• Urban Gardening in Brandenburg: Wo der „Heilige Honig“ entsteht

Urban Gardening in Brandenburg : Wo der „Heilige Honig“ entsteht

Gemeinsames Gärtnern liegt im Trend – das ist auch in Potsdam zu merken. Drei Beispiele.

Anna Bückmann Henri Kramer
Christoph Sterz vor zwei Bienenstöcken im Jugendtreff.
Christoph Sterz vor zwei Bienenstöcken im Jugendtreff.Foto: dpa

Potsdam - In Potsdam werden immer mehr städtische Flächen von Anwohner:innen gerne zum Gärtnern genutzt. Beispiel eins: Um den Seegarten, einen Gemeinschaftsgarten am Treffpunkt Freizeit, kümmern sich inzwischen zehn Familien. Anwohner:innen hatten das Areal in dem Familienzentrum und Mehrgenerationenhaus am Heiligen See vor rund acht Jahren gegründet. „Es war uns wichtig, einen grünen Raum zu haben, wo wir nach Arbeit, Schule und Kita zusammenkommen können“, sagt Larissa Donges, die seit Anfang an dabei ist.

Auf dem Areal direkt am See wird verschiedenstes Gemüse angebaut: Zuckerschoten, Mangold, Kartoffeln, Möhren. Auch Bienenvölker leben hier. Den Honig verkauft die Gartengemeinschaft unter dem Namen „Heiliger Honig“ in einem Regioladen am Bassinplatz. „Wir profitieren vom Wissensaustausch“, sagt Donges. Klare Zuständigkeiten gebe es aber nicht. „Das war der Gemeinschaft wichtig.“

Wohnungsbau verdrängt Grünflächen

Die Nutzung von städtischen Flächen in Siedlungsgebieten – sogenanntes Urban Gardening – erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. „Wir haben einen kontinuierlichen Zuwachs von zehn bis 15 Prozent“, sagt Christa Müller vom Vorstand der gemeinnützigen und bundesweit aktiven Anstiftung aus München, die Urban-Gardening-Projekte fördert und auf ihrer Webseite eine nach eigenen Angaben fast tagesaktuelle Liste von Gemeinschaftsgärten pflegt. 27 solcher Gärten gibt es demnach landesweit in Brandenburg. Da der Wohnungsbau Grünflächen immer weiter verdränge, wichen viele auf vorübergehende Plätze aus, die sie zumindest eine Zeit lang begrünen können, sagt die Soziologin. Auch nicht mehr genutzte Friedhofsflächen würden mehr und mehr zum Gärtnern benutzt.

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„Bienenmonitor“ überprüft Honigmenge

Auf dem Gelände der Jugendkultureinrichtung freiLand nahe des Hauptbahnhofs haben sich inzwischen rund zehn bis 15 Beete angesiedelt, sagt Geschäftsführer Achim Trautvetter. Auch hier stehen Bienenvölker. Die offene Werkstatt „Machbar“ hat die Bienenstöcke verkabelt: Über den „Bienenmonitor“ kann überprüft werden, wie viel Honigernte in den Stöcken liegt oder ob sich ein Bienenvolk aufteilt, erklärt Christoph Sterz.

Das Problem mit der Verdrängung durch Bauprojekte kennt auch Frauke Havekost, stellvertretende Vorsitzende vom Brandenburgischen Kulturbund, der im Wohngebiet Schlaatz den Integrations- und Internationalen Schulgarten betreibt. Der Garten soll rund 200 Meter umziehen, da die Stadt einen Sportplatz bauen will. „Uns ist wichtig, dass wir bei der Planung mitreden können“, sagte Havekost. Der Landesverband beschreibt den Garten auf seiner Webseite als „exotische Insel“, in dem man auf Menschen aus Deutschland, der Ukraine, Moldawien, dem Kosovo, Vietnam, Russland, Ungarn, Litauen, Rumänien und Afrika trifft. Es gehe um den Blick über den Tellerrand und darum, die Angst vor dem Fremden zu überwinden, sagt Havekost. Das gelinge beim Gärtnern gut. (mit dpa)

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