• Potsdamer RAW-Digitalzentrum wird abgespeckt
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Überraschende Wende : Potsdamer RAW-Digitalzentrum wird abgespeckt

Der Investor für das millionenschwere Digitalzentrum in der Nähe des Potsdamer Hauptbahnhofs hat noch einmal umgeplant - und auf ein besonders umstrittenes Element des Vorhabens verzichtet. Dazu ist eine Informationsveranstaltung geplant. 

Luftbild-Visualisierungen für das "The RAW Potsdam". So soll das Projekt nach neuen Plänen aber wohl doch nicht aussehen.
Luftbild-Visualisierungen für das "The RAW Potsdam". So soll das Projekt nach neuen Plänen aber wohl doch nicht aussehen.Grafik: J. Mayer H.

Potsdam - Das geplante Riesen-Digitalzentrum an der denkmalgeschützten RAW-Halle soll weniger wuchtig wirken als von Kritikern zunächst befürchtet. Investorenvertreter Mirco Nauheimer bestätigte den PNN am Wochenende, dass speziell die historische Halle nicht mit einer Art „Büro-Brücke“ überbaut werden soll – was auf viel Kritik gestoßen war. Zudem soll der bis zu 33 Meter hohe Bau auf dem früheren Gelände des Reichsbahnausbesserungswerkes in der Friedrich-Engels-Straße kürzer ausfallen, die Fassade aufgewertet werden.

Die Brücke war offenbar ohnehin zu teuer

Nauheimer erklärte die überraschende Entscheidung zum Verzicht auf den Überbau mit Problemen, die sich im Laufe des Planungsprozesses gezeigt hätten. So wäre die Halle zu stark verschattet gewesen, ebenso hätte es neun Außenstählen geben müssen, die die optische Wirkung beeinträchtigt hätten. „Unser Anspruch für eine hohe Aufenthaltsqualität innen und außen hätte gelitten.“ Ferner sei so eine Brückenlösung eine Quelle für mögliche Baumängel. Diese Fehler wolle man mit der Umplanung korrigieren.

Die Überlegung dabei ist auch: Die kritisierte Brücke war ursprünglich eine Idee des die Stadt in Architekturfragen beratenden Gestaltungsrats und hätte sehr hohe Baukosten bedeutet. Daher kann aus Sicht von Nauheimer auf diesen „unwirtschaftlichen Teil“ des Projekts verzichtet werden, weil das auch Geld spart – andererseits verringert sich damit aber auch das Bauvolumen. Damit soll der Blick auf das historische Reichsbahn-Gebäude besser möglich sein, was gerade Denkmalschützer vehement gefordert hatten.

Ferner soll neben der Brücke auch der Bau an sich etwa kürzer werden, ein Eckteil in Richtung Hauptbahnhof wegfallen, wie es Nauheimer erläuterte. Ob dafür ein bis zu zweigeschossiger Ersatzbau errichtet werden könne, „klären wir kurzfristig“, so Nauheimer. Trotz der Änderungen und der geringeren Nutzfläche werde das Investitionsvolumen immer noch jenseits von 100 Millionen Euro liegen. So habe man auch die Fassade noch einmal deutlich verbessern können.

Treffen im Rathaus

Die Veränderungen hatte das Rathaus bereits am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung angedeutet. „Bei einem Treffen am Tisch des Oberbürgermeisters hat der Projektentwickler in dieser Woche angepasste Entwürfe vorgestellt, in denen die Anregungen des Gestaltungsrates und des Bauausschusses aus den vergangenen Wochen aufgegriffen wurden und die nun neben den bisherigen Entwürfen öffentlich vorgestellt werden sollen“, hieß es in der Erklärung. Nauheimer sagte, bei dem Treffen sei man sich auch mit Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) einig gewesen, dass eine Baugenehmigung bis Ende des Jahres vorliegen sollte. Nach Rathausangaben soll vom 11. bis zum 25. März auch die formale Beteiligung der Öffentlichkeit im nötigen Bebauungsplanverfahren stattfinden.

Ferner hatte die Stadtverwaltung eine Bürgerinformationsveranstaltung am 8. April angekündigt, auf die man sich mit Nauheimer verständigt habe. Über den genauen Zeitpunkt und den Veranstaltungsort soll spätestens zwei Wochen vor der Veranstaltung informiert werden. Dort sollen dann möglichst aktuelle Entwürfe für den Bau gezeigt werden. Nauheimer sagte, ferner wolle er an dem Abend auch die erwarteten Folgen des Projekts für die Gewerbe-, Lohn- und Einkommenssteuereinnahmen der Stadt darstellen. Wie berichtet sollen schon unmittelbar in dem Zentrum rund 1000 Arbeitsplätze entstehen können. Das Interesse von potentiellen Mietern an dem Bau „übertrifft unsere Erwartungen deutlich“, sagte Nauheimer.

Gleichwohl wird die Nutzfläche deutlich geringer. So hieß es in der Mitteilung der Stadt, der zukünftige Standort für die Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft solle „durch die Sanierung der denkmalgeschützten Bestandsbauten und durch einen Neubau auf eine Bruttogeschossfläche von mehr als 20 000 Quadratmeter erweitert werden“. Bei der Vorstellung der Pläne, die noch die Brücken-Lösung enthielten, war noch von rund 28 000 Quadratmetern Nutzfläche die Rede.

Das Projekt wird von der Stadtpolitik mitgetragen

Ende Januar hatten die Stadtverordneten grünes Licht für das Projekt gegeben, nun läuft das besagte beschleunigte Bebauungsplanverfahren. Das Zentrum wird von dem Stararchitekten Jürgen Mayer H. geplant – er hatte im Rahmen eines Auswahlverfahrens mit zwölf Architekten den Zuschlag von dem Investor erhalten.

Als Baudezernent Rubelt noch im Januar kurzzeitig einen erneuten Wettbewerb für das Projekt gefordert hatte, stand es kurz auf der Kippe: Der Investor, ein bislang namentlich unbekannter Geldgeber aus der Ölbranche, werde das Vorhaben bei einem langwierigen Wettbewerbsverfahren in einer anderen Stadt realisieren, hatte Nauheimer deutlich gemacht. Die Stadtverordneten hatten ihm in der Folge grünes Licht gegeben. Nauheimer räumte auch nach den Gesprächen mit Rathauschef Schubert ein, dass diese Art und Weise viele vor den Kopf gestoßen habe, was auch der Oberbürgermeister deutlich gemacht habe. „Wir wollen aber ein Teil der Lösung sein“, so Nauheimer.

Ferner hatte Nauheimer im Verlauf der Diskussion auch noch zwei weitere Projekte des gleichen Investors in Aussicht gestellt. Beide sollen jeweils ein Volumen von bis zu 100 Millionen Euro haben.