• Studio Babelsberg in der Krise: Hunderte Filmschaffende gefeuert 

Studio Babelsberg in der Krise : Hunderte Filmschaffende gefeuert 

Im Studio Babelsberg wurden in der Coronakrise zwei große Hollywood-Drehs abgesagt. In der Folge verloren rund 800 Mitarbeiter ihre Jobs - doch die wollen sich wehren.

Katharina Wiechers
Die Coronakrise hat das Studio Babelsberg schwer getroffen.
Die Coronakrise hat das Studio Babelsberg schwer getroffen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Sie sollten an zwei der wichtigsten Hollywood-Produktionen beteiligt sein, die dieses Jahr in Potsdam gedreht werden sollten: „Matrix 4“ und die Computerspiel-Verfilmung „Uncharted“. Doch nun haben rund 800 Filmschaffende aus der Region wegen der Coronakrise ihre Jobs verloren. Sie seien von einer Tochterfirma von Studio Babelsberg außerordentlich gekündigt worden, sagte Rechtsanwalt Steffen Schmidt-Hug, der Betroffene vertritt, am Montag. Die Studio Babelsberg AG bestätigte die Kündigungen auf Nachfrage und verwies auf die allgemein schwierige Situation der Branche in der Krise.

Noch am 16. März habe man morgens damit angefangen, in Babelsberg für „Girona“ – hinter dem Arbeitstitel verbirgt sich der Film „Uncharted“ – aufzubauen, berichtete ein Tonmann am Montag bei einer kurzfristig anberaumten Online-Pressekonferenz mit Betroffenen. Später am Tag seien dann per Mail die Kündigungen angekommen. Am 19. März folgte dann die Kündigung für „Ice Cream“ – der Projektname für „Matrix 4“, für den der erste Teil der Dreharbeiten in den USA bereits abgeschlossen ist.

"Feuert sie alle" soll es geheißen haben

Die Vertreter der US-amerikanischen Produktionsfirmen Warner Bros. („Matrix 4“) und Sony Pictures („Uncharted“) sollen die deutschen Kollegen bei ihrer überstürzten Abreise angewiesen haben, allen Mitarbeitern zu kündigen. „Fire them all“ – feuert sie alle, habe es geheißen, sagte Anwalt Schmidt-Hug.

Die Studio-Babelsberg-Tochterfirma „Central Scope“, die die Mitarbeiter eigens für die Dreharbeiten der beiden Hollywood-Produktionen angeheuert hatte, folgte diesem Rat dann auch – aus Sicht des Anwalts war dies aber nicht rechtens. Zwar handele es sich in den meisten Fällen nur um zweckbefristete Verträge wie in der Kulturbranche üblich, sagte Schmidt-Hug. Allerdings endeten diese erst mit Erreichen des Zwecks, und dieser sei aus seiner Sicht die Fertigstellung des Films.

Das Studio leidet unter der Krise

Studio Babelsberg ist anderer Meinung und hat Zweifel, ob die Dreharbeiten bald fortgesetzt werden können. „Da angesichts der aktuellen Lage nicht mit Sicherheit prognostiziert werden kann, wann, ob oder in welchem Umfang die Arbeiten wieder aufgenommen werden können, mussten die zeitlich befristeten Arbeitsverhältnisse der freien Filmschaffenden gekündigt werden“, sagte Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG, auf PNN-Anfrage. 

Studio Babelsberg Vorstand Carl L. Woebcken.
Studio Babelsberg Vorstand Carl L. Woebcken.Foto: Manfred Thomas

Studio Babelsberg sei, wie weltweit alle Unternehmen der Filmbranche, ebenfalls von der aktuellen Krise und den damit verbundenen Verzögerungen und Abbrüchen betroffen. Die rund 90 Festangestellten versuchen die Arbeit in den Studios und Werkstätten laut Woebcken „so weit wie erforderlich und möglich unter Einhaltung aller notwendigen Vorsorgemaßnahmen aufrechtzuerhalten“. Kurzarbeit sei für diese Mitarbeiter nicht beantragt worden.

Die Gekündigten wollen sich wehren

Die befristeten Filmschaffenden, die nun gekündigt wurden, wollen sich indes wehren. Mehr als 300 von ihnen haben sich zu der Gruppe „Wir sind Babelsberg“ zusammengeschlossen und lassen sich von Anwalt Schmidt-Hub vertreten. Es habe auch schon Gespräche mit Central Scope beziehungsweise Studio Babelsberg gegeben, berichtete der Tonmann, der seinen Namen nicht nennen wollte. Dabei habe es geheißen, Kurzarbeitergeld sei nicht möglich, da es sich um befristete Arbeitsverhältnisse handele. Außerdem seien die Fördermittel von Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) noch nicht ausbezahlt worden, weil keine sogenannte Fertigstellungsversicherung vorlag. „Wir fallen durch das Raster“, sagte der Tonmann.

Grütters Pressestelle bestätigte am Montag, dass die Fördermittel aus dem Deutschen Filmförderfonds noch nicht ausgezahlt wurden – „Matrix 4“ sollte 25 Millionen Euro bekommen, „Uncharted“ 21 Millionen Euro. Für die Zuwendung, die ratenweise ausgezahlt wird, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, hieß es. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Dreharbeiten bereits begonnen haben. Da diese und andere Voraussetzungen bei beiden Projekten bislang nicht erfüllt seien worden, hätten keine Mittel ausgezahlt werden können. Auf die Frage, ob das erst vor wenigen Tagen von Grütters verkündete Hilfspaket den Babelsbergern zugutekommen könnte, hieß es: „Inwiefern die beiden Projekte von diesen Hilfsmaßnahmen profitieren könnten, hängt von dem konkreten Sachverhalt ab und wird von uns im Einzelfall geprüft.“

Betroffene hoffen auf außergerichtliche Einigung

Mit der Pressekonferenz hoffen die Betroffenen und Anwalt Schmidt-Hub, den Druck auf Politik und Studio Babelsberg zu erhöhen und doch noch Gagen oder Ausfallhonorare für die Mitarbeiter erwirken zu können. Den Klageweg wolle man vermeiden und hoffe stattdessen auf eine außergerichtliche Einigung, so Schmidt-Hub.

Auf Einigung standen die Signale zumindest am Montag indes nicht. Die Interessensgemeinschaft „Wir sind Babelsberg“ habe sich gegenüber der Presse „teilweise mit falschen und unzutreffenden Behauptungen geäußert“, so Studio-Chef Woebcken. Man befinde sich mit den betroffenen Filmschaffenden und den langjährigen US-amerikanischen Partnern im Dialog und bemühe sich mit Nachdruck, Lösungen zu finden. Und er fügte hinzu: „Das Studio appelliert an alle Beteiligten, diese schwierige Situation konstruktiv und nicht polemisierend zu meistern.“

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