• Trotz Pandemie: Jugendliche feiern Coronapartys
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Trotz Pandemie : Jugendliche feiern Coronapartys

Polizei löst mehrere Partys mit Dutzenden Teilnehmern in Potsdam und Umgebung auf. Oberbürgermeister Schubert fordert Solidarität.

Die Potsdamer Freundschaftsinsel. 
Die Potsdamer Freundschaftsinsel. Foto: Andreas Klaer

Potsdam/Potsdam-Mittelmark - Vielen Jugendlichen fällt es offenbar noch schwer, die alltäglichen Einschränkungen durch die Maßnahmen gegen die Coronapandemie hinzunehmen. In der Nacht zu Mittwoch gab es mehrere große Partys in Parks und auf öffentlichen Plätzen mit jeweils Dutzenden Teilnehmern. Es war die erste Nacht, in der die Verbote von größeren Versammlungen in Potsdam komplett galten. Zudem waren am Folgetag, dem Mittwoch, die Schulen geschlossen.

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) machte sich am Mittwoch selbst ein Bild von der Lage auf der Freundschaftsinsel und dem Bassinplatz und sprach mit Jugendlichen. Auch in seiner Videokolumne äußerte er sich. In größeren Gruppen zu feiern sei derzeit „uncool und unsozial“. „Es gibt immer einen Grund zu feiern, aber Ihr habt noch viele Jahrzehnte Zeit dafür.“ Jetzt sei nicht die Zeit für Corona-Partys oder Ähnliches. „Ihr fordert zurecht Solidarität der älteren Generation, wenn es um Klimaschutz geht.“ Nun brauche die ältere Generation Solidarität, wenn es um die Gesundheit geht.
Ansammlungen mit mehr als 50 Menschen sind verboten

Die Polizei hatte die Feiern mit Verweis auf die Lärmbelästigung aufgelöst. Rechtlich ist die Sache allerdings auch von der seit Dienstag gültigen Allgemeinverfügung des Rathauses erfasst. Die untersagt nicht nur Veranstaltungen sondern auch Ansammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern. Sind weniger Teilnehmer dabei, müsste eine Anwesenheitsliste mit Kontaktdaten geführt werden. 

Die Stadt könnte die Regeln auch weiter verschärfen. Das Infektionsschutzgesetz erlaubt es, Betretungsverbote für bestimmte Orte auszusprechen. Außerdem könnte das Land per Rechtsverordnung die Versammlungsfreiheit weiter einschränken. Schubert hatte bereits am Dienstag vor Journalisten angekündigt, notfalls werde das Ordnungsamt in solchen Fällen tätig. Er sagte auch: „Eine größere Unvernunft kann es nicht geben.“ Auch Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) nannte es am Mittwoch „kontraproduktiv, wenn die Leute in großen Menschentrauben im Park rumglucken.“ 

"Das Bewusstsein ist nicht so ausgeprägt"

Beim Potsdamer Wildwuchs Streetwork der Stiftung SPI kann man sich die Situation erklären. „Generell verbringen die meisten Jugendlichen ihre Freizeit gern zusammen“, sagte Standortleiter Andreas von Essen den PNN. Davon hätten sie nun wegen der Schulschließungen besonders viel. Das Bewusstsein für die Gefahren der Epidemie sei nicht so ausgeprägt, zumal bekannt sei, dass jüngere Infizierte oft nur milde oder gar keine Symptome entwickeln. 

Jugendliche am Potsdamer Bassinplatz.
Jugendliche am Potsdamer Bassinplatz.Foto: Andreas Klaer

Auch für Jugendliche sei die Situation unbekannt. In erster Linie sei es Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu sensibilisieren. Die Streetworker selbst können das kaum leisten. Sie dürfen nämlich selbst nicht mehr raus. 

Die Polizei löste mehrere Feiern auf

Die Polizei hatte am Dienstag gleich mehrere Partys von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Potsdam und Potsdam-Mittelmark aufgelöst. Das teilten die Beamten per Pressemitteilung am Mittwoch mit. Man appelliere zum Schutz der Gesundheit eindringlich an Jugendliche und junge Erwachsene, sich nicht in größeren Gruppen anzusammeln und Partys zu feiern, so eine Sprecherin der Polizei.

Gegen 19 Uhr wurde der Polizei eine Party im Park Babelsberg gemeldet, die bei Eintreffen der Polizei bereits durch den Wachschutz der Schlösserstiftung aufgelöst worden war. Etwa 50 Jugendliche hatten im Park gefeiert. Ein Sprecher der Schlösserstiftung sagte dazu: „Unstreitig ist aber, dass solches Handeln angesichts der aktuellen Lage höchst fahrlässig ist und nicht geduldet werden kann und auch nicht geduldet wird.“

Auch in Babelsberg gab es Partys

Dies war nicht der einzige Einsatz in Babelsberg: Rund 50 Personen bekamen einen Platzverweis auf dem Peter-Weiss-Platz. Mehrere Anrufer hatten den Beamten zuvor gegen 20.30 Uhr eine Party gemeldet. Die hatte zunächst das Ordnungsamt aufgelöst. Dann erschien die Partygesellschaft aber erneut – und rief die Polizei auf den Plan. Die Beamten hielten die Feiernden dazu an, den Ort zu säubern und erteilten den Verweis. Auch am Babelsberger Plantagenplatz hatten sich rund 60 Personen versammelt und hörten lautstark Musik. Als die Polizei gegen 22 Uhr anrückte, entfernte sich die Feiergesellschaft.

Auch im Umland musste die Polizei mehrfach ausrücken. Gegen 15 Uhr hat die Polizei mehrere Jugendliche von dem Gelände einer Schule in Teltow nach Hause geschickt, die dort Alkohol konsumierten. Ihnen wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Gegen 18 Uhr wurde die Polizei nach Werder (Havel) gerufen, dort sollten laut einem Anrufer etwa 40 bis 50 Leute an der Regattastrecke Alkohol konsumieren. Weil sie sich aber in Kleingruppen aufhielten, beließen es die Beamten bei einer Belehrung. 

Anzeige in Stahnsdorf 

Auf der Bäkewiese in Stahnsdorf hielten sich am Dienstagabend rund 15 Personen auf. Bei Eintreffen der Polizei stellten die Beamten fest, dass die Personen Müll auf dem Platz hinterlassen hatten und ließen sie aufräumen. Weil in diesem Zuge ein 18-Jähriger aus der Gruppe einen Polizisten beleidigte, wurde Anzeige aufgenommen. Gegen 21.30 Uhr rückte die Polizei wieder ab. 

Am späten Abend gegen 23 Uhr fand laut Anrufern auch eine Party von Jugendlichen in Kleinmachnow statt. Als die Polizei daraufhin ausrückte, waren allerdings nur noch drei Personen vor Ort. Die wurden angewiesen, aufzuräumen und konnten danach nach Hause gehen.

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