• Tourismus in Potsdam 2016: Tourismus-Boom mit Abstrichen

Tourismus in Potsdam 2016 : Tourismus-Boom mit Abstrichen

Potsdam hatte 2016 so viele Gäste wie noch nie, allerdings war das Wachstum schwächer als in den Vorjahren. Und auch die Anziehungskraft im Ausland nahm deutlich ab.

Publikumsmagnet. Potsdams Attraktionen wie die Schlösser und Gärten im Welterbe – hier das Chinesische Teehaus im Park Sanssouci – haben im vergangenen Jahr erneut mehr Touristen angezogen. Hotels und Pensionen waren besser ausgelastet.
Publikumsmagnet. Potsdams Attraktionen wie die Schlösser und Gärten im Welterbe – hier das Chinesische Teehaus im Park Sanssouci –...Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam - Mehr Gäste und mehr Übernachtungen: Für Potsdams Tourismus war 2016 erneut ein Rekordjahr. 480 100 Gäste wurden im vergangenen Jahr in den Hotels und Pensionen in der Landeshauptstadt gezählt. So viele wie noch nie und 5000 mehr als im Vorjahr. 1 139 000 Übernachtungen wurden registriert – auch das ein Rekordwert. Zum fünften Mal lag die Zahl der Übernachtungen über der Millionenmarke.

Diese Zahlen verkündete am Montag Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) bei der Vorstellung der landesweiten Tourismusbilanz. Gerber kam damit dem Potsdamer Rathaus zuvor, das seine Statistiken erst in der kommenden Woche im Vorfeld der Tourismusmesse ITB in Berlin vorstellen will. „Besonders erfreut sind wir über die steigenden Übernachtungszahlen, denn sie bedeuten eine höhere Aufenthaltsdauer in der Landeshauptstadt und somit eine Vielzahl positiver Effekte für die touristischen und tourismusnahen Dienstleistungen“, sagte Potsdams Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs am Montag auf PNN-Anfrage. „Wir sind weiterhin auf einem sehr guten Weg.“

Die ganz großen Atraktionen fehlen offenbar

Allerdings war das Wachstum schwächer als in den Vorjahren. Die Zahl der Gäste legte um ein Prozent zu. Im Vorjahr war sie noch um 8,7 Prozent gewachsen. Das macht sich auch bei den Übernachtungszahlen bemerkbar. Sie stiegen 2016 um 3,1 Prozent. Im Vorjahr ging es noch mit 6,7 Prozent aufwärts. Offenbar fehlten die ganz großen Attraktionen, um noch mehr neue Besucher anzulocken.

Auch auf Landesebene war das vergangene Jahr ein gutes für den Tourismus. 12,9 Millionen Übernachtungen im Land Brandenburg waren ebenfalls ein Rekord, sagte Minister Gerber. Das seien 2,9 Prozent mehr als 2015. Das Ergebnis belege, dass Brandenburg immer attraktiver werde und die Tourismusbranche organisch wachse, so Gerber.

Zahl der ausländischen Besucher ging deutlich zurück

Auffällig ist, dass die Zahl der ausländischen Besucher in Potsdam um zehn Prozent einbrach. 50 000 waren es im Jahr 2016. Zu den Ursachen wollte die Stadtverwaltung am Montag noch keine Stellung nehmen – ebenso wie die für Potsdams Tourismusmarketing zuständige Potsdam Marketing und Service GmbH.

Landesweit legte die Zahl der Besucher aus dem Ausland mit 1,1 Prozent noch leicht zu. Allerdings entwickeln sich die Regionen nicht gleichmäßig: Während das Dahme-Seenland und das Ruppiner Seenland noch zweistellige Zuwächse verzeichneten, ging es neben Potsdam auch in der Uckermark und im Barnim abwärts. „Die Holländer, unsere zweitgrößte Besuchergruppe, wurden auch von anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gezielt umworben“, sagte Gerber. Aber auch bei Gruppenreisen polnischer Veranstalter spüre man derzeit eine deutliche Zurückhaltung. „Die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Sicherheitslage in Polen macht sich bemerkbar.“ Er hoffe, dass die Skepsis wieder einer realistischen Einschätzung weiche.

Potsdam-Besucher bleiben 2,4 Tage im Durchschnitt

Im Durchschnitt bleiben die Gäste 2,4 Tage in Potsdam. Diese Zahl ist seit Jahren ziemlich stabil. Sie blieb es auch 2016. Genau 5617 Betten standen den Potsdam-Besuchern zur Verfügung – ein Zuwachs von 2,6 Prozent im Jahresvergleich. Trotz des größeren Angebots legte die Auslastung weiter zu. Im Jahr 2016 waren es 53,2 Prozent. Das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

In diesem Jahr könnte der Tourismus in Potsdam einen neuen Schub bekommen. Seit Januar besitzt die Stadt mit dem Museum Barberini eine Attraktion mit weltweiter Strahlkraft. Im ersten Monat seit der Eröffnung lockten die hochkarätigen Gemäldeausstellungen bereits 60 000 Besucher an. Darunter dürften natürlich auch viele Potsdamer sowie Tagesbesucher sein. Doch auch das Hotelgewerbe dürfte profitieren.

Potsdam will nun vom 8. bis zum 12. März auf der ITB für sich werben. Dort gibt es in Halle zwölf insgesamt 35 Stände von Brandenburger Anbietern. Neben dem Tourismusmarketing der Stadt wird dort auch das neue Museum Barberini vertreten sein. Außerdem sollen Stände von Schlösserstiftung und Filmpark Gäste zu den etablierten Potsdamer Publikumsmagneten locken.