• Traditioneller Treffpunkt im Potsdamer Westen: Letzte Chance für die „Waschbar“

Traditioneller Treffpunkt im Potsdamer Westen : Letzte Chance für die „Waschbar“

Die beliebte Kiezkneipe hat einen neuen Betreiber – doch der Eigentümer liebäugelt mit einem Neubau.

Der langjährige Mitarbeiter Jeremias Schmidt hat die Waschbar übernommen.
Der langjährige Mitarbeiter Jeremias Schmidt hat die Waschbar übernommen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Seit vielen Jahren ist die „Waschbar“ einer der wichtigsten Treffpunkte für Anwohner im Potsdamer Westen. Dass dies so bleibt, dafür will ein neuer Betreiber sorgen: Der langjährige Mitarbeiter Jeremias Schmidt hat die kombinierte Cafébar-Kneipe samt integriertem Waschsalon übernommen. Das bestätigte der 28-Jährige den PNN auf Anfrage. Ziel sei es, diesen für den Kiez „lebenswichtigen Ort“ zu erhalten, in der Freiluftsaison auch wieder mehr Veranstaltungen anzubieten.

Man könnte das Engagement auch eine letzte Chance für den traditionsreichen Ort nennen. Denn inzwischen haben die Eigentümer des Gebäudes in der Geschwister-Scholl-Straße auch mögliche Bauabsichten. Eine Sprecherin des Rathauses bestätigte den PNN, es gebe einen Vorbescheidsantrag für das Objekt, also eine sogenannte Bauvoranfrage. Dabei können Investoren einzelne Fragen zu einem Plan vorab klären lassen, ohne bereits einen Bauantrag stellen zu müssen. Über solche Anträge muss dann jeweils die Bauverwaltung befinden.

Erst Abriss, dann ein Neubau?

Details zu dem Antrag zur „Waschbar“ nannte die Stadtsprecherin nicht, nähere Informationen könne nur der Eigentümer nennen. Das grundsätzliche Vorhaben war zuletzt am Rande des Bauausschusses bekannt geworden – in der vorherigen nicht-öffentlichen Vorstellung von Bauvorhaben hatte das Rathaus laut Teilnehmerkreisen erstmals nicht-öffentlich über die Voranfrage berichtet: Nach PNN-Informationen ging es dabei auch um einen möglichen Abriss und Ersatzbau am Standort.

Die "Waschbar" in der Geschwister-Scholl-Straße.
Die "Waschbar" in der Geschwister-Scholl-Straße.Foto: Ottmar Winter PNN

Das Haus gehört nach PNN-Recherchen der Valida Grundbesitzverwaltungs GmbH aus Berlin. Von dort hieß es auf Anfrage, es sei „in unser aller Interesse, dass die Waschbar unter neuer Führung weiterhin bestehen bleibt“. Jedoch hätten zwei Betreiberwechsel innerhalb von drei Jahren die Eigentümer dazu bewegt, „zumindest Alternativen zu prüfen“. Worin Varianten diese genau bestehen könnten, teilte das Unternehmen aber nicht mit.

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Tatsächlich hatte sich erst im Frühjahr 2020 eine neue Betreiberin für die „Waschbar“ öffentlich vorgestellt, die von diesem Langzeitprojekt inzwischen aber wieder Abstand genommen habe, wie Schmidt erzählte. Im Gram trenne man sich nicht, schließlich sei das Etablissement auch durch die Pandemie geführt worden und habe überlebt. Schmidt selbst ist bereits seit Jahren in der „Waschbar“ tätig, war das auch schon unter Gründer Klaus Kühn – der inzwischen wieder als helfende Hand verfügbar sei, um den Betrieb zu stützen. Generell sei im Kiez die Bereitschaft, der „Waschbar“ zu helfen sehr ausgeprägt – und auch ausdrücklich erwünscht, so Schmidt.

Schmidt setzt auf „breites Biersortiment zum anständigen Preis“

Das bewährte Konzept soll dabei fortgeführt werden: Gute Zutaten seien wichtig, aber auch ein erschwingliches Niveau und gerade am Abend „ein breites Biersortiment zum anständigen Preis“. Die im Zuge der Pandemie und Betreiberwechsel eingeschlafenen Kontakte, um zum Beispiel im Sommer wieder Veranstaltungen vor und in der Bar möglich zu machen, würden gerade reaktiviert. Auch wolle man in der Freiluftsaison wieder generell früher am Tage öffnen. 

Das traditionelle Weihnachtssingen, bei dem in jedem Advent diverse Musiker aus Potsdam gemeinsam auftraten, soll ebenfalls wiederbelebt werden, so ein Plan von Schmidt. Und die besagte Bauvoranfrage des Gebäudeinhabers? Schmidt sagte, man wolle nun zeigen, dass die Waschbar dauerhaft als Kieztreff funktioniere – er setze dabei auch auf das bisher gute Verhältnis mit den Eigentümern.

Schon mehrfach waren in den vergangenen Jahren beliebte Kieztreffpunkte in Potsdam geschlossen worden, zugunsten von Wohnprojekten in der schnell gewachsenen Stadt mit ihrem angespanntem Wohnungsmarkt und stetig steigenden Grundstücks- und Mietpreisen.

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