• Von "Hört sich gut an" bis "Danke Hasso Plattner": Minsk-Idee sorgt für große Begeisterung
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Von "Hört sich gut an" bis "Danke Hasso Plattner" : Minsk-Idee sorgt für große Begeisterung

Die Nachricht, dass die Hasso-Plattner-Stiftung das Minsk erhalten und zu einem DDR-Kunst-Museum umgestalten will, wurde durchweg positiv aufgenommen.

Stand heute: Die Ruine des ehemaligen Terrassencafés "Minsk" auf dem Brauhausberg.
Stand heute: Die Ruine des ehemaligen Terrassencafés "Minsk" auf dem Brauhausberg.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Nach der Ankündigung, dass die Hasso-Plattner-Stiftung das ehemalige Terrassenrestaurant Minsk auf dem Brauhausberg zu einem Museum für DDR-Kunst umbauen will, fallen die Reaktionen euphorisch aus. 

Das Terrassenrestaurant "Minsk"
Als "Terrassenrestaurants am Brauhausberg“ wurde das "Minsk" Ende der 60er Jahre geplant.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Repro: PNN
27.03.2019 22:00Als "Terrassenrestaurants am Brauhausberg“ wurde das "Minsk" Ende der 60er Jahre geplant.

So teilte der Potsdamer SPD-Fraktionschef Pete Heuer auf Anfrage mit, Hasso Plattner erweise sich seiner Ehrenbürgerschaft einmal mehr als würdig. „Seit den vielen Jahren der Suche nach einer sinnvollen Nachnutzung für das Minsk ist das die erste überzeugende Idee. Wir können jetzt sehr optimistisch in das Vergabeverfahren gehen – ein guter Tag für Potsdam.“ Heuer hatte bisher zu den Skeptikern gehört, ob man das Minsk tatsächlich erhalten könne. Den Plänen zufolge will die Hasso-Plattner-Stiftung das verfallene Restaurant und dessen Umfeld für 20 Millionen Euro von den Stadtwerken kaufen und originalgetreu sanieren. Die Stadtwerke hatten eigentlich bereits seit Ende 2017 längst einen anderen Investor gefunden, der das Gelände für 27 Millionen Euro kaufen, das Minsk abreißen und Stadtvillen errichten wollte. Jedoch hatten vor allem Linke, Grüne und die Fraktion Die Andere über Monate hinweg immer wieder den endgültigen Verkaufsbeschluss verhindern können. 

Auch die Initiative Mitteschön, die sich zuletzt stark für den Erhalt engagiert hatte, meldete sich zu Wort. „DANKE HASSO PLATTNER“, teilte die Initiative auf ihrer Internetseite mit. Neben dem von Plattner bereits gestifteten Museum Barberini werde Potsdam nun „eine weitere internationale Kunstattraktion“ erhalten. es gehe um „ein qualitätvolles Gebäude der DDR-Architektur, das hoffentlich als Leitbau die weitere städtebauliche Entwicklung des Brauhausberges positiv beeinflusst“, so Mitteschön. 

Auch die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ begrüßte die Nachricht: „Hört sich gut an“, hieß es in einer Facebook-Botschaft. Zu bedauern bleibe einzig, dass diese Wendung „nur sehr stark eingeschränkt“ der Stadtverwaltung und den Stadtwerken zu verdanken ist. „Für diese stand bis zum Schluss die Verwertung im Mittelpunkt“, so die Initiative.

Auch die Künstler im Rechenzentrum erklärten bei Facebook: „So kann es laufen – mit jahrelangem Engagement, Mahnen, Ringen von verschiedenen Seiten –  lokal wie überregional, bürgerschaftlich, überparteilich. Finden wir gut. Erhalt statt Abriss, original statt unerkennbar verbaut, Museum statt Muster-Luxus-Wohnung!“

„Tolle Neuigkeiten! Gut gemacht, Mike Schubert“, teilte hingegen die Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordnete Manja Schüle via Facebook mit.

Die Initiative für das Vorhaben der Plattner-Stiftung geht auf Oberbürgermeister Schubert zurück, der erst seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt ist. Er habe, so Schubert, bei der Suche nach Lösungen für den Erhalt des Minsk das Gespräch mit der Hasso-Plattner-Stiftung gesucht. Daraufhin habe die Stiftung ein Konzept entwickelt, das die gemeinnützigen Stiftungszwecke mit den Interessen der Landeshauptstadt verbinde. Zu den Kernpunkten gehöre neben dem Erhalt des Minsk und dem Bau preisgünstiger Mietwohnungen neben außerdem, dass der Brauhausberg als öffentlicher Raum erhalten bleiben soll. Die Stadtverordneten müssen über die Pläne allerdings noch abstimmen. 

Doch in diesem Fall scheint ein parteiübergreifender Konsens möglich. Der Potsdamer CDU/ANW-Fraktionschef Matthias Finken erklärte den PNN: "Mit dieser Idee gewinnt der Brauhausberg zurück, was durch die massive Bebauung verloren gegangen wäre. Er kann damit wieder zu einer attraktiven Visitenkarte Potsdams für die am Leipziger Dreieck und am Bahnhof ankommenden Gäste werden und darüber hinaus noch zu einem einzigarten Besuchserlebnis einladen. Dieses Angebot müssen wir annehmen." Auch die CDU hatte lange Zeit, gerade aus finanziellen Gründen, nicht mehr an den Erhalt des Minsk geglaubt und für den Abriss votiert. „Wir haben immer gesagt, dass wir mögliche Pläne zum Erhalt des Minsk unterstützen, wenn es einen Investor gibt, der diese erheblichen Investitionskosten übernimmt“, sagte der Kreisvorsitzende der CDU Potsdam, Götz Friederich. "Die Verwertung des Brauhausbergs war und ist unerlässliche Konsequenz zur Refinanzierung der Bau-Investitionen des Spaßbades blu am Brauhausberg. Daran hat sich bis heute nichts geändert." Friederich weiter: "Dass die Refinanzierung aber auf eine derart exklusive und kulturstiftende Art geschieht, ist natürlich wieder einmal ein Geschenk, für das wir nur eins sagen können: 'Danke, Hasso Plattner, wieder einmal für ein derartiges Kunstgeschenk!'"

Linke-Kreischef Stefan Wollenberg teilte den PNN mit: „Ich freue mich sehr über diese Chance, das Minsk als stadtbildprägendes Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern als öffentlichen Ort mit einer tollen Nutzung zu gestalten. Dass auch Teile des Umfeldes wieder hergestellt werden sollen, macht das Projekt umso attraktiver. Es zeigt auch, das mit Potsdams großer Attraktivität eben mehr möglich ist als immer nur maximale Bebauungsdichte zum höchstmöglichen Preis.“

Selbst die linksalternative Fraktion Die Andere, die 2016 sich noch gegen die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Plattner gestellt hatte, begrüßte das Projekt. Fraktionschef André Tomczak sagte den PNN: "Nun gibt es eine Chance, das Minsk zu sanieren und in einem unverbauten Umfeld als Zeugnis der Ostmoderne im Stadtbild  zu erhalten. Wir bedauern allerdings, dass die Entscheidung, ein wichtiges stadtbildprägendes Gebäude aus der DDR-Zeit vor dem Abriss zu retten, nicht das Ergebnis einer nachhaltigen und am baulichen Bestand orientierten Stadtentwicklung ist, sondern nur der Laune eines Milliardärs entspringt. Auch wenn der Abriss der alten Schwimmhalle und der Bau des Blu nicht mehr rückgängig zu machen sind, gewinnt Potsdams Hausberg durch das Minsk und dessen Einbettung an Qualität zurück."

Und die Grünen-Fraktionschefin Janny Armbruster twitterte: „DDR-Kunst in DDR-Architektur: Das ist wirklich ein Geschenk an die Stadt. Danke Hasso Plattner und seiner Stiftung. Und ich freue mich persönlich, dass sich unser Kampf um den Erhalt des Minsk gelohnt hat. Wir Grünen werden in der SVV für das Vorhaben stimmen.“ Weiter erklärte sie: "Vor dem  Hintergrund der aktiven Beiträge unserer Fraktion freuen wir uns außerordentlich über die Entscheidung der Hasso-Plattner-Stiftung, das Minsk nicht nur zu erhalten sondern dort idealerweise sogar DDR-Kunst auszustellen.“ Die baupolitische Sprecherin der Grünen, Saskia Hüneke, ergänzte: „Nach der Landtagsfassade wird hier zum zweiten Mal einem in der breiten Öffentlichkeit vorhandenen Wunsch zur Realisierung verholfen, das ist großartig!“ 

Die Potsdamer CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig meinte via Twitter: „Was würde @LH_Potsdam ohne Plattner machen... wirklich gute #Lösung für das #Minsk.“

Auch die AfD zeigte sich erfreut. AfD-Fraktionschef Dennis Hohloch sagte, „den unerwarteten Vorstoß der Hasso-Stiftung haben wir erfreut zur Kenntnis genommen.“ Der Erhalt des Minsk als DDR-Kunstmuseum in Verbindung mit der historiennahen Rekonstruktion des Wasserspiels am Brauhausberg sei „eine hervorragende Neuigkeit und wird Potsdams vielschichtiger Geschichte im Stadtbild gerecht“. Wir hoffen auf eine zeitnahe Einbringung der Pläne in die Stadtverordnetenversammlung, „um uns des Themas detaillierter annehmen und schließlich zustimmen zu können“.

Kritik gibt es bisher nur ganz vereinzelt. Die linke Initiativgruppe Potsdam, die den anonymen Blog www.potsdam-stadtfueralle.de betreibt, kritisierte in einem Tweet, "Potsdam verkauft sich endgültig an einen konservativen, neolibaralen Milliardär - siehe Debatte um Vermögenungleichheiten - und alles ist toll. Es lebe der König!"

Das Minsk war zu Beginn der 1970er Jahre errichtet worden und steht seit Ende der 1990er-Jahre leer, verfiel auch zusehends. Mehrere Anläufe, wieder einen Investor für das Haus zu finden, scheiterten. Auch die Initiative, es als Baudenkmal eintragen zu lassen, war nicht von Erfolg gekrönt. 
Übrigens: Inzwischen hat sich auch der einstige Stadtkonservator Andreas Kalesse gemeldet. Er sagte, die Woyski-Plastiken des früheren Staudenhofs "sollte die Stadt umgehend Herrn Plattner für das neue Museum schenken, denn da wären sie dann endlich würdig untergebracht". Derzeit wird in Potsdam debattiert, wo diese Skulpturen wieder aufgestellt werden sollen.

Eigenwillig war die Meldung von Wolfhard Kirsch, Chef der Fraktion Bürgerbündnis/FDP: "Ich freue mich natürlich, dass Hasso Plattner bzw. seine Stiftung Potsdam so ein großzügiges Angebot macht. Es wäre wunderbar, wenn das so realisiert werden könnte. Überrascht bin ich, dass Mike Schubert persönlich auf Plattner zugegangen ist. Mir ist noch gut in Erinnerung, wie Mike Schubert vor Jahren sagte, wir brauchen hier keine Mäzene, sondern Menschen, die ordentlich Steuern zahlen, damit die Stadt selber entscheiden kann, was sie mit dem Geld macht. Grundsätzlich wünsche ich mir, dass Herr Schubert Unternehmer nicht erst wertschätzt, wenn diese auf Plattner-Niveau angekommen sind, sondern auch den fleißigen Mittelstand, eben jene Steuerzahler. Aber ich freue mich natürlich trotzdem, dass Potsdam jetzt ein weiteres Kunstmuseum bekommt. Ein Haus für die Kunst der DDR war ja immer ein Herzenswunsch von Plattner."