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Villa Kellermannn : Das kocht Tim Raue für Potsdam

Günther Jauchs Villa Kellermann soll ein Restaurant für die Potsdamer werden – mit moderner deutscher Küche, erschwinglichen Preisen und Kuchen auf der Seeterrasse

Tim Raue im Spiegelsaal der Villa Kellermann. 
Tim Raue im Spiegelsaal der Villa Kellermann. Foto: Andreas Klaer

Es ist laut in der Villa Kellermann am Heiligen See. Maschinen dröhnen, auf einem Gerüst bringen zwei Bauarbeiter Farbe an die Decke. Mittendrin steht Sternekoch Tim Raue. Im September wird er hier sein neues Restaurant „Villa Kellermann by Tim Raue“ eröffnen. Gemeinsam mit dem Eigentümer des Hauses, dem Potsdamer Journalisten und TV-Moderator Günther Jauch, hat er dafür eine Betreibergesellschaft gegründet. Raue und Jauch wollen die Villa Kellermann wieder zu dem machen, was sie in ihrer Geschichte immer wieder war: ein Ort für die Potsdamer. Wer teuerste Sterneküche erwartet, einen elitären Salon für Gourmets, wird daher enttäuscht werden.

Video: Valerie Barsig

Königsberger Klopse wie für Obama

Auftischen will Raue eine von Brandenburg und Potsdam inspirierte Küche, die Gerichte kosten zwischen 9 und 28 Euro. „Es wird Zander in Dillsoße geben und Schmorgurken mit Estragonpüree“, sagt der 45-jährige Berliner. Estragonpüree? „Wir haben Selleriepüree gekocht. Der Estragon wird dreimal blanchiert, dann mixen wir ihn, frieren ihn ein und mixen ihn danach nochmal zu Staub.“ Der Staub wird dann unter das Püree gemischt. Auch Makrele Hausfrauenart mit Joghurtsoße steht auf der Karte. Mit Twist: Die Makrele ist gebeizt. Raues Handschrift sollen die Gerichte tragen, ein Aromenspiel zwischen Süße, Säure und angenehmer Schärfe, wie bei der Ententerrine Sanssouci mit hausgebackenem Brioche, Riesling-Gelee, Trauben und Haselnuss. Und Raue tischt auch Königsberger Klopse mit Roter Bete und Kartoffelpüree auf – die gab es aus seiner Hand schon für den früheren US-Präsidenten Barack Obama. Regional und individuell soll es schmecken. Raue hat sich auf regionalen Märkten und auch auf dem Werderaner Baumblütenfest inspirieren lassen: für die Obstweine aus der Region.  

Ein gedeckter Tisch für Potsdam

Mit dem Konzept knüpft Raue an sein längst geschlossenes, aber extrem erfolgreiches „La Soupe Populaire“ im Prenzlauer Berg in Berlin an. Auch dort gab es modernisierte deutsche Küche. Die Villa Kellermann soll ein gedeckter Tisch für Potsdam sein – wie früher, bei Oma. „Bei meiner Oma gab es am Wochenende Vorspeisen, einen Hackbraten, eine Schüssel mit Kartoffelpüree“, sagt der Koch. So soll es auch in der Villa werden. „Wer hierher kommt, soll sich umarmt fühlen.“ Das Design richtet sich am Vintage-Chic der 1900/1920er Jahre aus. Plüschig nennt Raue das. Parkettböden, Teppiche, Samt auf den Möbeln, es wird gemütlich.

In den Grünen Salons wird derzeit fleißig gearbeitet. 
In den Grünen Salons wird derzeit fleißig gearbeitet. Foto: Andreas Klaer

Vier Räume in der 1914 erbauten Villa werden den Gästen zur Verfügung stehen – 120 Personen sollen im Spiegelsaal, dem blauen Elefantensalon und in zwei grünen Salons Platz finden. Im Obergeschoss lässt Jauch Wohnungen einrichten, fürs "Wohnen auf Zeit".

Im Spiegelsaal wurden bereits Szenen für die Babelsberger Erfolgsserie „Babylon Berlin“ gedreht. Weil das Filmset Raue gefiel, durften die Babelsberger Kulissenbauer gleich den ganzen Salon gestalten, mit Stuckverzierung samt Glühbirnen und in pastelliger Optik. Noch fehlen die Spiegel an den Wänden, auch ein Porträt des Alten Fritz soll bald hängen – von Andy Warhol. Teller und Silberbesteck sind teilweise auf dem Trödelmarkt erstanden, und die Speisekarten werden den Gästen in Kochbüchern aus der Zeit um 1900 präsentiert. „Es wird nicht billig wie in der Currywurstbude, aber auch nicht elitär“, sagt Raue. Deshalb wird die Eröffnung auch kein Galadinner mit Einladung. „Wir machen einfach die Türen auf.“ Potsdamer werden ihn auch vor Ort treffen können – wie jedes seiner Restaurants wird er die Villa Kellermann regelmäßig aufsuchen. Die Küche führen wird Christopher Wecker, Patricia Liebscher wird sich um die Gäste kümmern.

Essen mit Blick auf den Heiligen See

Im nächsten Jahr sollen diese auch draußen auf der Terrasse speisen können – mit dem unvergleichlichen Blick über den Heiligen See. Platz für 30 Gäste sei dort, und eigentlich wäre auf dem Grundstück auch Raum für mehr, allerdings mache der Denkmalschutz da nicht mit, sagt Raue. Das war früher anders: Als Maximilian Dreier vor mehr als zehn Jahren noch das in Potsdam legendäre „Ristorante Villa Kellermann“ betrieb, standen die Tische oft im Garten fast bis hinunter zum Wasser. Zu Dreiers Stammgästen gehörte damals auch Günther Jauch.

Ebenfalls im nächsten Jahr will Raue in der Villa Kellermann auch Kaffee und Kuchen anbieten – wie begehrt ein Platz auf der Terrasse dann sein wird, lässt sich leicht erahnen. Ist doch die Villa Kellermann das einzige öffentlich zugängliche Gebäude an diesem Seeufer vis-à-vis des Marmorpalais’.

Neuer Stern für Potsdam?

Dass es mit der „Villa Kellermann by Tim Raue“ vielleicht einen  weiteren Stern für Potsdam geben wird, möchte Raue zumindest „nicht ausschließen“. Dennoch liege darauf nicht das Augenmerk. „Die Villa Kellermann soll wieder ein Teil von Potsdam werden“, sagt der Sternekoch. Darauf liege sein Fokus.  

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Die Villa Kellermann by Tim Raue, Mangerstraße 34, wird nach der Eröffnung im September immer mittwochs bis sonntags von 18 bis 24 Uhr und samstags und sonntags von 12 bis 24 Uhr geöffnet sein. Derzeit wird noch Servicepersonal gesucht, bewerben kann man sich ab Freitag, 17. Mai, auf www.villakellermann.de