• Streit um Denkmal in Potsdam: Sechs Ecken, keine Zukunft

Streit um Denkmal in Potsdam : Sechs Ecken, keine Zukunft

Weil die Investorensuche für den Lok-Zirkus in Potsdam seit Jahren erfolglos bleibt, will der Besitzer das Industriedenkmal abreißen – und lässt es auch auf einen Rechtsstreit mit der Stadt ankommen.

Die Kosten für Instandhaltung, Steuern und Versicherung für das marode Gebäude belaufen sich auf viele Tausend Euro pro Jahr, sagt der Besitzer.
Die Kosten für Instandhaltung, Steuern und Versicherung für das marode Gebäude belaufen sich auf viele Tausend Euro pro Jahr, sagt...Foto: L. Hannemann

Potsdam - Einem der bedeutendsten Potsdamer Industriedenkmäler droht der Abriss: Es geht um den sogenannten Lok-Zirkus zwischen Großbeerenstraße und Wetzlarer Straße, eine sechseckige Fabrikhalle mit Kuppeldach, die einst für das Lokomotivbauunternehmen Orenstein & Koppel entstand. Der heutige Eigentümer will das marode Gebäude abreißen lassen, weil sich seit Jahren keine Investoren finden, der Unterhalt aber fortlaufend Kosten verursacht. Die Stadtverwaltung will dagegen den Abriss verhindern. Nun droht ein Rechtsstreit.

Die 1899 errichtete und denkmalgeschützte Montagehalle gehört der deutschlandweit agierenden Gesellschaft „Gewerbe im Park“ (GIP), die auf die Vermarktung von Gewerbeimmobilien spezialisiert ist. GIP-Chef Josef Vermeegen bestätigte den PNN am Sonntag, dass er bei der Stadt den geplanten Abriss der Halle beantragt hat. Die vor rund 20 Jahren als Teil eines Grundstückspakets von der Treuhand laut Vermeegen für einen „hohen Kaufpreis“ erworbene Immobilie sei stets zum Weiterverkauf vorgesehen. Doch mehr als zweihundert Geschäftstermine seien erfolglos verlaufen. Es gehe um zweistellige Millionenbeträge, sollte das Gebäude samt Sanierung umgebaut werden. Zudem sei die Nutzung durch bestehende Denkmalschutzauflagen eingeschränkt. Zugleich summieren sich die laufenden Kosten für Instandhaltung, Steuern und Versicherungsbeiträge für die Immobilie laut Vermeegen auf „viele Tausend Euro pro Jahr“.

Nach dem Abriss beabsichtige die GIP, das Gelände als Gewerbefläche zu vermarkten – solche Grundstücke sind in Potsdam bekanntlich rar. Ein konkretes Angebot gebe es dafür bislang aber noch nicht, so Vermeegen. Bei der Stadt stoßen die vor einem Monat beantragten Abrisspläne hingegen auf Skepsis. „Eine Genehmigung ist eher unwahrscheinlich, da das Gebäude über einen hohen Denkmalwert verfügt und erhaltenswert ist”, sagte Stadtsprecher Markus Klier auf PNN-Anfrage. GIP-Chef Vermeegen stellt sich bereits auf eine mögliche Ablehnung des Abrisses ein: „Wenn der Bescheid da ist, steht der Rechtsweg offen – im Zweifel muss man klagen“, erklärte er gegenüber den PNN.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie am Montag in den POTSDAMER NEUESTEN NACHRICHTEN.

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