• Top Secret: Spionage-Ausstellung im Potsdamer Stern Center

Top Secret : Spionage-Ausstellung im Potsdamer Stern Center

In der interaktiven Ausstellung „Top Secret“ im Stern-Center können Besucher Codes dechiffrieren und versteckte Mini-Waffen begutachten.

Ausstellungsleiter Anton Werner. 
Ausstellungsleiter Anton Werner. Fotos: Andreas Klaer

Potsdam - Wie klein können Kameras sein, um zu Spionagezwecken versteckt zu werden? Wie wurden in der Antike Nachrichten verschlüsselt? Und wie viel hat der Geheimdienstberuf eigentlich mit James Bond zu tun? Antworten auf diese Fragen liefert seit dem gestrigen Donnerstag die interaktive Spionage-Ausstellung „Top Secret“ im Stern-Center Potsdam. Bis zum 24. August gewähren hunderte Exponate auf sieben Ausstellungsflächen einen Einblick in die Welt der Agenten.

Foto: Andreas Klaer

Geheimniskrämerei gibt es seit der Antike, wie zwei Verschlüsselungs-Werkzeuge aus dieser Zeit zeigen: Die sogenannte Cäsar-Münze besteht aus zwei Scheiben mit zwei Alphabeten, die nach Belieben gedreht werden können. Nur wer weiß, auf welcher Position die Münze beim Abfassen der Dokumente stand, konnte die Botschaft entschlüsseln. Ähnlich funktionierte der Skytale-Stab, das älteste bekannte Verschlüsselungswerkzeug überhaupt: Ein um einen eckigen Stab gewickeltes Pergamentband wurde beschrieben und konnte erst wieder gelesen werden, wenn er auf einem Stab von selber Machart gewickelt wurde.

Standen bis zum Mittelalter vor allem militärische Informationen im Zentrum von Spionage, rückten mit dem Aufkommen internationaler Handelsnetzwerke in der frühen Neuzeit immer mehr Wirtschaftsgeheimnisse in den Fokus. Ein Trend, der sich fortgesetzt hat: Gegenwärtig spielt Wirtschaftsspionage bei vielen Geheimdiensten eine ebenso große Rolle wie militärische und politische Spionage.

Hauptfokus ist der Kalte Krieg

Hauptfokus der Ausstellung liegt auf dem „Goldenen Zeitalter“ der Spionage, dem Kalten Krieg: In der System-Konfrontation von Ost und West waren Einfallsreichtum und Skrupellosigkeit der Geheimagenten keine Grenzen gesetzt, wenn es darum ging. In nahezu alle harmlosen Alltagsgegenstände wurden Kameras eingebaut: In Jacken hinter passenden Knöpfen, in Handtaschen, in Baumstämme, ja, die Ausstellung zeigt sogar einen BH mit integrierter Kamera, den ein Stasi-Mitarbeiter einst konstruierte. Für seinen Einfallsreichtum wurde er mit 600 Mark belohnt.

Hat man etwas im Feindesland herausgefunden, muss es natürlich wieder über die Grenze, und zwar möglichst platzsparend: Die legendäre Kleinstkamera Minox eignete sich gut dafür, Dokumente abzufotografieren, Mikrofilme wurden in ausgehöhlten Batterien, Lippenstiften, zugeklebten Walnüssen oder sogar hohlen Münzen transportiert, um kein Aufsehen zu erregen. Noch unauffälliger war der Mikropunkt: Mittels einer speziellen Kamera konnten Briefe und Lagepläne so verkleinert werden, dass sie auf einem harmlosen Dokument versteckt werden konnten, zum Beispiel als i-Tüpfelchen.

Das Messer im Kruzifix

Ähnlich erfinderisch waren die Agenten dabei, unauffällige Waffen mit sich zu führen: Plastiksprengstoff in Form eines Apfels, ein verstecktes Messer im Kruzifix, ein als Regenschirm getarnter Elektroschocker, eine Klinge in einer Erdnuss oder eine Kondomverpackung, in der sich eine Drahtschlinge verbirgt.

Neben den informativen Teilen gibt es bei „Top Secret“ auch die Möglichkeit, selber ein bisschen Agent zu spielen: Mithilfe von Periskopspiegeln können geheime Botschaften gelesen werden, steganographische Nachrichten können dechiffriert werden, und wer will, kann versuchen, einen Tunnel mit Laserstrahlen zu überwinden, ohne diese zu berühren.

Die Ausstellung zeigt auch, welch bizarre Blüten die Schnüffelei bisweilen trieb: So legte die Stasi ein Geruchsarchiv von verdächtigen Personen an, denen bei Verhören ein Tuch auf den Stuhl gelegt wurde, um den Schweißgeruch aufzunehmen. Damit wollte man Spürhunde auf die Betroffenen ansetzen. Noch unappetitlicher war, was dem damaligen Regierungschef der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, 1964 in Kopenhagen widerfahren war: Westliche Agenten hatten sich des Nachttopfes von Chruschtschow bemächtigt, um anhand der „Stuhlprobe“ herauszufinden, ob das sowjetische Oberhaupt an einer schweren Krankheit litt – ohne Ergebnis.

Der Part zu James Bond ist enttäuschend

Während der Part rund um reale Spionage interessant und kurzweilig ist, ist der Block über James Bond enttäuschend: Lediglich ein paar Filmplakate und Nachbildungen vom Goldenen Colt, dem Gebiss des „Beißers“ oder dem „Golden Eye“ sind zu sehen, nebst einer Sammlung der Bond-Autos – im Spielzeugformat.

Die von der Euroscience GmbH gestaltete Ausstellung, die seit 2016 durch diverse Shopping Center tourt, ist leider thematisch in den Neunziger Jahren hängengeblieben: Technik der letzten 20 Jahre findet sich kaum, ebenso wie ein kritisch hinterfragender Blick auf die Massenüberwachung durch Geheimdienste, der spätestens seit Edward Snowden angebracht ist. Dieser Aspekt fehlt bei „Top Secret“ leider völlig.

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