• Streit um Schulen in Potsdam: Gesamtschule könnte doch an Pappelallee ziehen
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Streit um Schulen in Potsdam : Gesamtschule könnte doch an Pappelallee ziehen

Gesamtschule und Gymnasium könnten im Norden und in der Innenstadt Platz finden, ein Umzug nach Krampnitz wäre vom Tisch. Das hat die SPD vorgeschlagen. Kritik gibt es an Bildungsdezernentin Aubel.

An der Pappelallee soll ein Gymnasium errichtet werden
An der Pappelallee soll ein Gymnasium errichtet werdenFoto: Andreas Klaer

Potsdam - Für den verfahrenen Potsdamer Schulstreit deutet sich ein Durchbruch an. Demnach sollen nun die Gesamtschule „Am Schloss“ und ein neues Gymnasium an den Standorten Pappelallee und am heutigen Oberstufenzentrum I unterkommen. Der Umzug der Gesamtschule nach Krampnitz ist damit vom Tisch. Den Kompromisses und nötige Details sollen die Stadtverordneten bei einer Sondersitzung am 23. Juni beschließen.
Einer der Initiatoren ist SPD-Fraktionschef Daniel Keller. Dieser hat nach eigenen Angaben noch einmal Gespräche mit dem Landesfinanzministerium und anderen Stellen wie der Schlösserstiftung geführt - und dabei möglicherweise mehr Flächen für den Schulstandort Pappelallee herausgeholt. 

Damit wäre dort dann "wahrscheinlich genügend Platz" auch für die derzeit an einem Interimsstandort bestehende Gesamtschule "Am Schloss", sagte Keller am Mittwoch den PNN auf Anfrage. Eigentlich hatte die SPD für den Standort bisher ein Gymnasium vorgesehen.

Oberstufenzentrum 1 als Dauerlösung? 

Allerdings gibt es auch dafür eine Lösung - denn das Schulamt in Brandenburg an der Havel hat dafür nun das Oberstufenzentrum 1 in der nahen Jägerallee als dauerhafte Lösung ins Spiel gebracht. Hintergrund seien die sinkenden Schülerzahlen im OSZ 1 an der Jägerallee, der Erhalt sei nicht mehr dauerhaft gesichert, erklärte Landesschulamtsleiterin Janina Kolkmann in einem aktuellen Schreiben an die Stadt. 

Sinn machen könnte aber ein neues Gymnasium an dem Standort, so die Schulrätin. Das hätte auch "den Vorteil, dass nicht neu gebaut werden müsse", so Kolkmann. Mit diesem Wissen könne man vermutlich ab 2024 dort ein Gymnasium gründen, sagte Keller. 

Nach Willen der Verwaltung sollte dieses Gymnasium an der Pappelallee errichtet werden und die für diesen Standort zuvor vorgesehene Gesamtschule "Am Schloss" nach Krampnitz ziehen. Dieser Umzug wäre nun obsolet. 

Bruch der Rathauskooperation drohte 

Über diese Planungen hatten sich in den vergangenen Wochen die Partner in der rot-grün-roten Rathauskooperation zunehmend überworfen, sogar der Bruch des Bündnisses drohte. Denn besonders Grüne und Linke hatten immer wieder darauf verwiesen, dass man die Kooperation sich eigentlich geeinigt hatte, nur noch neue Gesamtschulen zu bauen, keine Gymnasien. 

Allerdings sei zur Lösung des Dilemmas auch eine weitere Variante denkbar, sagte SPD-Fraktionschef Keller -  nämlich, dass die Schule "Am Schloss" ab 2024 in das OSZ verlagert werden könnte, wo später sogar noch eine Grundschule Platz hätte. Dies sei eine große Chance für einen innerstädtischen Gesamtschulcampus. 

Sondersitzung der Stadtverordneten am 23. Juni 

Das Gymnasium wiederum könnte dann in der alten Containeranlage der Schule "Am Schloss" gegründet werden und dann an die Pappelallee ziehen. Diese beiden Varianten müssten nun diskutiert werden, sagte Keller.

 Daher sei noch Zeit nötig - bis zu einer Sondersitzung der Stadtverordneten am 23. Juni, wo final entschieden werden könne. Damit wird es am heutigen Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich keine Abstimmung geben. 

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Linke-Fraktionschef Stefan Wollenberg erklärte dazu auf Anfrage: "Ich freue mich, dass sich nach langen Debatten nun ein Kompromiss abzeichnet, der  auch der Schule am Schloss eine gesicherte Zukunft bietet." Keller wiederum forderte die zwingende Beteiligung der Schulgremien der Schule "Am Schloss". 

Bildungsdezernentin Noosha Aubel in der Defensive 

Der CDU-Stadtverordnete Clemens Viehrig sagte, wichtig sei das Bekenntnis zu einem neuen Gymnasium. Man müsse weiter daran arbeiten, dass Potsdam auch künftig mehr Gymnasialplätze schaffe - wie dies auch das Schulamt stets fordere und was dem Elternwille entspreche. Unklar ist mit dem neuen Vorgehen, wann eine weiterführende Schule in Krampnitz nun tatsächlich entstünde. 

In die Defensive gerät Bildungsdezernentin Noosha Aubel (parteilos), die das Planwerk für die neuen Schulen vorgelegt hatte. Die Möglichkeit, aus dem OSZ ein Gymnasium zu machen, sei nicht bekannt gewesen, hieß es von mehreren Stadtverordneten der Rathauskooperation. 

Noosha Aubel (parteilos), Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport   
Noosha Aubel (parteilos), Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport   Foto: Ottmar Winter

Auch die Tatsache, dass nun Stadtpolitiker auf Flächensuche gehen müssten, sei mindestens ungewöhnlich, hieß es. Aubel hatte stets das Gymnasium an der Pappelallee favorisiert. 

Allerdings hatten sich für die Stadtverordnetenversammlung äußert knappe Mehrheitsverhältnisse abgezeichnet, im Bildungsausschuss waren Aubels Planungen sogar verworfen worden.

In der Stadtverordnetenversammlung sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), eine knappe Entscheidung wäre aus seiner Sicht das falsche Signal für Schüler und Eltern.. Die neuen Entwicklungen dürfe man nicht ignorieren, nun sei ein Kompromiss möglich. Auch er habe sich beim Land noch einmal um Zusatzflächen für den Standort Pappelallee bemüht. Allerdings lobte er Aubel auch, dass sie den komplexen und erstmals aufgestellten Schul- und Kitaplan fristgerecht vorlegt habe.


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