Potsdam : Teures Kleinod

Die Villa Carlshagen ist fast fertig saniert – nun sucht die IHK nach einem Käufer für das Baudenkmal

In alter Schönheit. Die Villa Carlshagen am Luftschiffhafen ist fertig saniert. Rund fünf Millionen Euro hat die Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) in Kauf und Sanierung gesteckt.
In alter Schönheit. Die Villa Carlshagen am Luftschiffhafen ist fertig saniert. Rund fünf Millionen Euro hat die Industrie- und...Foto: Johanna Bergmann

Potsdam West - Schick saniert, schwer verkäuflich: Wird die Villa Carlshagen, gekauft von der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) noch unter dem später wegen Vorwürfen der Untreue und Vetternwirtschaft zurückgetretenen und mittlerweile angeklagten Präsidenten Victor Stimming, der IHK zum Klotz am Bein? Nach PNN-Informationen ist die denkmalgeschützte Villa am Luftschiffhafen bereits im vergangenen Jahr auf der Münchener Immobilienmesse Expo Real angepriesen worden – ein Käufer fand sich bislang dafür nicht. Damit bleibt fraglich, ob die IHK die insgesamt rund fünf Millionen Euro, die in den Kauf und die Sanierung des repräsentativen Gebäudes flossen, wieder hereinbekommen wird. Gleichzeitig kostet der Unterhalt der Villa die IHK Geld. Eine eigene Nutzung hatte die Vollversammlung Ende 2015 ausgeschlossen.

Die Außensanierung der Villa sei in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde komplett abgeschlossen worden, sagte IHK-Sprecher Detlef Gottschling den PNN. Dach, Fassaden, Fenster, Terrassen und Mauerwerk sind damit fertig, ebenso die Installation von Wasser, Abwasser, Elektrik und Heizung. Offen seien lediglich noch Entwässerungsarbeiten im Außenbereich, die bis Ende des Monats fertiggestellt werden sollen. Im Herbst, nach der Vegetationsperiode, sollen die Außenanlagen gepflegt werden. Ein Innenausbau habe nicht stattgefunden.

Rund fünf Millionen Euro haben die Sanierung und der Kauf insgesamt gekostet, so der IHK-Sprecher. Der geplante Kostenrahmen sei damit sogar leicht unterschritten worden. Zwischenzeitlich hatte die IHK mit bis zu sechs Millionen Euro gerechnet, die Vollversammlung hatte die Kosten bei 5,25 Millionen Euro gedeckelt.

Laut Gottschling laufen momentan Besichtigungen und Verhandlungen „mit einer Reihe potentieller Käufer beziehungsweise Mieter“. Da es sich „um ein Kleinod mit Geschichte an einem besonderen Wasserstandort der Landeshauptstadt“ handele, gebe es auch „eine Reihe interessierter Investoren aus verschiedenen Branchen“. Details will der Sprecher mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen.

Nach PNN-Informationen ist die vergleichsweise unattraktive Lage der Villa ein möglicher Schwachpunkt beim Verkauf: Das Gebäude befindet sich vergleichsweise versteckt im Sportareal Luftschiffhafen, zwar unweit des Wassers, aber ohne frei zugängliches Ufer. Die städtische Pro Potsdam hatte vor dem Verkauf an die IHK jahrelang vergeblich versucht, das seit Jahrzehnten zusehends verfallende Gebäude an den Mann zu bringen.

Gebaut wurde die Villa in der Zeppelinstraße um 1870 zunächst als Turmvilla für Karl Hagen, den Berliner Direktor des jüdischen Bankhauses Wiener, Levy & Co, wie im 2006 im Verlag Reimer erschienenen Architekturführer Potsdam nachzulesen ist. Hagen nutzte das Areal, zu dem ursprünglich ein rund 6,5 Hektar großer Park gehörte, demnach als Sommersitz. Um 1909/10 wurde der zweigeschossige Bau erweitert und bekam eine einheitliche neobarocke Fassade. Die jüdische Familie wurde unter den Nationalsozialisten enteignet, die Villa ging an die Stadt Potsdam.

Das Haus war dann zwischenzeitlich als Museumsstandort vorgesehen, aus den Plänen wurde aber mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nichts mehr. Nach Kriegsende wurde die Villa zunächst von der Sowjetarmee genutzt, später war dort die radiologische Klinik des Bezirkskrankenhauses untergebracht. Der ursprüngliche Park wurde nach Kriegsende durch Neubauten im Sportareal praktisch zerstört.

Die Villa spielte auch eine Rolle bei der Affäre um Ex-IHK-Präsident Victor Stimming. Unter anderem war ein Kammer-Auftrag zur Villa-Sanierung an eine Firma der Stimming-Familie gegangen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die IHK-Vollversammlung zunächst mit einem Baustopp reagiert. Das Ende 2013 gestartete Bauprojekt war gleichzeitig als überdimensioniert eingestuft worden. Gegen Stimming ist Ende 2015 Anklage erhoben worden, einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht (siehe Kasten).

mit mat

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