• Urteil: Bewährungsstrafe für Pogida-Müller, aber keine Freiheit

Urteil : Bewährungsstrafe für Pogida-Müller, aber keine Freiheit

Der Begründer der Pogida-Bewegung in Potsdam wurde am Mittwoch zu einer mehrjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Als freier Mann konnte er das Gericht dennoch nicht verlassen.

Christian Müller (rechts) mit seinem Anwalt am 17. April 2019 im AMtsgricht Potsdam.
Christian Müller (rechts) mit seinem Anwalt am 17. April 2019 im AMtsgricht Potsdam.Foto: Valerie Barsi

Potsdam - Das Amtsgericht Potsdam hat Christian Müller wegen diverser Straftaten am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, die auf vier Jahre Bewährung ausgesetzt ist. Dennoch muss er vermutlich ins Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, gegen Bewährungsmaßnahmen verstoßen zu haben, die er für eine Straftat im Jahr 2013 in Cottbus auferlegt bekommen hatte. Polizisten führten den Angeklagten nach dem Urteilsspruch aus dem Gericht. Zuständig sind jetzt die Gerichte in Cottbus.

Der Pogida-Anmelder

Der 35-Jährige wurde Anfang 2016 öffentlich bekannt, als er den Potsdamer Pegida-Ableger initiierte und dort als Anmelder und Sprecher auftrat. Mehrmals fanden Pogida-Demonstrationen statt. Im Frühjahr gab Müller seine Sprecher-Rolle auf und die Bewegung verlief im Sand.

Im Fokus der Öffentlichkeit blieb Müller dennoch. Immer wieder kam er mit der Polizei in Kontakt: Alkohol, Drogen und Schlägereien. Er prügelte auf Nachbarn ein, schlug seine Freundin, wurde angeklagt und floh später auf die Kanaren. Wieder in Deutschland, sollte er bereits im Mai 2018 vor Gericht erscheinen, doch der Prozess platzte wegen eines Formfehlers.

Drogen, Suff und Schlägereien

Am Mittwoch musste er sich schließlich doch wegen mehrerer vorsätzlichen Körperverletzungen vor Gericht verantworten.

Verhandelt wurden unter anderem ein Fall, der sich vor fast genau vier Jahren zugetragen hat. Er habe "einen ihn grüßenden Mitbewohner seines Wohnhauses grundlos die Treppe hinuntergeschubst und geschlagen haben", hieß es in der Anklage. Wenig später, so war der Anklage zu entnehmen, habe er seine Lebensgefährtin attackiert, "weil diese der Aufforderung nicht nachgekommen sei, den gemeinsamen Hund (Pitbullmischling) zu holen". Das erledigte er dann selbst und hetzte den Hund auf sein Opfer, rannte dem Flüchtenden hinterher und schlug auf ihn ein. Als seine Freundin derweil versuchte, "den Hund unter Kontrolle zu bringen", schlug sie Müller erneut.

Im Herbst 2016 gerieten sich er und seine Lebensgefährtin erneut heftig in die Haare. Als eine Frau den Streit schlichten wollte, habe der 35-Jährige sie so heftig geschlagen, dass sie Hämatome und Schürfwunden erlitt.

Flucht auf die Kanaren

Dann verlor sich kurzzeitig seine Spur. Mitte Mai 2017 war Müller nicht zu einer Berufungsverhandlung vor dem Potsdamer Landgericht erschienen. Selbst sein Verteidiger und der Bewährungshelfer hatten keinen Kontakt zu ihm. Dann verriet er sich selbst. In einem Live-Video im sozialen Netzwerk Facebook hat der flüchtige Pogida-Gründer seinen aktuellen Aufenthaltsort unwissentlich verraten. Am 7. September 2017 war die Flucht zu Ende. Spanische Polizisten nahmen ihn in auf der Ferieninsel Fuerteventura fest.


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