• Vierter Dürresommer in Potsdam: Stadt verfügt Wasserentnahmeverbot bis Oktober

Vierter Dürresommer in Potsdam : Stadt verfügt Wasserentnahmeverbot bis Oktober

Ab Juli darf kein Wasser aus Seen, Flüssen und Gräben gepumpt werden. Auch Straßenbäume sind im Dürrestress - die Stadt bittet Bürger*innen um Unterstützung beim Wässern.

Die Trockenheit setzt den Bäumen in Straßen und Parks sichtlich zu.
Die Trockenheit setzt den Bäumen in Straßen und Parks sichtlich zu.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Wegen der anhaltenden Trockenheit untersagt Potsdam ab Donnerstag (1. Juli) und bis voraussichtlich zum 10. Oktober die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern wie etwa Flüssen, Seen und Gräben zur Bewässerung. Nach der extremen Niedrigwassersituation in den vergangenen drei Sommern konnten die Wasserdefizite in den Wintermonaten nicht ausgeglichen werden, teilte das Rathaus am Dienstag mit. Durch die Trockenheit seit Anfang dieses Jahres blieb die hydrologische Situation sehr angespannt.

Brandenburg war im Juni trockenste Region Deutschlands

Mit Ausnahme des Monats Mai fiel den Angaben zufolge weniger Regen als im langjährigen Mittel. Im Juni wurden mit Stand 23. Juni lediglich sieben Prozent erreicht. Auch kleinere örtliche Schauer konnten nicht zur Entspannung beitragen. Nach einer vorläufigen Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom Dienstag war Brandenburg im Juni mit einer Niederschlagsmenge von knapp 30 Litern pro Quadratmeter die trockenste Region Deutschlands. Auch der Blick auf die Auswertung der Bodenwassermengen durch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) macht die Folgen des Klimawandels greifbar: Demnach liegt die verfügbare Wassermenge einen Meter tief im Boden in Potsdam derzeit bei rund einem Drittel des langjährigen Mittels – ähnlich wie 2020 und 2018.

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Die Stadt sei durch das Umweltministerium zu Maßnahmen zum Wassersparen verpflichtet, sobald in drei aufeinanderfolgenden Wochenberichten an den maßgeblichen Richtpegeln erhebliche Unterschreitungen festgestellt wurden, teilte sie mit. Das sei nun der Fall. Den Havel-Pegel bei Ketzin etwa durchliefen lediglich 11,3 Kubikmeter Wasser je Sekunde – der sogenannte Jahreswert des mittleren Niedrigwasserabflusses liege dort bei 20,4.

Stadt geht davon aus, dass die Dürre bis in den Herbst andauert

Wegen der hohen Temperaturen verbunden mit hohen Verdunstungswerten, der geringen Niederschlagsmengen und der Wetterprognose geht das Rathaus davon aus, „dass die extreme Trockenheit und die damit einhergehenden geringen Wasserstände der Potsdamer Gewässer bis in den Herbst andauern werden“. Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren untersagt sie nun per Allgemeinverfügung die Entnahme von Wasser. Die Stadt weist zudem darauf hin, dass die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes auch keine Wasserentnahmen aus den durch Potsdam führenden Bundeswasserstraßen genehmigt.

Bis zu 50.000 Euro Bußgelder bei Verstoß gegen Wasserentnahmeverbot

Die Stadt kündigte zudem Kontrollen des Wasserentnahmeverbotes per Boot an. Zuwiderhandlungen gemäß Wasserhaushaltsgesetz könnten mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Durch die Wasserentnahmen seien die Gewässer zusätzlichem Stress ausgesetzt: Es könne zu einem Rückgang der Wasserstände sowie vermehrtem Algenwachstum und Fischsterben aufgrund von Sauerstoffmangel kommen.

Rathaus bittet um Hilfe bei der Wässerung von Straßenbäumen

Auch Potsdams Bäume leiden unter der Trockenheit: Das Rathaus ruft die Bürger*innen zur Unterstützung bei der Wässerung auf. „Die seit Jahren anhaltende extreme Witterung und die damit verbundene Dürre beeinträchtigen zunehmend die Vitalität unserer Stadtbäume“, sagt Lars Schmäh, der kommissarische Fachbereichsleiter Klima, Umwelt und Grünflächen. Der Wassermangel greife die Bäume zusätzlich zu den Belastungen durch verdichtete Böden, Hunde-Urin und Streusalze an und mache sie anfälliger für Schädlingsbefall. Das führe dazu, dass immer mehr Bäume gefällt werden müssen. Um die Bäume zu erhalten, müssen sie regelmäßig gegossen werden. Die Mitarbeitenden des Bereiches Grünflächen wässerten bereits mit Wasserwagen, Standrohren und mobilen Sprengern. Auch die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren unterstützten mit ehrenamtlichen Wässerungseinsätzen.

Die Stadt bittet die Bürger um „Wässerungsgaben“ für Straßenbäume. Zweimal wöchentlich vier bis fünf Eimer Leitungswasser (40 bis 50 Liter) helfen spürbar, heißt es. Auch Brauchwasser, etwa Regenwasser oder Wasser vom Gemüsekochen, könne genutzt werden. Durch vorherige Lockerung des Bodens könne die Verdunstung reduziert werden. Dringender Bedarf bestehe bei Bäumen, die älter als fünf Jahre sind – vorher werden sie von Pflanzfirmen gewässert.

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