• Tourismus: Potsdams Tourismusbranche befürchtet Besucherrückgang wegen Coronavirus

Tourismus : Potsdams Tourismusbranche befürchtet Besucherrückgang wegen Coronavirus

Mehr Besucher, mehr Übernachtungen: Jahr für Jahr verkündet die Landeshauptstadt immer neue Rekorde in der Reisebranche. Nun könnte der Trend erstmals nach unten gehen.

Potsdam, 27.06.2019 / Lokales / Schloss Sanssouci, Park Sanssouci, SPSG, Feature, Wetter, Sommer, Besucher, Tourismus, Touristen, Foto: Ottmar Winter/PNN
Potsdam, 27.06.2019 / Lokales / Schloss Sanssouci, Park Sanssouci, SPSG, Feature, Wetter, Sommer, Besucher, Tourismus, Touristen,...Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Potsdams Tourismusbranche blickt mit Sorge auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus. Nach jahrelang ansteigenden Besucher- und Übernachtungszahlen gehe er davon aus, dass es in diesem Jahr „eine Delle“ geben werde, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag bei einer Bilanzpressekonferenz zur touristischen Entwicklung im vergangenen Jahr. „Corona wird die Tourismusbilanz in diesem Jahr natürlich beeinflussen“, sagte auch Raimund Jennert, Chef der kommunalen Stadtmarketinggesellschaft PMSG. Erste Absagen und Stornierungen habe es bereits gegeben, diese würden für das laufende Jahr in einer gesonderten Statistik erfasst, sagte Jennert. Die Absage der Internationalen Tourismusbörse ITB, auf der auch Potsdam traditionell für seine Angebote wirbt, „hat uns natürlich traurig gestimmt“, sagte Jennert. Nichtsdestotrotz sei die Entscheidung richtig gewesen.

Viele Cecilienhof-Besucher kommen aus Asien

Auch die Schlösserstiftung rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Besucherzahlen. Es gebe inzwischen einen hohen Anteil von Gästen aus dem ostasiatischen Raum, sagte Stiftungs-Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr. Die für diese Zielgruppe größte Attraktion sei das Schloss Cecilienhof mit jährlich rund 140 000 Besuchern. 60 Prozent davon kämen aus dem Ausland, die meisten aus Ostasien, so Vogtherr. Der Grund dafür liegt in der jüngeren Historie des Schlosses. Bekanntlich wurde auf der Potsdamer Konferenz, die sich 2020 zum 75. Mal jährt, nicht nur über die Zukunft Europas, sondern auch über die politische Neuordnung in Asien entschieden, ein bislang wenig beleuchteter Aspekt in der dortigen Dauerausstellung. Mit der geplanten großen Sonderausstellung, die am 1. Mai in Cecilienhof eröffnet wird, will die Stiftung das ändern. Die für Asien getroffenen Entscheidungen sollen sich danach auch dauerhaft in der Ausstellung wiederfinden. 
Zum Schutz der Stiftungsmitarbeiter, die mit vielen Besuchern aus aller Herren Länder in Kontakt kommen, sei eigens eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, berichtete Vogtherr. Zudem würden die Angestellten über einen „sehr gut funktionierenden Mitarbeiterblog“ über aktuelle Entwicklungen informiert. Auch Desinfektionsmittel seien in allen Einrichtungen der Stiftung verteilt worden. 

2020 werden viele Jubiläen gefeiert

Abgesehen von den Unwägbarkeiten der Coronakrise sieht sich die Tourismusbranche in Potsdam für dieses Jahr gut aufgestellt. Das liegt vor allem an den zahlreichen Jubiläen, die zum Teil mit großen, über mehrere Tage gestreckten Veranstaltungen, die 2020 gefeiert werden (siehe nebenstehender Kasten). Dazu zählen neben dem bereits erwähnten Jubiläum der Potsdamer Konferenz unter anderem der 75. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai und der 30. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung. Für Letzteren ist Potsdam wie berichtet Gastgeber der zentralen Feierlichkeiten des Bundes. Auch für die Hotellerie dürften die Tage rund um den 3. Oktober zu den Höhepunkten des Jahres zählen, prophezeite Schubert. 

Stadt und Stiftung werben gemeinsam

Um Touristen wolle die Stadt künftig verstärkt gemeinsam mit der Schlösserstiftung werben, kündigte Schubert an. Die Welterbeschlösser und -parks seien – auch wenn die Innenstadt immer beliebter werde – nach wie vor das wichtigste Pfund, mit dem die Stadt wuchern könne, so der Rathauschef. Auch die PMSG kommt bei ihrer Werbung ohne das Welterbe nicht aus. „Unser Markenversprechen heißt Sanssouci“, sagte Jennert und präzisierte, dass damit die wortwörtliche Übersetzung des Namens von Potsdams berühmtestem Schloss ins Deutsche gemeint ist: „Die Touristen sollen ihren Urlaub in Potsdam ,ohne Sorge’ verbringen können.“ Um diesem „hohen Anspruch“ gerecht zu werden, setze man verstärkt auf Werbung im Online- und Social-Media-Bereich. Auf der deutschen PMSG-Homepage habe es im vergangenen Jahr 43 Prozent mehr Sitzungen gegeben, bei Facebook und Instagram seien die Zuwachsraten gegenüber 2018 prozentual sogar dreistellig, sagte Jennert. 

Barberini in der Außenwirkung "gigantisch"

Für den Tourismus kaum zu überschätzen sei die Ankündigung von Hasso Plattner, einen großen Teil seiner privaten Gemäldesammlung ab September dauerhaft in seinem Museum Barberini am Alten Markt auszustellen. „In der Außenwirkung ist das gigantisch“, sagte Jennert geradezu euphorisiert. Damit bekomme Potsdam einen weiteren, dauerhaften Anziehungspunkt. 
In Potsdam wurden im vergangenen Jahr wie berichtet knapp 1,4 Millionen Übernachtungen registriert, ein deutliches Plus von 4,8 Prozent gegenüber 2018. Zudem wurden gut 564 000 Gästeankünfte gezählt, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent entspricht.

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