• Tourismus in Potsdam: Spur der Verwüstung

Tourismus in Potsdam : Spur der Verwüstung

Potsdams Tourismus hat ein Horror-Jahr hinter sich. Die Statistik für 2020 zeigte einen beispiellosen Einbruch der Gästezahlen. Und bisher ist keine Besserung in Sicht.

Die Zukunft des Potsdam-Tourismus ist derzeit schwer erkennbar.
Die Zukunft des Potsdam-Tourismus ist derzeit schwer erkennbar.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Die Corona-Pandemie hat Potsdams Tourismusbranche hart getroffen. Um 41,7 Prozent brach die Zahl der Gäste im Jahr 2020 ein, wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Im ganzen Jahr wurden in den Beherbergungsbetrieben der Landeshauptstadt insgesamt 329.125 Gäste gezählt. Damit ist Potsdam auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2005 zurückgefallen. 

Wer dennoch kam, blieb ein bisschen länger. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag im Jahr 2020 bei 2,7 Tagen pro Gast. Das war immerhin ein positiver Rekord: Denn seit Erfassung der Statistik im Jahr 1991 war Potsdam noch nie über den Durchschnitt von 2,4 Tagen hinausgekommen. Insgesamt wurden 877.200 Übernachtungen in Hotels und Pensionen gezählt. Das bedeutet einen Rückgang um 34,5 Prozent. Auch dieser Einbruch ist historisch beispiellos. Die größten Rückgänge hatte es bis dahin im Jahr nach der Bundesgartenschau und im Jahr nach dem Friedrich-Jahr 2012 gegeben.

Starke Sommermonate reichen nicht

Dass es überhaupt so viele Gäste wurden, lag an den starken Sommermonaten: Im Juli, August und September waren die Gäste wieder fast so nach Potsdam gekommen, als gäbe es keine Pandemie. Im August 2020 wurden sogar 16,6 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahresmonat gezählt. Der Sommer ist ohnehin die wichtigste Zeit für den Potsdam-Tourismus. Doch er konnte die riesigen Verluste aus den anderen Monaten nicht ausgleichen. 

Der Einbruch wirkte auf die Branche wie ein Schock: Noch im Vorjahr hatte Potsdam nämlich ein Rekordjahr erlebt. In Potsdam wurden im Jahr 2019 wie berichtet knapp 1,4 Millionen Übernachtungen registriert, ein deutliches Plus von 4,8 Prozent gegenüber 2018. Zudem wurden gut 564.000 Gästeankünfte gezählt, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent entsprach.

Von Mitte März bis Mitte Mai 2020 waren touristische Übernachtungen gänzlich untersagt. Noch bis weit in den Juni hielten geschlossene Grenzen ausländische Besucher fern. Zudem gab es wegen Abstandsregelungen kaum Gruppenreisen. Veranstaltungen und Kongresse fielen aus. Auch Besuchermagneten wie die Schlössernacht wurden abgesagt. Und seit der zweiten Pandemie-Welle gilt erneut das Verbot touristischer Übernachtungen. Die Beherbergungsstätten können zwar öffnen, aber nur für geschäftliche oder dienstliche Übernachtungen. Damit kam man aber im Monat Dezember nur auf 3879 Gäste. Ein Minus von 89,4 Prozent im Vergleich zum Dezember 2019. Wann sich das wieder ändert, ist derzeit völlig unklar.

Tourismus landesweit in der Krise

Mit der Krise war Potsdam natürlich nicht allein. Im ganzen Land Brandenburg brachen die Gästezahlen ein - wenn auch nicht überall gleichmäßig. Potsdam erlebt unter den märkischen Reisegebieten den zweitstärksten Rückgang. Noch tiefer war der Einbruch nur im Fläming. Auf Gemeindeebene gab es steigende Besucherzahlen allein in Reichenwalde, Märkische Heide, Falkenberg, Lauchhammer, Doberlug-Kirchhain und Wusterwitz.

Beherbergungsverbote und Infektionssorgen haben im Corona-Jahr 2020 landesweit Touristen ferngehalten. Etwa 3,3 Millionen Menschen kamen zum Urlaub ins Land, rund 38 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilte. Die Zahl der Übernachtungen ging demnach um rund 28 Prozent zurück auf etwa 10,1 Millionen, die niedrigste Zahl seit 2008.

Campingplätze florierten in der Krise

Weil es kaum Klassenfahrten und Gruppenreisen gab, büßten Jugendherbergen, Erholungs- und Ferienheime am stärksten ein, gefolgt von Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Einzig Campingplätze zogen mehr Besucher an: 466.500 Gäste entsprachen einem Zuwachs um gut vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr; bei den Übernachtungen ging es zehn Prozent nach oben. Das war der stärkste Andrang seit der Wiedervereinigung.

Die Einbußen der Tourismusbranche waren in Brandenburg aber nicht so stark wie bundesweit, wo die Zahl der Übernachtungen um 39 Prozent einbrach. Dazu trug bei, dass ausländische Besucher fernblieben und Reisende die Städte besonders mieden. Berlin verzeichnete binnen eines Jahres nahezu zwei Drittel weniger Besucher. (mit dpa)

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