Potsdam : Uni-Gebäude für 120 Millionen

Philosophische Fakultät erhält bis 2025 moderne Lehrgebäude am Neuen Palais. Debatte um Sportflächen

Guido Berg
Entlastete Lindenallee. Diese städtebauliche Grafik verdeutlicht die Anordnung der geplanten neuen Fakultätsgebäude am Neuen Palais. Sie gruppieren sich nördlich und südlich der Lindenallee, so dass eine freie Sichtachse von den Communs Richtung Westen entlang der Lindenallee entsteht. Grafik: LHP/Bernd AlbersAlle Bilder anzeigen
14.08.2013 22:40Entlastete Lindenallee. Diese städtebauliche Grafik verdeutlicht die Anordnung der geplanten neuen Fakultätsgebäude am Neuen...

Sanssouci - Die Universität Potsdam hat für ihren Standort am Neuen Palais Großes vor: Für die Philosophische Fakultät plant die Potsdamer Alma Mater den Bau mehrerer zweigeschossiger Lehrgebäude nördlich und südlich der Lindenallee, deren schrittweise Errichtung bis zum Jahr 2025 etwa 100 bis 120 Millionen Euro kosten wird, wie Norbert John, Technischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB), am Dienstagabend im Bauausschuss erklärte. John nannte dies „eine stattliche Summe über die Jahre“. Der Baubeginn ist für 2020 avisiert.

Entstehen soll ein Bauvolumen von mehr als 26 200 Quadratmetern Bruttogeschossfläche westlich der Straße Am Neuen Palais. Die zu DDR-Zeiten für die ehemalige Pädagogische Hochschule errichteten Gebäude und weitere teils nach 1990 entstandene Baracken sollen nach und nach durch die Neubauten ersetzt werden. Sportflächen am Neuen Palais werden den Plänen zufolge an die Kaiser-Friedrich-Straße verlegt – sehr zum Unmut von Sportvereinen.

Der Bauausschuss beriet in erster Lesung über eine Verwaltungsvereinbarung zur Umgestaltung des Uni-Areals am Neuen Palais, die zwischen der Stadt, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), dem Wissenschaftsministerium Brandenburgs und dem Landesamt für Denkmalpflege abgeschlossen werden soll. Die Vereinbarung befinde sich in abschließender Verhandlung, so die Stadt. Die SPSG erklärte auf PNN-Anfrage, die Stiftung sei „in das Verfahren einbezogen bis zum Schluss, genauso wie das Landesdenkmalamt“. Und weiter: „Bis hierher ist ein Konsens entstanden.“ Uni-Kanzler Karsten Gerlof erklärte im Bauausschuss, die Vereinbarung werde sowohl dem Welterbe als auch dem Uni-Bedarf gerecht. Landeskonservator Thomas Drachenberg sagte den PNN, die „sehr anspruchsvolle Planung im Welterbe ist unterschriftsreif“.

Zustimmung gibt es vonseiten der Stiftung und des Landeskonservators schon deshalb, weil im Zuge der Pläne auch die DDR-Wohnheime, die laut Stadt als „eine Fehlentwicklung“ bewertet werden, abgerissen werden sollen. Zudem soll die Lindenallee als westliche Fortsetzung der Hauptachse von Sanssouci durch die Anordnung der Neubauten in ihrer Bedeutung gestärkt werden. „Die große Achse wird aktiviert. Die Lindenallee kommt wieder voll zur Blüte“, sagte Architekturprofessor Bernd Albers den PNN. Albers hat den städtebaulichen Plan für die Fakultätsneubauten erarbeitet. Ausschussmitglied Ralf Jäkel (Linke) setzte sich indes für den Erhalt von drei in den 1950er-Jahren enstandenen Wohnheimbauten ein.

Nach PNN-Informationen sind zwischen den Vertragsparteien indes noch nicht alle Probleme gelöst. So werde von Stiftung und Denkmalschutz der geplante Asphaltradweg an der Lindenallee (PNN berichteten) sehr kritisch gesehen, heißt es. Auch werden Pläne der Stadt als anstößig gesehen, die Müllabfuhr für die neuen Fakultätsgebäude auf einem Stück der Lindenallee fahren zu lassen.

Nicht in den Konsens einbezogen sind die Sportvereine, die die Sportflächen westlich der Straße Am Neuen Palais nutzen, allen voran der Universitätssportverein USV. Uni-Kanzler Gerlof sprach von Freizeitsport-Vereinen, denen „per Handschlag“ die Mitnutzung der nicht für die Sportausbildung genutzen Flächen und Tageszeiten gestattet werde. Da die Ersatzflächen in Eiche nur halb so groß sein werden wie die am Neuen Palais, werde es „vielleicht nicht mehr so viel möglich sein, den Vereinen Flächen zur Verfügung zu stellen“, so Gerlof. Diese Äußerungen kritisierte der USV-Vorsitzende Dieter Wagner. Sie führten im Ausschuss außerdem zu einer Debatte über den allgemeinen Mangel an Sportflächen in Potsdam. Wagner sagte, dass der USV nicht nur 1000 Mitglieder habe, sondern mit seiner Rugby-Abteilung keinesfalls Freizeit- sondern Leistungssport betreibe: Die Rugby-Mannschaft des USV spiele in der Bundesliga, drei USV-Spieler gehörten zur Nationalmannschaft. Er habe die Befürchtung, sagte Wagner, dass die Ersatzflächen auf den Kuhforter Wiesen in Eiche nicht ausreichten. Torsten Gessner, Stadt-Bereichsleiter Sport, erinnerte daran, dass bereits 2002 Sportflächen in der Größenordnung von sechs Fußballfeldern in Potsdam fehlten. Inzwischen sei Potsdams Einwohnerzahl jedoch von 135 000 auf 160 000 gestiegen. Gessner: „Jeder Wegfall von Quadratmetern erhöht das Defizit.“

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