• Von Jana Haase: „Lutter & Wegner“ im Krongut

Von Jana Haase : „Lutter & Wegner“ im Krongut

Weinstube, Wochenmarkt und „Federviehhaus“: Wie Josef Laggner das Krongut verändern will

Bornstedt - Das Krongut Bornstedt wird gastronomisch aufpoliert: Der neue Besitzer und Betreiber Josef Laggner will noch in diesem Jahr eine Dependance des renommierten Weinhauses „Lutter & Wegner“ in Bornstedt eröffnen. Geplant sei die Weinstube in der ehemaligen Glashütte, sagte Laggner den PNN im Gespräch. Auf der Freifläche im Hof werde bis Juni außerdem ein Pavillon für Imbiss-Gäste entstehen, das sogenannte „Federviehhaus“. Dort sollen Touristen für weniger als fünf Euro essen können. Das Brau- und Brennhaus wurde bereits im Januar 2009 komplett renoviert und bietet jetzt „regionale Küche mit leicht österreichischem Einschlag“, erklärte Laggner.

Das Krongut ist eine von drei Baustellen, an denen der Erfolgsgastronom momentan arbeitet: In Berlin entwickelt er gleichzeitig das „Café Möhring“ am Gendarmenmarkt und die „Gendarmerie“ in der Behrenstraße. Auch am Bürgerbahnhof Park Sanssouci sei er interessiert, bestätigte Laggner den PNN. „Da könnten wir unser Bier verkaufen, einen kleinen Biergarten und Shops eröffnen: Zeitung, Bäckerei, Gemüse, Andenken“, gerät er ins Träumen: „Richtig Gedanken mache ich mir darüber aber erst, wenn die Unterschrift beim Notar gemacht ist.“

Zwei Tage pro Woche sei er momentan in Bornstedt: „Am Sonntag komme ich privat, zum Gucken“, sagt der 42-Jährige gebürtige Bad Gasteiner, der seit 24 Jahren in Berlin lebt. Zu seiner Laggner-Gruppe gehören neben dem Stammhaus „Lutter & Wegner“ am Gendarmenmarkt mit Dependancen in München, Hamburg, auf Usedom und in Bad Gastein auch der edle „Kaisersaal“ am Potsdamer Platz, die „Newton Bar“ in Berlin Mitte und das Ausflugslokal „Fischerhütte“ am Schlachtensee.

Auf das „Mustergut“ in Bornstedt hatte er schon seit 2005 ein Auge, erzählt er. Anfangs aus Ärger: Denn als Spaziergänger im Park Sanssouci habe es ihn gestört, „dass man sich nirgendwo schön hinsetzen kann“, erinnert sich Laggner: „Man hat hier alles, aber es ist gastronomisch nicht genutzt worden“, sagt er und spricht vom Krongut im „Dornröschenschlaf“. Im Mai 2008 habe er mit den Verhandlungen über das Objekt begonnen. Ende des Jahres wurde der Kauf dann perfekt. Über den Preis schweigt Laggner.

Eine „siebenstellige Summe“ habe er seitdem investiert: „Und es wird nochmal eine siebenstellige Summe dazukommen.“ Bisher sei vor allem „entrümpelt“ worden. „Außerdem haben wir das Café Victoria zurückgekauft“, sagt Laggner.

Neuer „Gutsleiter“ und Küchenchef ist Detlev Schmidkunz, der ehemalige Chefkoch vom Käfer–Dachgartenrestaurant auf dem Bundestag in Berlin. Unter seiner Leitung soll das Gut „hochwertiger, kultureller, gastronomischer“ werden, verspricht Laggner. Kostenpflichtige Märkte wie in der Vergangenheit werde es nicht mehr geben: Nur für den Weihnachtsmarkt werde ein „Künstlerbeitrag“ von einem Euro erhoben. Außerdem will Laggner stärker mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zusammenarbeiten.

Sein Publikum sieht er aber nicht nur in Touristen, sondern auch in den Potsdamern. Geplant sei unter anderem ein regelmäßiger Markt an zwei Tagen pro Woche mit 20 bis 30 Anbietern aus der Region. In der Manufaktur soll in der oberen Etage Kunsthandwerk angeboten werden, unten sollen ländliche Produkte verkauft werden: „Wein- und Feinkost, Kaffee, Schokolade, eine Zigarrendreherei“, sagt Laggner. Die bisherigen Mieter werden zunächst bleiben: „Nach dem Weihnachtsmarkt können sie selbst entscheiden, ob wir zusammenpassen oder nicht.“ Nur der Modeladen aus dem Herrenhaus soll jetzt schon in die Manufaktur ziehen und Platz machen für einen Raum für Veranstaltungen, Vernissagen oder Hochzeitsgesellschaften. „Mode im Gutshaus“, sagt Laggner und lacht: „Der Kaiser hätte sich im Grabe umgedreht!“

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