• Verkehr: Der zähe Kampf gegen Schleichwege in Potsdam

Verkehr : Der zähe Kampf gegen Schleichwege in Potsdam

Ein vom Potsdamer Rathaus für Ende 2018 versprochenes Konzept gegen Autofahrer, die Staus umgehen wollen und auf Ausweichstrecken wählen, steckt noch in den Startlöchern.

So mancher Autofahrer versucht in Potsdam dem Stau über Umwege zu entgehen.
So mancher Autofahrer versucht in Potsdam dem Stau über Umwege zu entgehen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Um Staus auszuweichen, nutzen Autofahrer Schleichwege. Doch darunter leiden dann Anwohner vieler Seitenstraßen in Potsdam. Gegen solchen „gebietsfremden Durchgangsverkehr“ hatte die Stadtverwaltung eigentlich ein Konzept angekündigt – doch das dürfte noch etwas länger auf sich warten lassen. Das geht aus Antworten der Stadt auf eine PNN-Anfrage und auf eine Kleine Anfrage von SPD-Fraktionschef Pete Heuer hervor.

Dabei gibt es das Thema schon länger. Ende 2017 hatten die Stadtverordneten auf Initiative der SPD beschlossen, den Schleichwegeverkehr im Potsdamer Norden unattraktiv zu machen. Davon ausgehend hatte die Kommunalpolitik den Auftrag auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt – im März 2018 hatte die Bauverwaltung dann eine Untersuchung von besonders betroffenen Strecken angekündigt, wofür man ein externes Ingenieurbüro beauftragen wollte. Ende 2018 wollte man Ergebnisse vorlegen.

Doch die Prüfung hat längst noch nicht stattgefunden. Eine großräumige Untersuchung zum Thema Schleichverkehr sei für dieses Jahr geplant, teilte das Verkehrsflächenamt jetzt SPD-Mann Heuer mit. Dieser hatte gefragt, wie die Stadt gegen den neu entstandenen Schleichweg in der Posthofstraße vorgehen will – den die Stadt in der Untersuchung nun mitbetrachten will. Derzeit laufe die Vergabe für die komplexe Erfassung der Schleichwege, hieß es. Die Verzögerung erklärte eine Stadtsprecherin am Montag auf Anfrage so: „Leider“ sei es durch „stetig hinzukommende, in der Regel immer kurzfristig terminierte Anforderungen und Prüfaufträge“ gerade für langfristige Verkehrsplanungsprojekte „kontinuierlich zu nicht prognostizierbaren Verzögerungen“ gekommen, „die einen Projektabschluss behindern und zum Teil auch aktualisierende Nachbearbeitungen erforderlich machen“. Kurz gesagt: Die Verkehrsverwaltung bekommt auch von der Politik immer wieder Extra-Aufgaben und schafft deswegen die Bearbeitung nicht.

Gutenbergstraße im Fokus

Die Untersuchung würde etliche Verkehrswege betreffen, in denen dann der Durchgangsverkehr registriert und daraus Maßnahmen abgeleitet werden sollen. Zum Beispiel in Bornim den Hügelweg und die Florastraße, die Autofahrer gerade in den Morgenstunden nutzen, um die Potsdamer Straße zu umfahren. Als weitere Umfahrungsstrecken gelten die Straßen Am Pfingstberg und die Große Weinmeisterstraße in der Nauener Vorstadt, ein Weg über die Kolonie Daheim in der Teltower Vorstadt oder die Roßkastanienstraße im Ortsteil Eiche. Bereits gehandelt hat die Stadt im Sommer in der Bertha-von-Suttner-Straße und dort eine Einbahnstraßenregelung erlassen, um dort den Durchgangsverkehr zu reduzieren. Darüber waren viele Autofahrer ausgewichen, die eine Abkürzung zwischen dem Potsdamer Norden und der Humboldtbrücke fahren wollten. Hieran sehe man auch, dass die Stadt beim Thema Schleichwege nicht untätig geblieben sei, betonte die Stadtsprecherin.

Besonders im Fokus war in der Vergangenheit auch schon mehrfach die Gutenbergstraße: Gerade im Berufsverkehr nutzen viele Autofahrer die gepflasterten Strecken, wenn sie auf dem Weg in Richtung Bassinplatz und Nuthestraße nicht im Stau in der Hegelallee stehen wollen. Doch im vergangenen Juni hatten sich wie berichtet bei einer öffentlichen Verkehrswerkstatt zur fußgängergerechteren Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße eine Mehrheit der Teilnehmer für eine Poller-Sperrung der Gutenbergstraße an der Einmündung zur Friedrich-Ebert-Straße ausgesprochen. Allerdings müssen die Stadtverordneten das noch absegnen, eine entsprechende Vorlage ist auch schon seit einigen Monaten angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht.

Staus im Norden

Potsdams Verkehrsprobleme haben sich mit dem schnellen Wachstum der Stadt verschärft. Das zeigte sich auch am Montag. Trotz weniger Baustellen hatten sich nach dem Ferienende am Morgen im Berufsverkehr enorme Staus gebildet. Bei fahrradunfreundlicher Witterung war besonders der Potsdamer Norden betroffen – das Verkehrsportal der Stadt zeigte gegen acht Uhr erhebliche Verkehrsbehinderungen auf der Nedlitzer Straße und der Jägerallee stadteinwärts sowie auf der Straße Am Neuen Garten und der Hegelallee in Richtung Nuthestraße. Selbst gegen 10 Uhr staute es sich auf der Straße Am Neuen Garten weiter. Am Nachmittag waren vor allem die Gegend um den Hauptbahnhof und die Breite Straße betroffen.

Gerade solche Behinderungen begünstigen die Bildung von Schleichwegen. Seit dem Montagvormittag bekämpft die Stadt eine solche ungeplante Umfahrung im Potsdamer Westen. Dort wurde versuchsweise für den Verbindungsweg zwischen Geschwister-Scholl- und Maybachstraße eine Einbahnstraße angeordnet – um diesen Schleichweg zur Umfahrung der verengten Zeppelinstraße zu sperren. Allerdings gab es am Montag nach PNN-Beobachtungen noch viele Autofahrer, die die neue Einbahnstraßenregelung nicht beachteten und weiterfuhren. Und das, obwohl schon weit im Vorfeld mit neuen Schildern auf die „geänderte Verkehrsführung“ hingewiesen wird. Die Stadtsprecherin sagte allerdings, Extra-Kontrollen seien vom Ordnungsamt nicht geplant: „Für den fließenden Verkehr ist die Polizei zuständig.“