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Verkehr in Potsdam : So komplex wird der Umbau der Nuthestraße

Potsdam muss sich einmal mehr auf Verkehrschaos einstellen. Die Brücken den Nuthestraße müssen erneuert werden. Die Bauarbeiten sollen drei Jahre dauern.

Die Hochstraße über den Bahngleisen an der Nuthestraße soll abgerissen und bis Herbst 2022 neu gebaut werden.
Die Hochstraße über den Bahngleisen an der Nuthestraße soll abgerissen und bis Herbst 2022 neu gebaut werden.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Freie Fahrt auf Potsdams wichtigster Straße – davon durften Autofahrer in den vergangenen Jahren meist nur träumen: Erst wurde die Humboldtbrücke saniert, dann der Abschnitt zwischen Horstweg und der Autobahn, zuletzt wurde eine marode Böschung an der Friedrich-Engels-Straße erneuert. Und die Situation wird auch in Zukunft nicht einfacher: Gegen Ende des Jahres rückt nämlich der Beginn der nächsten Großbaustelle näher. Dann beginnt der Brückenabriss der Hochstraße über die Bahngleise und die Friedrich-List-Straße. Rund 60.000 Autos sind an dieser Stelle täglich unterwegs.

Erste Maßnahmen sollen schon im November beginnen

Die Sanierungsplanungen für das Vorhaben werden jetzt konkreter. Der zuständige Landesbetrieb Straßenwesen hat die Ausschreibung gestartet. Der Auftrag ist auf der Vergabeplattform des Landes europaweit ausgeschrieben. Ab Ende 2019 soll drei Jahre lang gebaut werden. Im Oktober 2022 soll den Plänen zufolge alles fertig sein. In dieser Zeit wird Potsdams wichtigste Straße teilweise nur einspurig befahrbar sein. Erste bauvorbereitende Maßnahmen sind laut Stadtverwaltung ab Anfang November vorgesehen – allerdings noch ohne Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Zu den Kosten der Sanierung macht der Landesbetrieb auf PNN-Nachfrage keine Angaben. Man wolle die Angebote der Baufirmen abwarten, hieß es. Frühere Schätzungen lagen bei rund 23 Millionen Euro.

Aus den Ausschreibungsunterlagen wird deutlich, wie komplex des Unterfangen ist. Auf 129 Seiten wird detailliert bis zur Gesteinskörnung für den Fahrbahnunterbau aufgelistet, was die Baufirmen tun müssen. Im ersten Bauabschnitt sollen die Brücken auf der Westseite abgerissen werden. Der Verkehr in stadtauswärtiger Richtung wird in der Zwischenzeit über die östliche Fahrbahn geleitet. Pro Richtung soll eine Fahrbahn zur Verfügung stehen. Anschließend soll an der gleichen Stelle eine neue Brücke gebaut werden.

Auch Bahn-Nutzer sind betroffen

Die Arbeiten dürften sich auch auf Nutzer der Bahn auswirken. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, sind bereits mehrere Sperrpausen für die Bahnstrecke angemeldet. Allein drei teils mehrtägige Unterbrechungen sind im Februar 2020 für die Abrissarbeiten vorgesehen, weitere stehen im Juli 2020, Januar 2021 und März 2021 an. Entweder soll die Bahnstrecke nachts gesperrt werden oder an Wochenenden. Davon dürften jeweils sowohl die S-Bahn als auch die Regionalbahn betroffen sein.

Das gleiche Szenario wiederholt sich dann ab Sommer 2021 mit den Brücken auf der Ostseite, über die derzeit der Verkehr stadteinwärts unterwegs ist. Der Verkehr wird in beiden Richtungen über die dann neu gebaute Brücke auf der Westseite geführt. Dort soll zumindest stadteinwärts Platz für zwei Fahrspuren sein. Im August und September 2021 soll die alte Brücke abgerissen werden. Anschließend wird neu gebaut. Auch in diesem Bauabschnitt sind sieben Sperrpausen für die Bahnstrecke vorgesehen.

Im Sommer werden auch die Fahrbahndecken erneuert

Parallel zu den Arbeiten an der Hochstraße soll auch die Brücke über den Neuendorfer Anger erneuert werden. Für den Auf- und Abbau von Gerüsten müssen zeitweise auch die Friedrich-List-Straße und die Friedrich-Engels-Straße gesperrt werden. Die Stadtverwaltung habe dafür die Vorgabe gemacht, dass die beiden Straßen nicht gleichzeitig gesperrt werden dürfen.

Einschränkungen wird es in dem Bereich allerdings bereits vorher geben. In den Sommerferien nämlich will die Stadt die Fahrbahndecken an den Auf- und Abfahrten von der Nuthe- zur Friedrich-List-Straße erneuern. Die Baustellen werden nacheinander angelegt, jeweils eine Woche wird dort voll gesperrt. Insgesamt soll dort sieben Wochen gebaut werden. Die Bauarbeiten an der Böschung der stadteinwärtigen Fahrspur auf Höhe der Friedrich-Engels-Straße sind hingegen so gut wie abgeschlossen. Derzeit laufen noch Restarbeiten, wie Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen den PNN sagte. Bis April sollen sie abgeschlossen sein. Im Wesentlichen werden derzeit noch die Leitplanken am Fahrbahnrand und zwischen den Fahrbahnen montiert.

Zeitgleich zur Brückensanierung wird das Leipziger Dreieck umgebaut

Zusätzlich problematisch dürfte die Brückensanierung sein, weil sie sich zeitlich mit dem ebenso komplexen Umbau des Leipziger Dreiecks überschneidet. Wie berichtet soll es dort im April losgehen. Der erste Bauabschnitt wird den Planungen zufolge für eineinhalb Jahre die Friedrich-Engels-Straße betreffen. Während eine Fahrbahn gesperrt werden soll, wird der Verkehr über die Gegenfahrbahn geführt. Entsprechend weniger Platz gibt es pro Richtung.

Insgesamt vier Bauabschnitte soll es geben. Ziel ist, dass der Verkehrsknoten neben dem Bahnhof entwirrt wird. Davon soll insbesondere die Straßenbahn profitieren. Trams sollen nicht mehr den Autoverkehr kreuzen müssen, um in die Wendeschleife einfahren zu können. Die Baustelle ist auch schon in den Ankündigungen auf der stadteigenen Webseite mobil-potsdam.de aufgeführt. Dauer: 97 Wochen. Damit wären dann gleichzeitig die südlichen Zufahrten zu beiden Havelübergängen von Baustellen betroffen. Und auch nördlich wie es eng: 2021 soll wie berichtet die Behlertstraße zwischen Berliner Straße und Mangerstraße für die Sanierung gesperrt werden.

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