• Vergleich des Landeshauptstädte: Platzhirsch Potsdam

Vergleich des Landeshauptstädte : Platzhirsch Potsdam

Im statistischen Vergleich der bundesdeutschen Landeshauptstädte macht Potsdam eine gute Figur. Ein Überblick über die Ergebnisse.

Mehr Potsdamer beteiligen sich am diesjährigen Bürgerhaushalt.
Mehr Potsdamer beteiligen sich am diesjährigen Bürgerhaushalt.Foto: R. Hirschberger/dpa

Potsdam ist zwar nur die zweitkleinste unter den bundesdeutschen Landeshauptstädten – muss sich aber nicht verstecken. Das jedenfalls geht aus dem statistischen Vergleich der Landeshauptstädte hervor, den die Statistiker des Rathauses Potsdam jetzt vorgelegt haben – zum 21. Mal. Vier Monate Arbeit stecken in dem 46-seitigen Papier, Kennzahlen aus allen 16 Landeshauptstädten haben die Statistiker unter dem scheidenden Chef Matthias Förster (PNN berichteten) abgefragt und ausgewertet. Ein Überblick über die Ergebnisse.

 

REKORDWACHSTUM

Potsdam wächst seit 17 Jahren kontinuierlich – und das mittlerweile schneller als jede andere Landeshauptstadt. Im Jahr 2015, auf das sich fast der komplette Städtevergleich bezieht, stieg die Einwohnerzahl um 2,3 Prozent. Damit konnte Potsdam die bayrische Metropole München (2,1) und Thüringens Hauptstadt Erfurt (1,9) auf die Plätze verweisen. Wiesbaden und Saarbrücken sind mit 0,8 Prozent Wachstum Schlusslicht. Setzt sich der Trend fort, könnte Potsdam Saarbrücken einwohnerzahlenmäßig bald überholen: Der Abstand beträgt nur noch wenige Tausend Einwohner. Viel Bewegung gab es 2015 vor allem bei den Potsdamern mit ausländischem Pass: Ihre Zahl ist um 25,8 Prozent auf 10 837 gestiegen, der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 6,5 Prozent. Hintergrund sind die zugewiesenen Flüchtlinge. Potsdam liegt damit in Ostdeutschland vorn, ist im Bundesvergleich aber immer noch abgeschlagen: In allen westdeutschen Landeshauptstädten erreicht der Ausländeranteil zweistellige Werte, am höchsten liegt er in München mit 27,6 Prozent.

 

JUNG UND ALT

Potsdam ist erstmals seit zehn Jahren wieder jünger geworden – wenn auch nur minimal: Das Durchschnittsalter sank auf 42,5 Jahre, 2014 hatte es noch bei 42,6 Jahren gelegen. In Ostdeutschland liegt Potsdam damit vorn, im Bundesvergleich aber nur im Mittelfeld. Am jüngsten ist Mainz (41 Jahre). Gut schneidet Potsdam auch beim Anteil von Kindern ab: Bei der Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen liegt Potsdam nach Dresden auf dem zweiten Platz, bei Kindern in den Altersgruppen 3 bis 6 Jahre und 6 bis 14 Jahre sogar bundesweit vorn. Weniger gut sieht es in der Altersgruppe der Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren und der Erwachsenen von 18 bis 40 Jahren aus: Dabei landet Potsdam jeweils nur auf Platz 11.

 

ALLEIN, ZU ZWEIT ODER IN FAMILIE

Die Geburtenrate in Potsdam ist zurückgegangen, die Landeshauptstadt liegt mit 10,63 Neugeborenen je 1000 Einwohnern aber immer noch auf Platz 4 – nach Dresden, München und Hamburg. Anhaltend beliebt ist Potsdam bei den Heiratswilligen. Mit 5,7 Eheschließungen auf 1000 Einwohner kommt Potsdam nach München (6,7) auf Platz zwei. Das benachbarte Berlin (3,8) kommt hier nur auf den vorletzten Platz, Hamburg ist mit 3,5 Schlusslicht. Gut jeder zweite Potsdamer Haushalt (50,9 Prozent) ist aber auch ein Single-Haushalt. In 29,9 Prozent der Haushalte leben zwei Personen. Die Dreipersonenhaushalte machen hingegen nur 11,1 Prozent aus, größere Haushalte 8,1 Prozent – nur der viertletzte Platz für Potsdam.

 

DIENSTLEISTUNGSSTADT NUMMER 1

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 57 354 Euro je Erwerbstätigem – eine Kennziffer für den Wert aller in der Stadt produzierten Waren und Dienstleistungen – kommt Potsdam zwar nach Dresden auf Platz zwei in Ostdeutschland, fällt hinter den westdeutschen Landeshauptstädten aber deutlich zurück. Zum Vergleich: Spitzenreiter Stuttgart kommt auf 95 678 Euro pro Erwerbstätigem. Grund ist das weitgehende Fehlen von produzierendem Gewerbe. 92,2 Prozent der Bruttowertschöpfung in Potsdam entfällt auf das Dienstleistungsgewerbe – das ist bundesweit der Spitzenwert.

 

PENDLERHAUPTSTADT

Die Beschäftigungssituation hat sich in allen Landeshauptstädten verbessert – am wenigsten jedoch in Potsdam: Nur um 1,5 Prozent stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Potsdamer, Nachbar Berlin ist mit einem Plus von 5,1 Prozent Bundes-Wachstumssieger. Potsdams Situation ist dennoch komfortabel: Mit einem Anteil von 38,8 Prozent sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den Einwohnern gehört Potsdam zum Spitzenfeld: Nur in Stuttgart und München gibt es einen höheren Anteil, Saarbrücken ist mit nur 33,3 Prozent das bundesweite Schlusslicht – knapp hinter Berlin (33,8). Auch bei den Arbeitslosenzahlen steht Potsdam vergleichsweise gut da: Mit 6,9 Prozent Arbeitslosen liegt die Landeshauptstadt auf Platz vier nach München, Stuttgart und Mainz. Die Potsdamer Arbeitnehmer müssen allerdings besonders mobil sein: 31 145 Auspendler, also Menschen, die zur Arbeit pendeln müssen, zählen die Statistiker. Der Anteil der Auspendler an den Einwohnern im erwerbsfähigen Alter liegt bei 29,3 Prozent – das ist der bundesweite Höchstwert. Aber auch der Anteil der nach Potsdam zur Arbeit pendelnden Menschen liegt im Bundesvergleich mit vorn: 58,1 Prozent aller in Potsdam Beschäftigten pendeln von anderswo in die Stadt zur Arbeit – nur Stuttgart, Saarbrücken, Mainz und Düsseldorf kommen auf höhere Einpendlerwerte.

 

MEHR AUTOS

69 718 Autos waren 2015 in Potsdam angemeldet – damit ist die Zahl der Autos im Vergleich zum Jahr davor stärker angestiegen als die Zahl der Einwohner. Trotzdem haben die städtischen Statistiker auch hier eine positive Nachricht: Mit 416 Pkw je 1000 Einwohner gehört Potsdam zu den Vorreiterstädten in Sachen Mobilität – der Anteil liegt nur in Hamburg (415), Hannover (394) und Berlin (323) noch niedriger. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wertet das als Beleg für die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs – zuletzt hatte es dabei für Potsdam auch in einer unabhängigen Studie Bestnoten gegeben (PNN berichteten).

 

BEIM WOHNUNGSBAU VORN

In einer wachsenden Stadt muss auch der Wohnungsbestand wachsen: Und das tat er in Potsdam so stark wie in keiner der anderen Landeshauptstädte. Sowohl die Zahl der Wohngebäude als auch der Wohnungen stieg jeweils um ein Prozent. Den Spitzenplatz auf weiter Flur hält Potsdam bei den Baugenehmigungen: Mit 23,5 Baugenehmigungen auf 1000 Wohnungen überflügelt die Landeshauptstadt den Zweitplatzierten München (10,8) um mehr als das Doppelte. Schlusslicht ist Berlin (2,3).

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