• Von Kay Grimmer: „Ja, so sehen Siegerinnen aus“

Von Kay Grimmer : „Ja, so sehen Siegerinnen aus“

Mehr als 1000 Fans empfingen Champions-League-Gewinner Turbine Potsdam am Brandenburger Tor

Mit Pott und Schale. Die Turbine-Spielerinnen Anna Felicitas Sarholz, Jennifer Zietz, Viola Odebrecht, Fatmire Bajmaraj, Desiree Schumann und Bianca Schmidt (v.l.) posieren mit den zwei errungenen Trophäen dieser Saison: der Deutschen Meisterschale und dem Champions-League-Pokal. Fotos (3): Andreas KlaerAlle Bilder anzeigen
25.05.2010 04:18Mit Pott und Schale. Die Turbine-Spielerinnen Anna Felicitas Sarholz, Jennifer Zietz, Viola Odebrecht, Fatmire Bajmaraj, Desiree...

Innenstadt - Die Heldin von Getafe, Anna Felicitas Sarholz, war der Überraschungsgast. Mehr als 1000 Fans bereiteten am gestrigen Pfingstmontag vor dem Brandenburger Tor der Torfrau des 1. FFC Turbine Potsdam und ihrer ganzen Mannschaft einen umjubelten Empfang nach dem Gewinn des ersten Champions-League-Finales im Frauenfußball. Elfmeterkillerin Sarholz sollte eigentlich mit der U-19-Nationalmannschaft zur Europameisterschaft unterwegs sein. „Aber nach dem Spiel in Getafe habe ich darum gebeten, mich abzulösen. Ich sah mich nicht in der Lage, für die U-19 zur Verfügung zu stehen“, sagte die erst 17-jährige Torhüterin. Sarholz hatte beim Finale am Donnerstagabend mit zwei gehaltenen Strafstößen im Elfmeterschießen gegen Olympique Lyon den 7:6-Erfolg nach zuvor torlosen 120 Minuten möglich gemacht .

Unter den Klängen der Turbine-Vereinshymne erreichte der Teambus kurz vor 14 Uhr den Potsdamer Luisenplatz. Die Turbine-Spielerinnen Anja Mittag und Fatmire Bajramaj rissen die Meisterschale in die Höhe, Jennifer Zietz und Babett Peter streckten den Fans den Champions-League-Pott entgegen. „Ihr seid die Besten“, „We are the Champions“ und „Ja, so sehen Siegerinnen aus“ skandierten die Turbine-Anhänger. Die Spielerinnen entrollten zudem ein Banner, auf dem zu lesen war: „Turbine Potsdam – die Seele Brandenburgs, der Stolz Deutschlands, der Champion Europas“.

Stolz auf den Sieg waren nicht nur die Spielerinnen. „Der erste Verein zu sein, der solch einen Titel schafft, ist natürlich etwas Besonderes“, sagte Birgit Richter, Turbine-Fan seit 2003. „Außerdem ist es ein Titel, den Frankfurt noch nicht hat“, spielte sie mit einem Grinsen auf die Rivalität zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt an. Richter war mit Freunden beim Endspiel im Madrider Getafe-Stadion dabei. „Wir saßen direkt hinter der Potsdamer Bank auf der Haupttribüne“, erzählte Silke Sparla, die sich das Elfmeterdrama im Gegensatz zur Fan-Freundin anschaute. „Ich habe mir den Schal vor meine Augen gehalten“, gestand Birgit Richter. Nach dem Sieg zogen beide mit weiteren Turbine-Fans noch bis 3 Uhr nachts durch Getafe – „bis die Polizei uns bat, unsere Gesänge in den Kneipen und nicht auf offener Straße abzuhalten“, sagte Birgit Sparla lachend.

Der Fanjubel in Potsdam galt neben Sarholz vor allem „Mister Frauenfußball“ – wie DFB-Präsident Theo Zwanziger den Turbine-Cheftrainer Bernd Schröder geadelt hat. Der Coach, der mit kurzer Unterbrechung seit 1971 Frauenfußballtrainer bei Turbine ist, sagte vor Mannschaft und Fans: „Potsdam ist eine Stadt, in der wir viele Hochleistungssportler, Olympiasieger und Weltrekordler haben. Jetzt sind wir erstmals auf Augenhöhe mit ihnen.“ Turbines Mannschaftskapitänin Jennifer Zietz gestand, dass der Titel „ein hartes Stück Arbeit und ein weiter Weg war“. Die Mittelfeldstrategin hatte neben Anja Mittag beim Elfmeterduell nicht getroffen und für bange Minuten gesorgt. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich gedacht, alles ist vorbei“, gestand auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der das Spiel beim Public Viewing in der Landeshauptstadt mitverfolgt hatte. Das dramatische Endspiel sei Werbung für den Frauenfußball „und auch für Potsdam gewesen“, meinte Jakobs, dessen Stadtverwaltung den gestrigen Empfang organisiert hatte. Welche weiteren Ehrungen die Champions-League-Sieger von der Stadt oder vom Land Brandenburg erfahren, sei noch nicht geklärt. „Ich bin mir aber sicher, dass von Ministerpräsident Matthias Platzeck noch etwas kommen wird“, sagte Brandenburgs Sportminister Holger Rupprecht.

Mit dem Sieg des ersten Champion- League-Finales im Frauenfußball – Vorgänger war der Uefa-Pokal – werden auch 300 000 Euro in die Vereinskassen von Turbine gespült. Ob das Geld für eine Mannschaftsverstärkung eingesetzt werden soll, ließ Schröder offen. „Wichtig ist, dass das Team zusammenbleibt“, betonte der „Meistermacher“. Denn, so rief der 67-Jährige unter dem Jubel der Fans: „Bei uns ist die Mannschaft der Star.“

Das Video wurde uns freudnlicherweise von PotsdamTV zur Verfügung gestellt.

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