• Umstrittener Wohnblock in Potsdam: Mehrheit für Staudenhof-Abriss steht

Umstrittener Wohnblock in Potsdam : Mehrheit für Staudenhof-Abriss steht

Die Grünen haben sich nun auch festgelegt: Der Staudenhof in Potsdams Mitte wird abgerissen. Damit scheint eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung sicher

Henri Kramer
Der Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt am Alten Markt - im Hintergrund die Nikolaikirche.
Der Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt am Alten Markt - im Hintergrund die Nikolaikirche.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Tage des DDR-Wohnblocks Staudenhof am Alten Markt sind offensichtlich gezählt. Vor einer weiteren entscheidenden Abstimmungsrunde an diesem Mittwochabend im Hauptausschuss haben die Grünen am Montagabend noch einmal beraten – und sich auf den Abriss verständigt. Das sagte Grünen-Fraktionschefin Saskia Hüneke am Dienstag auf PNN-Anfrage. So habe die kommunale Bauholding Pro Potsdam zuvor ungeklärte Fragen zu Fördermitteln für den Neubau plausibel beantworten können. In ihrem Kommunalwahlprogramm hatten die Grünen die Staudenhof-Frage noch weitgehend offengehalten.

Die Rathauskooperation stimmt verschieden ab

Nach PNN-Informationen hatte insbesondere die Grüne Jugend auf den Erhalt des Baus gedrängt – auch mit Blick auf Klimaschutzfragen. Damit argumentieren auch andere Gegner des Abrisses von Linken und der Fraktion Die Andere. Allerdings haben die Kritiker des Vorhabens in der Stadtverordnetenversammlung derzeit keine Aussicht auf eine Mehrheit, auch wenn die Linke zur rot-grün-roten Rathauskooperation gehört – die die Frage Staudenhof in ihrem Koalitionsvertrag auch offengelassen hatte. Dadurch kann jeder im Bündnis stimmen wie er will: So hatten zuletzt im Bauausschuss auch Vertreter der SPD und der Grünen dem Abriss zugestimmt, die Opposition im Rathaus aus CDU, AfD, Bürgerbündnis und FDP will den Block ebenso beerdigen.

Unterstützung von Architekten

Unterstützung bekamen die Befürworter eines Erhalts zuletzt allerdings vom Landesverband des Bunds Deutscher Architekten (BDA). Dessen Chefs, Philipp Jamme und Norbert John, kritisierten in einem offenen Brief: „Dieses Gebäude ist ein Unikat, das es dringend vor den Abrisswünschen von Lobbyisten zu schützen gilt.“ Darüber hatte zuerst die Märkische Allgemeine berichtet. Demnach erklärten die BDA-Vertreter, die Sanierung sei auch günstiger zu haben als bisher dargestellt, auch der Einsatz von Steuergeldern für den notwendigen Neubau sei an anderer Stelle zielführender. John ist auch langjähriger Technikchef des Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB).

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Sollten der Hauptausschuss und die Stadtverordneten im Mai aber für den Abriss stimmen, würde dieser voraussichtlich im März 2023 beginnen, Ende 2029 soll der Neubau stehen. Damit soll auch das Leitbautenkonzept für die Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte vollendet werden. Zudem sollen mit Hilfe der Fördergelder mehr Sozialwohnungen als bisher zur Verfügung stehen, im Erdgeschoss soll zusätzliches Gewerbe den Alten Markt beleben helfen.

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