenen Frühsommer eingesetzten Projektleiter soll unbestätigten Informationen zufolge bereits gekündigt worden. Die Baustelle Breite Straße 8 -12 ruht seit Wochen.

Rechtsanwalt Klesen hatte noch im vergangenen Herbst seine ehrgeizigen Pläne vorgestellt (PNN berichteten). Danach sollten das seit Juni bestehende Baugerüst Ende 2008 fallen, Fassade und Dach fertig sein und ein Jahr später ein Frühstückshotel mit 40 Zimmern eröffnen. Der Anwalt selbst wollte mit seiner Kanzlei Räume in Parterre beziehen. „Ich bedauere sehr, dass das so nicht eingetreten ist“, sagte Klesen. Zwar wurde die Sandsteinfassade gereinigt, das unter Denkmalschutz stehende über 200 Jahre alte Doppelhaus aber ist weiterhin eingerüstet, durch die löchrige Folie auf dem abgedeckten Dachgebälk pfeift frostiger Wind und dringt Regen ein. Die Arbeiten im Inneren gehen schleppend voran, berichten die nur noch wenigen Mieter. Mehrere leergezogene Wohnungen in beiden Gebäudehälften wurden entkernt: Zerbrochene Toilettenbecken, Kabel und Rohre im Hinterhof zeugen davon. Im Treppenhaus der Nummer 8 wurde der Putz aufgeschlagen und neue Stromleitungen verlegt. Bauarbeiter seien schon längere Zeit nicht mehr gesehen worden, sagen Hausbewohner. Das einstige Prachtpalais droht zur Bauruine zu verkommen.

Im Juni 2005 hatte Jessika Kwiek, eine junge Frau aus Leipzig, die Hiller-Brandtschen Häuser vom Kommunalen Immobilienservice (KIS) erworben. Wegen des hohen Sanierungsaufwandes hatte die Stadt Potsdams erstes Bürgerpalais – in dessen Mittelteil jahrelang unter anderem das Potsdam-Museum untergebracht war – veräußern müssen. Über den Kaufpreis wurde bis heute Stillschweigen bewahrt. Mit dem Kauf hatte sich die neue Eigentümerin allerdings verpflichtet, die bestehenden Mietverträge zu übernehmen und die denkmalgeschützte Baulichkeit umfassend zu sanieren. In den seitdem vergangenen vier Jahren wechselten mehrfach die Hausverwaltungen, ebenso wie die mit dem Objekt beauftragten Architekten sowie Rechtsvertreter.

Über die genauen Bauvorhaben wurden die Mieter all die Jahre im Unklaren gelassen. Im April vergangenen Jahres dann hieß es, alle Bewohner müssten ausziehen. Die Eigentümerin sei bereit, Übergangskosten zu zahlen und sich an der Suche für Alternativ-Wohnraum einzusetzen. Es war die Rede von Luxusappartements oder auch studentischem Wohnen, das entwickelt werden sollte. Einige Mieter schreckten vor Baulärm und -dreck zurück und zogen aus. Inzwischen wohnen noch insgesamt fünf Mietparteien in den beiden Häusern. Sie suchen zum Teil Rechtsschutz beim Mieterbund und haben die ohnehin geringe Miete außerdem gemindert.

Vor einem Jahr etwa wurde für die Hiller-Brandtschen Häuser beim Potsdamer Bauamt ein Bauantrag für eine Umbaumaßnahme zum Hostel – Herberge mit Mehrbettzimmern – eingereicht. Diese Pläne seien aber bereits im Oktober 2008 zurückgenommen worden, wie die Pressesprecherin der Stadt, Regina Thielemann, auf PNN-Anfrage bestätigt. Weitere Anträge erfolgten seit dem nicht mehr.

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