Potsdam : Ungewisse Zukunft

Die „Hauswagenburg“ auf Hermannswerder muss bis 2012 eine Lösung des Standort-Konflikts finden

E. Wenk

Hermannswerder - Acht bunte und abenteuerlich gestaltete Bauwagen auf einem Rasen können ein Besuchermagnet sein. Das erlebten gestern die 13 Erwachsenen und sieben Kinder im alternativen Wohnprojekt „Hauswagenburg“ auf Hermannswerder bei ihrem Kulturfrühstück mit Buffet und Puppentheater für Kinder, zu dem rund 200 Besucher kamen.

Die Kulturfrühstücke sind eine mittlerweile fünfjährige Tradition des Wohnprojekts, und „sie wachsen kontinuierlich“, sagt Bewohnerin Franziska Pfeiffer. Die Idee der Kulturfrühstücke bestehe darin, diesen Ort mit anderen Menschen zu teilen. Das klappt gut: Bereits beim Startschuss sind es um die Hundert Besucher, die an der immer längeren Schlange vor dem Büfett stehen. Und das, obwohl es überhaupt keine Werbung gibt, alles läuft über Mundpropaganda. „Das ist halt ‚the place to go’!“, meint die 25-Jährige. Das nächste Kulturfrühstück im Kreis der bunten Bauwagen gibt es das nächste Mal im Mai.

Ob es solche Kulturfrühstücke noch lange gibt, ist allerdings ungewiss. Mittlerweile haben sich die „Hauswagenburg“-Bewohner in dem Verein Fairwiese e.V. organisiert. Das macht das Verhandeln einfacher“, meint die 29 Jahre alte Bewohnerin Katharina Heinrich. Das ist wohl auch nötig, denn seit Jahren gibt es Auseinandersetzungen mit der Stadtverwaltung Potsdams, die schon mehrmals die Beseitigung der Wagenburg gefordert hat. Momentan darf das Wohnprojekt in seiner jetzigen Form nur bis 2012 bestehen, was danach kommt, ist ungewiss.

Allerdings: Inzwischen soll es nach PNN-Informationen ein Angebot der Stadtverwaltung an den Fairwiese-Verein geben, damit die Wagenburg noch weiter existieren kann. Details sind bislang nicht bekannt, beide Seiten haben dazu Stillschweigen vereinbart. Weiteres wollen die Wagenburg-Bewohner in dieser Woche bei einem Plenum beraten.

Die Wagenburg ist schon fast eine kleine Institution auf Hermannswerder. „Das Verhältnis zu den Nachbarn ist mit den Jahren immer mehr gewachsen“, sagt Pfeiffer. „Viele kommen einfach zum Kaffee vorbei oder bringen Äpfel aus dem Garten mit.“ Die Bewohner arbeiten mit der Hoffbauer-Stiftung auf der Insel zusammen, beteiligen sich am Inselfest, am Adventskalender und verleihen Kajaks. Oft würden Familien mit Kindern vorbeikommen, so Pfeiffer. Im letzten Jahr hatte es jedoch auch immer wieder Beschwerden einer Anwohnerin gegeben, die sich durch die Rauchentwicklung der Bauwagenschornsteine gestört fühlte. Dieser Konflikt sei jedoch vorerst durch eine Änderung der Schornsteine nach Vorgaben der Brandschutzsicherheit beigelegt, hieß es vom Fairwiese-Verein. E. Wenk

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