• Streit um Synagoge in Potsdam: Aus Forderungen werden Wünsche

Streit um Synagoge in Potsdam : Aus Forderungen werden Wünsche

Beide jüdischen Gemeinden in Potsdam wollen sich bis November zum Synagogenbau verständigen – möglichst ohne größeren Streit.

"Potsdam baut doch eine Synagoge." Nur wie soll die aussehen?
"Potsdam baut doch eine Synagoge." Nur wie soll die aussehen?Foto: S. Gabsch

Potsdam - Bis zum November wollen sich die beiden großen jüdischen Gemeinden in Potsdam möglichst auf die Fassadengestaltung der geplanten Synagoge in der Schloßstraße einigen: „Danach kann es an die Ausführungsplanung gehen.“ Das sagte Ud Joffe, der Vorsitzende der Synagogengemeinde, am Dienstagabend bei einem Workshop zu Plänen für den Neubau. Bis zum Spätherbst soll es noch weitere solche Treffen geben.

Die Stadtverwaltung hofft auf eine schnelle Einigung. Der für Planungen in der Potsdamer Mitte mitverantwortliche Konrad Bauer aus der Baubehörde sagte, auf zwei Grundstücken nebenan könnten im kommenden Jahr bereits Bauarbeiten beginnen – etwa für das sogenannte Acht-Ecken-Haus (PNN berichteten). Die beiden geplanten Gebäude sollten möglichst gemeinsam errichtet werden, so Bauer, um bei der Baustellenlogistik und wegen nur begrenzter Flächen Zeit und Geld zu sparen. Vielleicht könne die Synagoge in diesem Zug mitgebaut werden – zumal die Leere auf dem dafür vorgesehenen Grundstück inzwischen ein „städtebaulicher Missstand“ sei, so Bauer. Auch Franziska Schumann aus dem Oberbürgermeister-Büro appellierte, sich nicht ewig Zeit bei den Verhandlungen zu lassen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die dynamische Entwicklung der Potsdamer Mitte an dem Projekt vorbeiziehe. Mit den Investoren der Nachbarareale gebe es noch keine Gespräche, sagte Joffe.

Die Pläne für die neue Synagoge werden seit Jahren diskutiert. Das Land als Geldgeber hatte schon 2011 einen Projektstopp verhängt, nachdem es zum heftigen innerjüdischen Streit um Fassade und Innengestaltung der Synagoge gekommen war. Die Baugenehmigung für einen ersten Entwurf des am Dienstag auch anwesenden Architekten Jost Haberland ist inzwischen abgelaufen. Nach mehreren ergebnislosen Mediationsrunden brachte das Land 2016 den Verein Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland als Träger ins Spiel. Die beiden großen Potsdamer Gemeinden, die inzwischen wieder miteinander sprechen, bestehen aber darauf, die Synagoge selbst zu betreiben und haben zu diesem Zweck einen Verein ins Leben gerufen. Sie versuchen die Einigung, zur Raumaufteilung gibt es wie berichtet schon einen Kompromiss.

Doch die Verhandlungen dauern. In der Sache bewegten sich die rund 15 Teilnehmer am Dienstag nicht wesentlich weiter, vielmehr schien es nach jahrelangem Streit vor allem darum zu gehen, sich des gemeinsamen Ziels zu vergewissern, sich ohne weitere Vorwürfe auszutauschen.

Unter anderem ging es um die Fragen, wie man sich denn einmal in dem Sakralbau fühlen könnte und warum man ihn Besuchern zeigen wolle. Die Antworten waren durchaus unterschiedlich, wenn auch theoretisch. Bunte Fenster seien nötig, hieß es da – oder dass die Synagoge ein „sakraler Raum und Wohnzimmer“ zugleich sein müsse. Mehrfach wurde eine gute Akustik für Gebete gefordert. Es müsse der Neuanfang des jüdischen Lebens in Potsdam gezeigt werden, da sei die Schönheit des Baus „nicht so wichtig“, sagte der Vorsitzende des Bauvereins Neue Synagoge Potsdam, Peter Schüler. Viele Fenster seien nötig, sagte Rabbiner Nachum Pressmann. Joffe sagte, die Räume sollten möglichst mit Licht inszeniert werden. Auch über die Farbe der Möbel sprach man – und ob eine Orgel nötig sei. Allerdings werde sich wohl nicht jede Forderung realisieren lassen, räumte Joffe ein: Aus dem einstigen Streit seien – nach diversen Mediationsverfahren – aus festen Positionen nur noch Wünsche geworden. „Es gab damals ein Beharren auf bestimmten Elementen.“ Joffe hatte etwa auf eine architektonisch möglichst prächtige Synagoge gedrungen.

Ende August ist eine weitere Runde geplant. Haberland sagte den PNN, einen neuen Entwurf für den Gottesbau habe er noch nicht angefertigt. Für die grundsätzlichen Absprachen, damit sich beide jüdischen Gemeinden mitgenommen fühlen, sind nun die Workshops da.