• Von Henri Kramer: Fundtiere nach Kremmen

Von Henri Kramer : Fundtiere nach Kremmen

Tierschutzverein begrüßt Entscheidung / Potsdamer Tierheim bis Oktober 2010

Hängende Köpfe im Pfötchenhotel: Die Beelitzer Tierpension hat trotz ihrer professionellen Image-Bilder den Auftrag verloren, Potsdams Fundtiere zu betreuen (Foto o.). Nun soll sich die Sirius-Hundepension bei Kremmen versuchen (Foto u. l.). Bis Ende 2007 waren Fundtiere im Tierheim am Wildpark untergebracht. Fotos (3): Pfötchenhotel/Sirius/ M. ThomasAlle Bilder anzeigen
22.12.2008 07:09Hängende Köpfe im Pfötchenhotel: Die Beelitzer Tierpension hat trotz ihrer professionellen Image-Bilder den Auftrag verloren,...

Potsdams Tierheim liegt bis Herbst 2010 rund 75 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt. Ab Januar werden in Potsdam aufgegriffene herrenlose Tiere in der Sirius-Hundepension in Hohenbruch gepflegt – einem Örtchen bei Kremmen im Havelland. Diese Ausschreibungsergebnis teilte gestern Sozialbeigeordnete Elona Müller der Presse mit. „Das Angebot von Sirius war deutlich günstiger als die der beiden anderen Bewerber“, erklärte Müller in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Preisdifferenz liege im „fünfstelligen Bereich“. Zudem hätte die Hundepension auch in den Bereichen Konzept und Zuverlässigkeit „punkten“ können. Die Autofahrt zwischen Hohenbruch und Potsdam dauert etwa eine Stunde.

Um die kommunale Pflichtaufgabe der Betreuung von Fundtieren hatte sich neben dem Anbieter aus Kremmen auch der Potsdamer Tierschutzverein (TSV) und das Pfötchenhotel Beelitz beworben, welches dieses Jahr für die Betreuung zuständig war. Der TSV hatte bis Ende 2007 das frühere Tierheim am Wildpark betrieben. Obwohl für die Aufgabe der Tierbetreuung die vergleichsweise geringe Summe von 120 000 Euro im Potsdamer Haushalt zur Verfügung steht, gibt es seit Jahren heftigen Streit, vor allem zwischen Verwaltung und TSV.

Doch die Entscheidung gestern erzeugte auch versöhnliche Töne. Zwar bedauere er, dass nicht sein Verein den Zuschlag erhalten habe, erklärte der TSV-Vorstand in einer Mitteilung. Allerdings gratuliere der Verein ausdrücklich der Sirius-Pension, mit der nun eine Zusammenarbeit angestrebt werde. „Die Entscheidung ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil Potsdams Fundtiere wieder von Tierschützern betreut werden“, hieß es in dem TSV-Schreiben. Sirius-Chef Ralf Hewelcke ist gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Nordische in Not e.V., der sich dem Schutz von Hunden widmet. Die Sirius-Pension selber gibt es seit 1996. Auf der 4,3 Hektar großen Anlage werden neben Hunden auch Katzen, Vögel und Kleintiere gehalten. Vor Ort fallen die großzügigen Ausläufe und die abgeschiedene Lage mitten in der Natur auf. Hewelcke hatte sich bereits im September als Bewerber öffentlich vorgestellt (PNN berichteten).

Die politischen Reaktionen auf die Entscheidung fielen gestern unterschiedlich aus. „Vielleicht birgt diese vertretbare Entscheidung die Chance, den Streit zwischen TSV und Verwaltung zu beendet“, sagte Potsdams Die Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Er gilt als entschiedener Fürsprecher des TSV. Auch Mike Schubert als Chef der SPD-Fraktion im Stadtparlament begrüßte die Entscheidung: „Allerdings ist der Weg nun noch länger und es gibt leider keine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.“

Allerdings müssen Fundtiere nicht persönlich hingebracht werden. Wer ein Tier findet, meldet dies im Ordnungsamt, ein Verwaltungsmitarbeiter bringt es dann nach Kremmen, so Beigeordnete Müller. Die nötigen Fahrtkosten seien in die Entscheidung einbezogen worden.

Ab 1. Oktober 2010 sollen diese Fahrten wegfallen. Bis dahin ist der Vertrag mit der Sirius-Pension datiert. Danach soll ein neues Tierheim in Potsdam stehen. Die Ausschreibung dafür startet Anfang nächsten Jahres.