Potsdam : Streit um Treffpunkt

Heftige Diskussion im Rechtsextremismus-Beirat

H. Kramer

Fahrland - Wegen der Jugendarbeit im Treffpunkt Fahrland ist es auf der vergangenen Beiratssitzung zur Umsetzung des Lokalen Aktionsplans gegen Gewalt und Rechtsextremismus zu heftigen Diskussionen gekommen. Dies geht aus der Schilderung von Anwesenden und aus dem Protokoll der Sitzung vom 4. September hervor. Danach war der Chef des Jugendclubs, Thomas Liebe, gebeten worden, zur Situation in Fahrland Stellung zu nehmen: Im Sommer hatte es in dem Ortsteil Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen gegeben – linksalternative junge Leute hatten von massiven Einschüchterungen gesprochen (PNN berichteten).

Liebe soll dies laut Teilnehmern der Sitzung relativiert haben – und davon gesprochen haben, dass es in Fahrland mehr Probleme mit Linken als mit Rechten gäbe. Zudem seien die rechten Jugendlichen in seinem Club alle gewaltfrei, würden durch ihre Anwesenheit „nicht absichtlich“ andere Jugendliche verdrängen und „uns nicht für ihre Interessen“ ausnutzen. „Über diese Aussagen herrschte Unbehagen“, so ein Anwesender. Liebe habe den klassische Fehler begangen, alles abzustreiten, statt um Verständnis für Schwierigkeiten bei der Arbeit mit rechten Jugendlichen zu bitten, hieß es. Liebe selbst hatte das Protokoll gestern noch nicht gelesen, bestätigte aber Diskussionen. Leider werde oft versucht, den Ortsteil samt Club in die „rechte Ecke“ zu drängen.

Das Konzept akzeptierender Jugendarbeit mit jungen Rechten ist umstritten: Kritiker bemängeln, dass sich Rechtsextremismus nicht pädagogisch therapieren lasse und politisch bekämpft werden müsse. Auch Lutz Boede, im Beirat für die Fraktion Die Andere, bewertet die akzeptierende Jugendarbeit in Fahrland sehr kritisch: „Indiskutabel wird sie, wenn den Jugendlichen nur noch Räume zur Verfügung gestellt werden, was zur Verdrängung von anderen jungen Leuten führt.“ Dies müsse geprüft werden. Er kenne von Fotos und vom Stadtwerkefest Jugendliche aus dem Club, die der rechten Szene zugehörige T-Shirts tragen würden.

Jugendamtsleiter Norbert Schweers dagegen verteidigt den Club: „Wir müssen auch rechten Jugendlichen Angebote machen, damit sie nicht in rechtsextreme Strukturen abgleiten.“ Er zweifele nicht an der fachlichen Eignung der Clubleitung. Angebote, etwa zur Demokratie-Erziehung, würden „regelmäßig“ abgerufen. Ebenso gäbe es Kontakt zu den Mobilen Beratungsteams. Die Polizei wertet die Situation in Fahrland deutlich entspannter als noch 2004, als in dem Ortsteil zu 13 Straftaten mit rechtsextremen Motiv ermittelt wurde. Zwar bestätigte Andreas Merten, Leiter der Wache Mitte, dass im Sommer vermehrt Jugendliche an der Haltestelle Am Upstall registriert worden seien und es Konflikte gegeben habe. „Diese waren aber nicht politisch motiviert, weder von links, noch von rechts.“ Seit Ferienende sei es zu keinen Straftaten mehr gekommen. Jedoch stünden in Fahrland vier Personen zwischen 18 bis 21 Jahren auf einer Liste der Sonderkommission „Täterorientierte Maßnahmen gegen Rechtsextremistische Gewalt“, die Personen beinhaltet, die häufig mit rechtsextremen Delikte auffallen – zwei Männer weniger als noch vor einem Jahr. H. Kramer