• Tipps für Potsdam-Touristen: Vom Reisen in Zeiten des Klimawandels

Tipps für Potsdam-Touristen : Vom Reisen in Zeiten des Klimawandels

Kai Diekmann schrieb Tipps für Potsdam-Besucher und findet: Wer zu Hause die Umwelt schützt, darf auch mal in den Flieger steigen.

Botschafter. Im neuen Berlin-Reiseführer für Best Ager hat Kai Diekmann seine Potsdamer Lieblingsorte verraten.
Botschafter. Im neuen Berlin-Reiseführer für Best Ager hat Kai Diekmann seine Potsdamer Lieblingsorte verraten.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - „Wenn etwas gut ist, empfehle ich es gerne.“ So hält es Kai Diekmann, Journalist, Ex-„Bild“-Herausgeber und heute unter anderem Chef einer neuen Firma. Der 55-Jährige ist viel unterwegs – zwischen Potsdam, Berlin und dem Rest der Welt. Bei all dem Reisen findet er: „Das schönste daran ist das Nachhausekommen. Wenn ich über die Glienicker Brücke fahre, das ist so ein gutes Gefühl – das habe ich auch in Hamburg erlebt, aber hier ist es schöner“, schwärmt Diekmann. Deshalb habe er, als er dazu gefragt wurde, auch sofort Lust gehabt, einen Potsdam-Text für einen Reiseführer zu schreiben. „Berlin. Reisen kennt kein Alter“ ist zwar ein Berlin-Buch, widmet aber auch der Nachbarstadt ein umfängliches Kapitel. Herausgeber ist die Tertianum Premium Residences, die in Berlin, München und Konstanz mehrere Premium-Residenzen für Senioren betreibt. Auf Anregung ihrer meist noch sehr aktiven und unternehmungsfreudigen Bewohner, der sogenannten Best Ager, werden Reiseführer erstellt, die genau zur Zielgruppe passen sollen. „Sie enthalten kuratierte Stadtspaziergänge und Tipps von bekannten Persönlichkeiten der Stadt“, so Anna Schingen von Tertianum. Und weil Diekmann einer der bekanntesten Potsdamer sei, habe man ihn gebeten, als Autor dabei zu sein.

Diekmann: „Potsdam wohnt besondere Ästhetik inne"

Auf zwölf Seiten findet sich folglich Diekmanns Stadtspaziergang samt Karte, dazu ein Interview mit Tipps zu Kunst und Kultur, Restaurants, Hotels – und viel Schwärmerei. Für den Autor, der immer wieder für seine Heimatstadt wirbt, eine der leichtesten Übungen. „Potsdam wohnt eine besondere Ästhetik inne. Wo man auch hinguckt, sieht man was Schönes.“ Dafür möchte er Besucher als auch Potsdamer sensibilisieren.

Einer von Diekmanns Lieblingsorten: Der Babelsberger Park mit der Gerichtslaube.
Einer von Diekmanns Lieblingsorten: Der Babelsberger Park mit der Gerichtslaube.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Den Schwerpunkt legt er auf seine Lieblingsparks, den Neuen Garten, der in seiner romantischen Kleinteiligkeit auf ihn „wie ein 250 Jahre altes Disney-World“ wirke, und den Park Babelsberg. Hier kennt er sich bestens aus, weil die Diekmann-Familie quasi zwischen beiden Welterbe-Parks wohnt und Diekmanns sonntägliche Laufstrecke mitten hindurchführt. Der im Buch empfohlene Rundgang, 9,1 Kilometer lang, ist entsprechend anspruchsvoll: Die Best Ager sollten noch einigermaßen gut zu Fuß sein. Es geht vom Schloss Belvedere durch die Nauener Vorstadt zum Neuen Garten, auf einen Abstecher zur Gotischen Bibliothek – einer von Diekmanns Lieblingsorten – , schließlich an Marmorpalais und Meierei vorbei, um den Heiligen See herum zur Glienicker Brücke und von dort durch Klein Glienicke zum Park Babelsberg. Endstation ist das Café Kleines Schloss.

Tipp für Potsdam-Besucher: Die Seerose an der Neustädter Havelbucht. 
Tipp für Potsdam-Besucher: Die Seerose an der Neustädter Havelbucht. Foto: Andreas Klaer

Die Best-of-Potsdam-Liste enthält die Klassiker von Museen und Kultureinrichtungen, Gastronomie und Hotels, aber dazwischen auch Tipps wie die Seerose, schönste DDR-Architektur, und das Hotel Mercure, letzteres auf die Frage, wo er übernachte würde, wenn er nicht in Potsdam wohnte.

Wenn er nicht in Potsdam ist, ist Diekmann bekennender Viel-Reisender und vor allem Viel-Flieger. Auch in Zeiten des Klimawandels. „Mit Schiff und Pferdekutsche sind bestimmte Termine nicht zu erreichen“, sagt er. „Ich bin auch begeisterter Bahnfahrer, das bringt aber nichts, wenn ich schnell in die Türkei oder nach London muss.“ Er halte nichts von der Verbotskultur, zu der die Deutschen neigen. „Wir können in der Entwicklung der komplizierten globalisierten Welt nicht zurück.“ Außerdem trage das Fliegen nur zum kleinen Teil zur CO2 Produktion bei. „Das meiste wird durch unser Wohnen produziert“. Hier sieht Diekmann auch den größten Handlungsspielraum, um für das Weltklima Gutes zu tun. Hier packt er auch selber an. „Die Rückbesinnung auf Regionales ist mir wichtig.“ Das heißt für ihn und seine Familie ganz konkret, dass beim Einkaufen auf die Herkunft der Lebensmittel geschaut wird. Eine Erdbeere oder ein Apfel muss nicht um die halbe Welt fahren. 

Bewusstsein beim Umweltschutz

„Wir haben Obstbäume, bringen die Früchte zur Mosterei und kochen unsere eigene Marmelade. Wir haben Bienen, wir haben Ziegen.“ Für die haben sie sogar eine Melkmaschine angeschafft und aus der Milch Käse hergestellt. Aufwändig – ja, und nicht alle Arbeiten schaffen sie ohne Helfer. Aber es verändere das Bewusstsein, es schärfe den Blick für das, was man vor der Haustür findet. Fisch vom Potsdamer Fischer zum Beispiel. Und wenn er jetzt im Anschluss an das Gespräch seine Hemden in die Reinigung bringt, habe er die alten Drahtbügel wieder dabei – zum nochmaligen Benutzen. Ein kleiner, extra Handgriff, aber das ist ihm wichtig.

Schon seine vier Kinder sollen diese Einstellung verinnerlichen. Stromsparen ist ein großes Thema im Diekmannschen Haushalt. „Jeder ist für eine Etage verantwortlich, dass da immer das Licht ausgemacht wird.“ Wer nachlässig ist, müsse mit Sanktionen wie Applestore-Verbot rechnen. Und sowieso, das Internet: Das ist einer der größten Stromverbraucher, nicht nur beim Streamen. „Drei Wikipedia-Suchaufträge verbrauchen so viel Strom wie zum Herstellen einer Tasse Kaffee.“ Das sei der Generation Greta, die gerne das Fliegen verbieten würde, vielleicht nicht so bewusst.

Er ist überzeugt: Wer in seinem Umfeld und seinem Alltag sinnvoll und sparsam mit allen Ressourcen umgeht, kann auch auf Reisen gehen. Wichtig ist, dass man einen Ort zum Nachhausekommen hat. Für ihn ist es der schönste.



"Berlin – Reisen kennt kein Alter". Erscheint am 16. März im Callwey Verlag. Der erste Band der neuen Reihe ist 132 Seiten stark und soll 18 Euro kosten.

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