Potsdam : „Türsteher“ für Bus und Bahn

Mit bloßer Anwesenheit sollen 22 „Fahrgastbegleiter“ den öffentlichen Nahverkehr sicherer machen

Bis zu acht Sicherheitsleute gleichzeitig sollen mindestens bis Jahresende dafür sorgen, dass sich die Fahrgäste in den Straßenbahnen und Bussen der Landeshauptstadt sicherer fühlen. Dabei dürfen sie allerdings „keine Befugnisse der Polizei“ übernehmen, betonte Martin Weiß als Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) gestern vor Journalisten – Thema waren die Erfahrungen der ersten drei Wochen mit der so genannten „Fahrgästebegleitung“. Sie ist Teil der „Sauber, sicher, lebenswert“-Kampagne der Verwaltung und des ViP (PNN berichteten).

Die insgesamt 22 Sicherheitskräfte arbeiten schichtweise vor allem Wochenende und in den Abendstunden. „Wir üben nur das Hausrecht aus“, sagte Knut Echtermeyer, Chef der Potsdamer Niederlassung der Wisag Sicherheitsdienste, die die Fahrgastbegleitung umsetzt. Auf Nachfrage bestätigte er den Vergleich mit Security-Personal vor einer Disko, „nur ohne Musik.“ Zusätzlich zu den Sicherheitskräften in den Bahnen gäbe es ab jeweils 20 Uhr ein zweiköpfiges Team – ein Mann und eine Frau –, dass per Anruf vom Straßenbahnfahrer oder von den Fahrgastbegleitern als Hilfe angefordert werden könne, so Echtermeyer – etwa um einen Konflikt zu deeskalieren. Im Zweifelsfall würde der Fahrer aber sofort über die zentrale Leitstelle des ViP die Polizei rufen, sagte Weiß: „Wir möchten keinen Krieg anfangen.“ Seit Beginn der Arbeit der Sicherheitsleute habe aber noch nie die Polizei gerufen werden müssen, so Weiß.

Die Wisag ist bereits seit Jahren für die allgemeinen Fahrscheinkontrollen bei der ViP zuständig. Für die neue zusätzliche Aufgabe seien die Mitarbeiter extra weitergebildet worden, sagte Wisag-Chef Echtermeyer – etwa mit Deeskalations-Training. Überdies hätte jeder Angestellte die nötige Sicherheits-Qualifikation bei der Industrie- und Handelskammer. Ausgestattet seien seine Angestellten mit Funkgeräten und Schreibgerät, nicht aber mit Reizgas. „Sie wirken schon durch ihre Anwesenheit deeskalierend“, sagte Detlef Geimecke, Bereichsleiter bei Wisag. Er schilderte einen typischen Fall für die Arbeit der Fahrgastbegleiter – offensichtlich schwer alkoholisierte Jugendliche aus der Bahn verweisen oder gar nicht erst hereinlassen.

Weiß zeigte sich von seinen bisherigen Eindrücken von der bisherigen Arbeit der Fahrgastbegleiter überzeugt: „Die Resonanz war sehr positiv, viele Fahrgäste haben sich bedankt.“ Ebenso sei in Bussen der Vandalismus weniger geworden, hieß es. Als positiver Nebeneffekt für seinen Betrieb bemerkte Weiß gestiegene Einnahmen aus dem „erhöhten Beförderungsgeld“, dass Leute zahlen müssen, die ohne Fahrschein erwischt werden. „Wir kontrollieren aber nur anlassbezogen, etwa auffällige Jugendgruppen“, sagte Echtermeyer von der Wisag.

Allerdings warnte Martin Weiß davor zu glauben, dass das Geld von erwischten „Schwarzfahrern“ die Initiative bezahlen könne. Allerdings nannte er keine Zahlen – auch nicht zu den Kosten der Sicherheitsbeamten. Insgesamt kostet die „Sauber, sicher, leben“-Kampagne 500 000 Euro. Die darin enthaltene „Fahrgästebegleitung“ soll laut ViP „voraussichtlich“ auch nächstes Jahr fortgesetzt werden.

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