Potsdam : Umwege für Rollstuhlfahrer

Die geplante Freitreppe zur Uferpromenade an der Alten Fahrt wird nicht barrierefrei sein

Innenstadt - Irritationen um den erst in dieser Woche vorgestellten Siegerentwurf für die Uferpromenade an der Alten Fahrt: Für die dabei geplante große Freitreppe ist keine Rampe für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen vorgesehen. Das bestätigte Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) den PNN. Wenn die Treppe mit einer behindertengerechten Rampe ausgestattet würde, wäre der Bereich verbaut. Überdies gebe es laut Stadtsprecher Jan Brunzlow zwei Zugänge zur Uferpromenade, die barrierefrei seien: auf der anderen Seite der Breiten Straße über den Lustgarten und am Hafen sowie über den neu entstehenden Blücherplatz am Ende der Brauerstraße – also westlich der Nikolaikirche.

Zuvor hatte der freie Journalist Wolf-Dieter Hermann in einer Erklärung an alle Fraktionen im Stadtparlament das Fehlen der Rampe kritisiert und deswegen gefordert, bei der Neugestaltung der Alten Fahrt dürfe das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Zudem zitierte Hermann den Potsdamer Behindertenbeauftragten Christoph Richter, dieser wundere sich, dass Barrierefreiheit in der Ausschreibung nicht gefordert gewesen wäre. Richter selbst war am Freitag bereits in den Urlaub gefahren. Allerdings sagte Stadtsprecher Brunzlow, der Behindertenbeauftragte sei in das Verfahren umfänglich involviert gewesen. Ebenso sei es im Wettbewerb um Barrierefreiheit gegangen: „Der entstehende Freiraum soll nach den Prinzipien des ‚Design for all’ entwickelt werden. Das bedeutet, dass die Umwelt allen Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen Nutzung und Teilhabe ermöglicht, auch Menschen mit Behinderungen.“ Diese Maßgabe hätte eins von 15 Büros auch tatsächlich in einen barrierefreien Zugang umgesetzt – dabei war eine Treppe mit Durchfahrt für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer vorgesehen. Brunzlow sagte, dieser Entwurf sei aber seitens der Wettbewerbs-Jury nicht als das beste Vorhaben angesehen worden.

Die 180 Meter lange Promenade soll an der Langen Brücke beginnen und bis Anfang 2016 fertig sein. Im Schnitt sollen die Potsdamer über einen sieben Meter breiten Kleinsteinpflasterweg flanieren können. Dafür will die Stadt insgesamt 1,25 Millionen Euro ausgeben. HK