• Von Kay Grimmer und Guido Berg: Hasso Plattner wohnt in Churchill-Villa

Von Kay Grimmer und Guido Berg : Hasso Plattner wohnt in Churchill-Villa

Potsdam und die Prominenten – eine Fortsetzung: SAP-Milliardär zieht in Bau Mies van der Rohes

Guido Berg

Babelsberg - Potsdam als Wohnort der Prominenten, das ist eine unendliche Geschichte, die nun ihre Fortsetzung findet: Nach Günther Jauch und Wolfgang Joop wohnt nun auch der Software-Milliardär Hasso Plattner in der Stadt der Schlösser und Gärten. Wobei der Gründer des nach ihm benannten Instituts für Software-Systemtechnik (HPI) eher auf den Spuren des Regisseurs und Oscar-Gewinners Volker Schlöndorff wandelt: Plattner erwarb ebenfalls ein Anwesen am Griebnitzsee, die Villa Urbig in der Virchowstraße 23, besser bekannt als „Churchill-Villa“. Während der Potsdamer Konferenz 1945 residierte der britische Premier Winston Churchill und danach sein Nachfolger Clement Attlee in dem Haus. Nach PNN-Informationen wohnt Plattner bereits in dem Gebäude, das seit 2005 im Besitz des Bauunternehmers Theodor Semmelhaack war.

Plattner beweist im Jahr des 90. Bauhausjubiläums Geschmack: Das zur Bauzeit 1915 zunächst als „Villa Seefried“ bezeichnete Haus entwarf der spätere Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe im neoklassizistischen Stil für den Mitinhaber der Deutschen Bank, Franz Urbig.

Das roséfarbene Anwesen schmiegt sich malerisch ans Hochufer des Griebnitzsee. Der Ausblick von der Terrasse dürfte ein Vergnügen für die Götter sein, unten spiegelt sich das Wasser, am Ufer gegenüber steigt die bewaldete Landschaft steil an. Auf alten Anlegepfählen sonnen sich Kormorane. Eingeweihte schätzen, dass der SAP-Mitbegründer kaum mehr als zehn Minuten Fußweg bis zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen muss. Hasso Plattner ist Lehrstuhlinhaber an dem von ihm gestifteten Institut, dass erst am Dienstag dieser Woche in Anwesenheit Plattners den Grundstein für einen 25-Millionen-Neubau legte.

Mit dem Software-Milliardär erhöht sich die schon bislang hohe Prominenten-Dichte im „Beverly Hills von Berlin“ noch einmal. Potsdam zieht seit Jahren große Namen an, die das nötige Kleingeld für teure Häuser besitzen. Neben Jauch und Joop ist auch der Vorsitzende der Ufa-Geschäftsführung, Wolf Bauer, Anrainer des Heiligen Sees, der in einem mediterranen Bau am Seeufer lebt. TV-Schauspieler Christian Ulmen („Dr. Psycho“) lebt mit seiner Familie ebenfalls seit einiger Zeit in der Berliner Vorstadt – selbst wenn er betont, nicht der prominenten „Potsdamer Gesellschaft“ angehören zu wollen.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Matthias Döpfner, macht sich in der Öffentlichkeit rar: Dabei hat sich Döpfner gleich zwei namhafte Gebäude in Potsdam gesichert. Neben der Villa Schöningen wird durch ihn auch die Villa Henkel in der Bertinistraße saniert. Hingegen scheint seine Verleger-Chefin die Freude an Potsdam ein wenig verloren zu haben. Zumindest wurde bekannt, dass Friede Springer ihr Domizil in der Puschkinallee aufgegeben hat.

Noch gar nicht bezugsfertig ist die Villa Gutmann mit dem berühmten Arabicum, einem Salon mit arabischer Ornamentik. Die Schauspielerin Nadja Uhl („Kirschblüten - Hanami“) will das historische Gebäude zu einem Mehrgenerationenhaus ausbauen. Ein wenig außerhalb des Potsdamer Promi-Radius hat sich der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Buchautor Frank Schirrmacher niedergelassen. In Sacrow erwarb er Haus und Grundstück, direkt an den Ufern des Sacrower Sees. Vielleicht musste Schirrmacher aber auch deshalb bereits in die Randbezirke ausweichen, weil in den Potsdamer Stadtregionen die repräsentativen Bauten langsam knapp werden.

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