• Potsdamer Bürgershof wird abgerissen - und ein Wohnhaus
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Traditionsreicher Ausflugsort : Potsdamer Bürgershof wird abgerissen - und ein Wohnhaus

Die bekannte Stehbierhalle auf dem Bürgershof-Areal ist laut dem neuem Eigentümer zu marode für die Sanierung – deshalb wird sie neu aufgebaut. Der Inhaber will selbst darin wohnen.

Idyll. Der Bürgershof war ein beliebtes Ausflugsziel für viele Potsdamer. So sieht es dort jetzt aus.
Idyll. Der Bürgershof war ein beliebtes Ausflugsziel für viele Potsdamer. So sieht es dort jetzt aus.Foto: A. Klaer

Babelsberg/Klein Glienicke - Das wichtigste Haus im traditionsreichen Ex-Biergarten-Ensemble Bürgershof wird abgerissen – und als privates Wohnhaus wiederaufgebaut. Diese Pläne für die sogenannte Stehbierhalle stellte der neue Eigentümer des Ensembles den PNN jetzt auf Anfrage vor. Damit ist die weitere Nutzung des Areals als öffentliche Gaststätte endgültig gescheitert. Dabei war das im Frühjahr 2018 geschlossene Ausflugsziel direkt gegenüber dem von der Schlösserstiftung verwalteten Welterbepark Babelsberg im Sommer beliebt.

Der neue Eigentümer war früher Bankier

Der neue Besitzer heißt Hans Maret, er ist einer der Chefs des saarländischen Weingut Reverchon, war früher Bankier und bis 2002 ein Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim. Seine Frau und er hätten den Bürgershof vor rund zwei Jahren schon erworben. „Unsere Absicht war es schon damals, die Stehbierhalle zu erhalten, sie zu renovieren und in ein Wohnobjekt umzuwandeln“, erklärte der 70-Jährige.

Doch „nach umfangreichen gutachterlichen Untersuchungen“ habe sich – „zu unserem Bedauern“ – herausgestellt, dass die Stehbierhalle nicht mehr renovierbar sei. Die Gründe seien vielschichtig: Es bestünden „erhebliche statische Mängel“, es gebe „Fäulnis sowie unbehebbare Kontaminationen im Holzwerk“. Deswegen habe man in enger und zeitaufwendiger Abstimmung mit den Potsdamer Baubehörden ein Konzept entwickelt, in dem das Vorderhaus des Bürgershof-Areals kernsaniert und die Stehbierhalle abgerissen wird. Letztere soll anschließend im Außenbild „weitgehend baugleich wiederaufgebaut werden“.

Der rustikale Bürgershof gegenüber dem Park Babelsberg in Klein Glienicke: So sah es im Winter 2016 aus.
Der rustikale Bürgershof gegenüber dem Park Babelsberg in Klein Glienicke: So sah es im Winter 2016 aus.Foto: Andreas Klaer

Abriss ab Oktober

Schon Anfang Oktober sollen demnach die Abrissarbeiten beginnen. Maret erklärte: „Wir sind sicher, dass die Potsdamer Bürger nach einer rund einjährigen Bauphase ein ihren Sehgewohnheiten entsprechendes Bild wiederfinden werden und durch diese Vorgehen der langfristige Erhalt des Bürgershofs gesichert ist.“ Das Haus wolle er selbst als Wohnsitz nutzen, seine Enkel würden bereits im benachbarten Berlin wohnen – daher sei auch seine Wahl auf Potsdam gefallen. Ferner seien zwei Einliegerwohnungen geplant.

Auch die Stadt kennt das Vorhaben. Eine Rathaussprecherin bestätigte am Montag: „Es ist zutreffend, dass vor Kurzem für ein Wohnbauvorhaben auf dem Grundstück des ehemaligen Bürgerhofs eine Baugenehmigung erteilt wurde.“ In die Planungen und die bauaufsichtliche Genehmigung seien die – offensichtlich verheerenden – Ergebnisse eines Gutachtens zum Zustand des Bestandsgebäudes eingeflossen, sagte die Sprecherin. Weitere Details nannte sie aus Datenschutzgründen aber nicht.

Mit dem früheren Eigentümer, dem Berliner Anwalt Gunnar Schnabel, hatte die Stadt noch auf Kriegsfuß gestanden. Dieser hatte schon 2016 Bauvorbescheidsanträge für zwei Mehrfamilienhäuser auf dem Areal gestellt, was die städtische Denkmalschutzbehörde damals aber abgelehnt hatte. Dazu gab es auch – nicht entschiedene – juristische Auseinandersetzungen vor dem Verwaltungsgericht. Auch das Aus für die Anlage hatte Schnabel mit dem aus seiner Sicht rechtswidrigem Verhalten der Stadt und auch der Schlösserstiftung begründet, die ihm für eine geplante Umgestaltung des Außengeländes Steine in den Weg gelegt hätten. Die kritisierten Behörden hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Schnabel besitzt nach eigenen Angaben noch einen Teil des Grundstücks vor Ort.

Tradition. Am Ufer der Glienicker Lake ließ es sich im Sommer prima entspannen.
Tradition. Am Ufer der Glienicker Lake ließ es sich im Sommer prima entspannen.Foto: Sebastian Gabsch

Bewegte Geschichte

Der Gaststätten-Standort Waldmüllerstraße an der Glienicker Lake hat eine lange Geschichte, den Bürgershof als Bier- und Weingartenrestaurant gab es seit 1873. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts galt der Bürgershof – dann auch als Hotel genutzt und ausgestattet mit einem Festsaal für 1000 Personen – als einer der beliebtesten Wasser-Ausflugsorte für Potsdamer und Berliner. Kriegsbedingt musste der Biergarten ab 1941 schließen, später kam das Objekt unter DDR-Zwangsverwaltung und wurde zunächst noch für Tanzveranstaltungen genutzt. Schluss war damit nach dem Mauerbau 1961 – das Grundstück war ab diesem Zeitpunkt Teil des sogenannten Todesstreifens vor der gesperrten Grenze nach West-Berlin und wurde in den folgenden Jahren enteignet. Am 15. Januar 1971 wurde schließlich die Sprengung des einstigen Hotels angeordnet, einzig die frühere Bierhalle blieb erhalten.

Nach der Wende 1989/90 stellten die vormaligen Eigentümer einen Antrag auf Rückübertragung des Grundstückes. Zunächst gelangte das Areal aber in den Besitz der Stadt Potsdam. Es folgte ein langer Rechtsstreit, der für die Eigentümer 2002 mit dem Rückerwerb des Areals nach dem Mauergrundstücksgesetz endete. Nach der Sanierung der früheren Stehbierhalle konnte der Restaurantbetrieb ab Sommer 2004 wieder aufgenommen werden – mehrere Hundert Menschen hatten in dem Biergarten am Wasser Platz.