Potsdam : Tüfteln für McDonald’s und Co.

Der Babelsberger Dienstleister Interlake hilft großen Konzernen mit dem Internet

Unter der Oberfläche. Die Babelsberger Firma Interlake gestaltet keine Webseiten, sondern kümmert sich um die unsichtbaren Prozesse, beispielsweise um die komplette technische Infrastruktur. Dazu gehört auch der Betrieb der deutschen Webseite von McDonald’s. Interlake hat Kunden in 35 Ländern.Alle Bilder anzeigen
Foto: Andreas Klaer
02.04.2013 22:50Unter der Oberfläche. Die Babelsberger Firma Interlake gestaltet keine Webseiten, sondern kümmert sich um die unsichtbaren...

Im Flur steht ein kleines Fußballtor für das Spiel zwischendurch. Mitten im Büro hat es sich die Hündin Shiva in ihrem Körbchen gemütlich gemacht. Ab und zu fliegt mal ein kleiner Modellhubschrauber durch die Räume. Wer hinter diesen Arbeitsbedingungen eine digitale Kreativschmiede wie in Kalifornien vermutet, liegt allenfalls geografisch daneben.

Denn ihren Sitz hat die IT-Firma Interlake nicht am Pazifik, sondern neben den Babelsberger Filmstudios. Das ist kein Zufall: „Wenn hier zum Beispiel eine Daily Soap gedreht wird, werden große digitale Datenmengen produziert, die viele Bereiche wie Tontechnik, Schnitt oder Postproduktion durchlaufen, bevor sie veröffentlicht werden“, sagt Sven Slazenger, Geschäftsführer von Interlake. Solche Videodateien müssen unter anderem beschrieben und verschlagwortet werden, damit man mit ihnen arbeiten kann - Prozesse, die in der Filmbranche laut Slazenger zum Großteil noch mit Papierzetteln bewältigt werden. „Das ist Gift für eine effiziente Produktion.“ Solche Abläufe durch Software zu automatisieren und zu beschleunigen, ist eines der Arbeitsfelder der IT-Dienstleistungsfirma, zu deren Kunden unter anderem die UFA-Filmstudios in Babelsberg gehören.

Seit 2004 sitzt Interlake in Potsdam, weitere Teile des Unternehmens befinden sich in München, am Bodensee und in Florida, von den insgesamt rund 20 Mitarbeitern arbeitet die Hälfte in Potsdam. Slazenger umschreibt die Tätigkeit seines Teams gerne mit einer Auto-Metapher: „Es gibt die Leute, die man im Fernsehen Autoteile zusammenschrauben sieht, und es gibt die Leute, welche die Motoren konstruieren, die man aber nie sieht.“ Interlake kümmert sich um die unsichtbaren Prozesse unter der Oberfläche, beispielsweise um die komplette technische Infrastruktur, die den Betrieb der deutschen Webseite von McDonald’s ermöglicht. Webseiten selbst gestaltet Interlake aber nicht, betont Slazenger hemdsärmlig: „Wir kümmern uns nicht um das ganze Klicki-Bunti, sondern um die Hintergrundprozesse und den reibungslosen Betrieb in den Rechenzentren.“ Auch ein Monitoringsystem hat Interlake für die amerikanische Fastfood-Kette erstellt: Sie zeigt an, wenn in einer der vielen Großküchen etwas kaputtgeht und ausgetauscht werden muss. Abgesehen davon kümmert sich Interlake vor allem um die Bereiche Online-Video und die E-Learning-Software „Articulate“ mit der sich Lehrmaterialien für Weiterbildungen erstellen lassen.

Ursprünglich war Interlake ein Zwei-Mann-Unternehmen am Bodensee, gegründet 1997 mitten in der Zeit der ersten großen Internet-Euphorie. Anders als viele andere Startups aus dieser Zeit gibt es Interlake bis heute, und das obwohl seine beiden Gründer – Sven Slazenger und Stefan Salzbrunn – anfangs kaum Ahnung von Informatik hatten: „Ich war Kommunikationswissenschaftler und wusste weder über Technik noch über BWL Bescheid“, sagt Slazenger, „mein Gründungspartner war Chemiker.“ Für den damals 23-jährigen Studenten war es zuerst nur ein etwas anderer Nebenjob: „Bevor ich Kaffeetassen durch die Gegend trage, wollte ich schauen, was man mit diesem Internet so machen kann.“ Das Knowhow zum Programmieren habe er sich als Autodidakt angeeignet.

Auch die Einstellungspolitik ist eher unorthodox: „Wer hierzulande als Informatiker aus der Uni kommt, den können wir eigentlich nicht gebrauchen“, sagt Slazenger. Wichtiger als ein Studium und gute Zensuren sei das Interesse. So finden sich manche Menschen mit ungewöhnlichen Profilen bei Interlake: Die Vertriebsleiterin der Firma ist beispielsweise Germanistin. Slazenger habe sie damals eingestellt, weil sie Harfe spielte: „Ich dachte mir: Harfe spielen, dazu gehört was.“

Das IT-Unternehmen hat Kunden in 35 Ländern, dazu zählen so unterschiedliche Namen wie das Goethe-Insitut, die kasachische Fluggesellschaft Air Astana oder das Handelsblatt. Interlake kümmert sich vor allem darum, dass auf den jeweiligen Webseiten Online-Videos gezeigt werden können, Live-Konzert-Übertragungen auf Facebook – 2012 etwa von New Kids On The Block – organisieren die Potsdamer ebenfalls. Auch die 16 deutschen Landeskriminalämter sind Kunden: Interlake sorgt dafür, dass Kaufhäuser und Händler möglichst schnell informiert werden, wenn eine EC-Karte als gestohlen gemeldet wurde, damit diese die fraglichen Karten nicht mehr annehmen. „Die Banken sperren die nämlich nicht immer so schnell“, meint Slazenger.

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