• Verkehr in Potsdam: Lange Brücke und Nuthestraße zeitgleich Baustelle

Verkehr in Potsdam : Lange Brücke und Nuthestraße zeitgleich Baustelle

Durch parallele Arbeiten könnte ab 2022 Verkehrschaos in Potsdams Innenstadt herrschen.

Potsdam - Potsdamer Autofahrer müssen in den kommenden Jahren durchgehend mit massiven Behinderungen auf Hauptverkehrsadern der Stadt rechnen. Denn nach dem im Juli startenden Umbau des Leipziger Dreiecks bis Ende 2021 wird nebenan ab 2022 die Lange Brücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt – eher als bislang gedacht. Parallel wird auch die Nutheschnellstraße zwischen Babelsberg und der Teltower Vorstadt über Jahre zur Dauerbaustelle.

Die Arbeiten sollen bei laufendem Verkehr stattfinden

Ein Stadtsprecher bestätigte einen Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung", dass der Abriss und Neubau der Langen Brücke ab voraussichtlich 2022 geplant wird – allerdings gebe es noch einen Haushalts- und Finanzierungsvorbehalt. 2019 sollen die konkreten Planungen beginnen, so der Sprecher weiter. Zuletzt ging die Verwaltung von fünf Jahren Bauzeit aus. Die Arbeiten sollen bei laufendem Betrieb stattfinden, rund 50 000 Fahrzeuge nutzen den einen der beiden großen Potsdamer Havelübergänge täglich. Ähnliche Behinderungen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten der Stadt durch größere Straßenbauprojekte hatten bereits in der Vergangenheit regelmäßig über Monate hinweg zu Staus geführt, erinnert sei an die Sanierung der Humboltbrücke für mehr als 50 Millionen Euro, die sich von 2006 bis 2015 gezogen hat.

Erschwerend kommt diesmal hinzu: Der Landesbetrieb Straßenwesen muss auf der ebenfalls vielbefahrenen Nutheschnellstraße auch Brücken erneuern. Komplett neu gebaut werden muss die sogenannte Hochstraßenbrücke über die Bahngleise, die Friedrich-List- und die Friedrich-Engels-Straße, sie gilt wie die Lande Brücke als stark sanierungsbedürftig. Für den Neubau sind ab 2020 drei Jahre Bauzeit bis 2023 vorgesehen. Im gleichen Zeitraum wird die Brücke über den Neuendorfer Anger erneuert, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebs auf Anfrage: „Es handelt sich um ein gemeinsames Bauprojekt.“ Bislang gehe man von rund 23 Millionen Euro Baukosten aus, die das Land trägt. Ebenso in die Bauzeit an der Langen Brücke fiele die Sanierung der Nuthestraßenbrücke über den Horstweg in Richtung Innenstadt. Sie sei für 2025 geplant, hieß es vom Landesbetrieb.

Auch an der Nutheschnellstraße werden die Brücken erneuert

Man wolle die Behinderungen für all diese Großprojekte möglichst gering halten, hatte die Potsdamer Bau- und Verkehrsverwaltung bisher stets erklärt. Die Sprecherin des Landesbetriebs sagte, die Brückensanierungen an der Nuthestraße würden wie alle anderen Bauprojekte in Potsdam mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Gleichwohl werde man die Arbeiten merken, hieß es weiter. „Wir werden versuchen, dass kein Chaos entsteht“, sagte der Stadtsprecher.

Bestätigt hatte der Landesbetrieb bereits, dass etwa bei der Hochstraßenbrücke jeweils nur eine Fahrbahn neu gebaut wird – über die andere Seite der Nuthestraße wird dann der gesamte Verkehr geführt. Das bedeutet, dass in einer ersten Phase die eigentlich in jede Richtung zweispurige Nuthestraße an diesen Stellen halbiert würde, also nur noch einspurig befahrbar sein wird. In einer zweiten Phase sollen mit Nutzung des Standstreifens über die neue Brücke zwei enge Spuren nebeneinander möglich sein – dort würden niedrige Tempolimits gelten.

Bei der IHK Potsdam schrillen schon die Alarmglocken

Doch noch sind viele Details der Verkehsplanung unklar. Daher schrillen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) angesichts des Dauerstaus bei anderen Straßenbauprojekten in der Vergangenheit bereits die Alarmglocken. Die Großbaustellen dürften sich möglichst nicht überlappen, sagte IHK-Sprecher Detlef Gottschling: „Wir setzen natürlich auf gut abgestimmte Planungen, damit die regionale Wirtschaft nicht gefährdet wird“. Für den Planungsprozess biete die Kammer ihre Hilfe und Mitarbeit an.

Dass die 1961 freigegebene Lange Brücke auf Verschleiß fährt, ist seit Jahren bekannt. Unter anderem bestehen prinzipielle Konstruktionsmängel an dem Bauwerk aus Spannbeton, auch eine Sanierung nach der Wende 1989 konnte daran nichts ändern. Seit rund einem Jahr gilt ein Verbot für Lastkraftwagen mit einem Gewicht von mehr als 30 Tonnen, ebenso wird das aus vier Segmenten bestehende Bauwerk regelmäßiger auf Risse untersucht, um Gefahren für die Sicherheit des Bauwerks rechtzeitig zu erkennen. Nur der Nahverkehr und Rettungsfahrzeuge sind nicht betroffen, da ihre Brücke abgetrennt von der vom Autoverkehr ist. Für den Neubau war die Stadt bisher von Kosten in Höhe von 24 Millionen Euro ausgegangen. Dabei sei noch unklar, ob Fördermittel beantragt werden könnten, sagte ein Sprecher. Vergangenes Jahr war bereits bekannt geworden, dass eine Förderrichtlinie des Landes für Brücken über wichtige Straßen nur bis Ende 2020 läuft – und das Projekt Lange Brücke dafür zu spät käme. Warum die Stadt nun möglichst schon ab 2022 die Brücke neu bauen lassen will, ließ die Verwaltung am Montag auf Anfrage offen.

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