• Tag den offenen Denkmals: Persil, Jazz und Sauerteig

Tag den offenen Denkmals : Persil, Jazz und Sauerteig

Zum Tag des offenen Denkmals lässt sich unterhaltsame Stadtgeschichte entdecken und sogar verkosten.

Sehenswert. Das Refraktorgebäude des Leibnizinstituts für Astrophysik. F.: Settnik/dpa
Sehenswert. Das Refraktorgebäude des Leibnizinstituts für Astrophysik. F.: Settnik/dpa

In den Gewächshäusern und Spalieren im Park Babelsberg wuchs all das, was später in den königlichen Obstsalat wanderte. Seit ein paar Jahren kümmert sich ein Förderverein um die Sanierung und Reaktivierung der verfallenen Gebäude und lädt auch in diesem Jahr wieder zum Gartenfest ein. „Tutti Frutti in der Babelsberger Hofgärtnerei“ findet im Rahmen des Tags des offenen Denkmals statt. Am Sonntag finden von 13 bis 17 Uhr Führungen und Vorträge zum Anbau alter Obst- und Gemüsesorten und zur Landschaftsgärtnerei von Fürst Pückler statt, es gibt Kunst, Musik und Leckeres aus der Gemüseküche. Der Eintritt ist frei.

Fast 60 Gebäude im ganzen Stadtgebiet können am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Darunter sind zahlreiche Privathäuser, Villen und Landhäuser mit besonderer baugeschichtlicher Bedeutung. Schwerpunkt in diesem Jahr ist Neubabelsberg, wo etwa 15 Eigentümer ihre häufig sehr aufwendig denkmalgerecht sanierten Häuser vorstellen. Neben der Baugeschichte bietet die Bewohner- oder Eigentümerabfolge oftmals unterhaltsame Details Potsdamer Stadtgeschichte: So wohnte in der Domstraße 10, ein Landhaus im Heimatstil nach Entwürfen des Architekten Emanuel Heimann, unter anderem Otto Liebknecht, Sohn des SPD-Mitbegründers Wilhelm Liebknecht und Bruder des Sozialisten Karl Liebknecht. Otto Liebknecht war erfolgreicher Chemiker und Miterfinder des damals neuartigen Waschmittels Persil. Obwohl seine Ehefrau Jüdin war, ließen die Nazis das Paar in seinem Haus in Potsdam relativ unbehelligt – vermutlich aufgrund Ottos wichtiger Tätigkeit als Chemiker. Erst 1945 musste er das Haus verlassen – weil dann die Russen einen Teil von Neubabelsberg besetzten. Die Villa ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet, um 14 Uhr gibt es dort Jazz vom Müller-Mückenheimer Quartett.

Ebenfalls geöffnet ist das Leibnizinstitut für Astrophysik, An der Sternwarte 16, auf der höchsten Stelle Babelsberg. 1913 war die Sternwarte aus Berlin hierher gezogen, weil in der wachsenden Großstadt Lichtverschmutzung und Erschütterungen der S-Bahn genaues Beobachten mit den Instrumenten mehr und mehr erschwerten. Spiegelteleskop und Refraktorgebäude sind heute bedeutende Technik- und baugeschichtliche Denkmale. Am Sonntag um 13 und 14 finden hier Führungen statt, Treffpunkt ist am Schwarzschildhaus. Um 11.30 Uhr und 15 Uhr werden hier zudem Vorträge des Potsdamer Denkmalexperten Jörg Limberg zur Villenkolonie Neubabelsberg angeboten, um 18 Uhr spielt Duck Tape Ticket.

Eine weitere besondere Führung findet um 11 Uhr durch das einstige Präsidialgebäude des DRK statt – heute Teil des Unicampus’. Treffpunkt ist auf dem Regionalbahnsteig des Bahnhof Griebnitzsee.

Auch der historische Backofen im Am Neuendorfer Anger 3 wird zum Tag des offenen Denkmals angeheizt. Von 14 bis 17 Uhr gibt es frisches Natursauerteigbrot und Kuchen. Durch die Kirche nebenan führt um 13 und 16 Uhr Kirchenexperte Andreas Kitschke, um 14 und 17 Uhr wird ein Film zur Geschichte und Sanierung gezeigt.

Weitere Highlights: Das Alexanderhaus in Groß Glienicke, Am Park 2, das derzeit von einem Verein instand gesetzt wird. Am Sonntag lädt der Verein zum Sommerfest im Haus ein und führt auf Wunsch Führungen durch. Im Park der Villa Jacobs im Bertiniweg 2, direkt am Jungfernsee gelegen, findet am Sonntag das Winzerfest statt, geöffnet ist von 11 bis18 Uhr. Samstag und Sonntag finden in Potsdam zudem die Jazztage statt, außerdem haben am Samstag neun Ateliers Potsdamer Künstler geöffnet.

Alle Termine der Jazztage, Genusstour und Tag des offenen Denkmals auf www.Potsdamer-Dreiklang.de