• Von Guido Berg: Schönes gratis für alle

Von Guido Berg : Schönes gratis für alle

Diskussion und Zustimmung des Kulturausschusses zum Leitbauten-Konzept

Guido Berg
Weltmeister der Architektur waren die Italiener über Jahrhunderte: Das Potsdamer Palais Barberini, erbaut nach römischem Vorbild, in einer Visualisierung. Grafik: Christopher Kühn
Weltmeister der Architektur waren die Italiener über Jahrhunderte: Das Potsdamer Palais Barberini, erbaut nach römischem Vorbild,...

Innenstadt - Der Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung hat dem Leitbauten-Konzept für die Mitte zugestimmt. Linke-Vertreterin Brigitte Oldenburg enthielt sich der Stimme; Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg verließ die Sitzung am Donnerstag kurz vor der Debatte über die zu rekonstruierenden Fassaden kulturhistorisch und architektonisch bedeutsamer Gebäude der zerstörten Potsdamer Mitte.

Der Baubeigeordnete Matthias Klipp (Bündnisgrüne) brach eine Lanze für das unter Mithilfe mehrerer namhafter Potsdamer Architekten entstandene Konzept. Es gehe darum, die Wunden zu heilen, die Krieg und Diktatur hinterlassen haben. Heute stünden die Mittel zur Verfügung, dieses Ziel zu erreichen. Die Potsdamer Mitte sei eine gelungene städtebauliche Komposition von europäischer Bedeutung, so Klipp, der argumentierte: Wenn es falsch war, die Mitte zu zerstören, dann ist es heute richtig, sie wieder aufzubauen. Zum Palais Barberini am Alten Markt, dessen Vorderhaus als einziger Leitbau komplett rekonstruiert werden soll, erklärte Klipp: „Ich hoffe, dass sich ein Bauherr findet, der sich dieser Aufgabe stellt.“

Im Weiteren ging Klipp auf einzelne Gebäude ein, deren Fassade als Leitfassade wieder entstehen soll. So sei nach langer Diskussion entschieden worden, auch die Fassade des Plögerschen Gasthof einzubeziehen, selbst wenn dieser Bau wegen der Verbreiterung der Friedrich- Ebert-Straße um zehn Meter in Richtung Nikolaikirche verschoben wird. Der Bau schließe aber den Steubenplatz nach Norden hin ab. Die acht Attika-Figuren seien noch vorhanden und könnten das Gebäude künftig wieder zieren. Abschließend zitierte Klipp Karl Friedrich Schinkel: „Ein Gebrauchsfähiges, Nützliches, Zweckmäßiges schön zu machen ist die Aufgabe der Architektur.“

Als Linke mit sozialem Engagement habe sie angesichts von Luxuswohnungen und Luxusgeschäften, die in der Mitte entstehen werden ihre Bedenken, erklärte Brigitte Oldenburg. Ausschussmitglied und Bildhauer Ralf Matura entgegnete, er verstehe das Argument nicht, durch die privaten Bauherren werde dank Leitbautenkonzept viel Schönes errichtet, das von allen Potsdamern gratis genossen werden könne. Bettina Klusemann (SPD) erklärte, in der Nähe des Landtages könnten doch in den Geschäften durchaus auch exklusive Sachen angeboten werden „ohne gleich in Klassenkampf-Stimmung zu geraten“.

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