• Von Erhart Hohenstein: Im Mai Baubeginn für Kongsnæs

Von Erhart Hohenstein : Im Mai Baubeginn für Kongsnæs

Wiederhergestellte Ventahalle wird Restaurant, Matrosenkaserne bleibt Wohnhaus

Erhart Hohenstein
Handschlag über den Atlantik: Der US-amerikanische Yacht-Designer Halsey Herreshoff (l.) war gestern zu Besuch bei Oberbürgermeister Jann Jakobs. Herreshoffs Ahnenlinie lässt sich bis Potsdam zurückverfolgen.
Handschlag über den Atlantik: Der US-amerikanische Yacht-Designer Halsey Herreshoff (l.) war gestern zu Besuch bei...Foto: Manfred Thomas

Berliner Vorstadt - Am 15. Mai soll der symbolische Startschuss für die Sanierung der Matrosenstation Kongsnæs und den Wiederaufbau der kriegszerstörten Venta(Empfangs)halle fallen. Dies teilte während eines Treffens bei Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gestern Wolfram Seyfert, Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft Fach&Werk, mit. Sein Büro ist vom neuen Eigentümer, dem Berliner Geschäftsmann Michael Linckersdorff, damit betraut worden, Kongsnaes wieder zu einer „Visitenkarte Norwegens in der Potsdamer Kulturlandschaft“ zu gestalten. Der Termin der Auftaktveranstaltung wurde bewusst gewählt, liegt er doch wenige Tage vor dem norwegischen Nationalfeiertag. So darf der Bauherr wohl auch auf einen prominenten Gast aus dem nordischen Königreich hoffen.

Als erstes müsse die Uferböschung zum Jungfernsee repariert und neu befestigt werden, erläuterte Seyfert. Auch eine neue Steganlage will man errichten. Im See soll der traditionelle Ankerplatz der historischen Yacht „Royal Louise“ wiederhergestellt werden. Er ist auf einer alten Stadtkarte von 1925 noch zu erkennen. Bekanntlich ist der Potsdamer Yacht- und Schifffahrtsverein Eigner eines Nachbaus dieses Schiffes und strebt eine Rückkehr zur Matrosenstation Kongsnæs an.

Diesem Präludium folgt als nächstes bereits der Wiederaufbau der Ventahalle, die von dem berühmten norwegischen Baumeister Holm Hansen Munthe in nordischer Holzbauweise errichtet worden war. Für die erneuerte Halle ist eine Nutzung als Gaststätte vorgesehen. Laut Seyfert hat die Ankündigung des Wiederaufbaus in Norwegen zu Überlegungen geführt, auch den in Oslo von Munthe errichteten Zwillingsbau, das einem Brand zum Opfer gefallene Hasselbakken-Restaurant, wieder zu errichten.

Anschließend werden die drei erhaltenen Funktionsgebäude der Matrosenstation denkmalgerecht saniert. In das frühere Kapitänshaus zieht Nord-Ster, ein auf den An- und Verkauf historischer Yachten spezialisiertes Unternehmen. Die einstige Matrosenkaserne bleibt weiterhin Wohnhaus. Der Bootsschuppen soll im Inneren auf sein originales Aussehen zurückgebaut werden. Er kann dann für Treffen mittelgroßer Gruppen, etwa von Seglervereinen, genutzt werden. Dort wäre auch Platz, in einem „Schaudepot“ über die Geschichte der „Royal Louise“ und des deutschen Segelsports zu informieren, der hier einen seiner Ausgangspunkte hatte. Eingeordnet werden könnte ebenso eine historische Bibliothek über den Yachtbau, die ein Sammler dem Potsdamer Yacht- und Schifffahrtsverein überlassen hat. Darüber gibt es einen Gedankenaustausch mit dem Vereinsvorsitzenden Claus Reichardt. Das Konzept macht laut Seyfert deutlich, dass sich Kongsnæs in die Landschaft und die Bebauung an der Schwanenallee harmonisch einfügen werde. Entgegen vorhergehenden Planungen müssten von den Anwohnern kein größeres Hotel und keine Tagungsstätte mit starkem Autoverkehr befürchtet werden.

Der Projektentwickler gab diese Pläne gestern während eines Gesprächs preis, zu dem Oberbürgermeister Jakobs den US-amerikanischen Yachtbauer Halsey Herreshoff (79) empfangen hatte. Die weltberühmte Bootsbauerdynastie führt ihre Abstammung auf Potsdam zurück. Der 1783 in die USA eingewanderte Firmengründer Carl Friedrich Herreshoff war laut Familienchronik der Sohn eines Soldaten, der im Leibbataillon Friedrichs des Großen diente. Von Reichardt begleitet, folgt der amerikanische Gast zurzeit auf einer Deutschlandreise den Spuren seiner Vorfahren. Die Yachtbauer besaßen auch eine Verbindung zu Kongsnæs. Ihre über den großen Teich gesandten Boote schlugen auf Wettfahrten meist die deutschen, die von Wilhelm II. an den Start gebracht wurden. Der deutsche Kaiser kaufte deshalb mehrere davon auf, um hinter das Geheimnis ihrer Konstruktion zu kommen. In dem Schaudepot könnte auch auf diese Verbindungen eingegangen werden. Halsey Herreshoff zeigte sich von dieser Idee angetan und sagte für ihre Verwirklichung seine Unterstützung zu.