• Von Guido Berg: „Die Lösung auf einen Schlag“

Von Guido Berg : „Die Lösung auf einen Schlag“

Ist ein Ende der Jugendkulturkrise in Sicht? Scharfenberg prescht vor mit Standortvorschlag für Spartacus und S13

Guido Berg

Teltower Vorstadt - Was Hans-Jürgen Scharfenberg präsentiert, könnte seiner Ansicht nach schlichtweg der Ausweg aus der Jugendkulturkrise in der Stadt Potsdam sein. Mit unverkennbarem Stolz machte der Stadtfraktionschef der Linkspartei gestern Morgen geladene Journalisten mit einem neuen Standortvorschlag für die im Frühjahr 2008 obdachlos gewordenen Jugendeinrichtungen Spartacus und S13 bekannt. Es ist ein mit fünf Gebäuden bebautes Stadtwerke-Grundstück in der Friedrich-Engels-Straße 22; ehemals genutzt durch den Potsdamer Wasserbetrieb.

Spartacus und S13 hatten im vergangenen Jahr ihren Sitz in der Schlossstraße 13 räumen müssen. In der Stadt entbrannte darauf eine erhitzte Jugendkulturdebatte, die im November 2008 mit einer Protestaktion linker Jugendlicher im Stadtparlament ihren Höhepunkt erreichte. Zwischenzeitlich waren ein Haus in der Johannsenstraße und das ehemalige Restaurant Minsk am Brauhausberg als Alternativen gehandelt und wieder verworfen worden.

„Wir haben gesagt, wir finden uns damit nicht ab“, erklärte Scharfenberg gestern: „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie die Stadt aus der Kalamität heraus kommt“. Herausgekommen sei nun der Vorschlag zugunsten des Grundstücks der Energie und Wasser GmbH (EWP) unweit des Hauptbahnhofes. Mit Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Paffhausen sei dies bereits besprochen worden, die Stadtverwaltung überprüfe den Standort bereits seit Wochen auf seine Tauglichkeit. Scharfenberg zufolge müssten keine Millionen-Beträge für den Umbau eingesetzt werden, das wollten die Jugendlichen gar nicht. Stadtjugendring-Chef Dirk Harder nannte „einen vierstelligen Betrag“, den die Stadt monatlich als Betriebskostenzuschuss beisteuern müsste. Für die Nutzung des Jugendzentrums bestehen Harder zufolge detaillierte Vorstellungen. Er und Scharfenberg stellten eine von einem Architekturbüro entworfene Grafik vor, die zeigt, wie das Areal einmal aussehen könnte (siehe Foto). Harder zufolge soll der neue Jugendort den Namen „FreiLand“ tragen – im Sinne von „frei agieren“. Auf dem Terrain könnte es ein Café geben, zudem Bandproben- und Veranstaltungsräume, Musikunterricht für benachteiligte Jugendliche, einen alternativen Flohmarkt am Wochenende… „Es kann etwas Großartiges werden“, sagte Harder. Ferner ist geplant, dem Drogenpräventionsverein Chill out Büroräume zur Verfügung zu stellen sowie eine Anlaufstelle für gefährdete Jugendliche vom Hauptbahnhof zu schaffen.

„Mit Erstaunen“ reagierte gestern die Stadtverwaltung auf den Scharfenberg-Vorstoß. „Vorschnelle Öffentlichkeit hat schon beim Minsk falsche Erwartungen geweckt“, so Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Es handle sich um ein 3000 Quadratmeter-Grundstück der Energie und Wasser Potsdam GmbH: „Die EWP ist bereit, das Vorhaben unter anderem durch die Grundstücksüberlassung zu unterstützen“, heißt es in der Stadtmitteilung. Fragen der investiven und laufenden Kosten, der Finanzierung und der Trägerstruktur würden in einer Arbeitsgruppe mit der EWP geprüft. Bestehende Jugendangebote wie Lindenpark und Waschhaus müssten betrachtet und diskutiert werden (siehe Artikel unten). Jakobs: „Ohne Prüfung von möglichen Angeboten und den notwendigen Sanierungs- und Betriebskosten sind jedwede Vorfestlegungen unseriös.“

Stadtwerke-Chef Paffhausen sagte gestern den PNN, er sei guter Hoffnung, dass „der tolle Standort“ durch den heute tagenden Aufsichtsrat bestätigt wird. Es wäre schließlich „die Lösung eines großen Problems auf einen Schlag“.