• Streit um Bürgerbahnhof in Potsdam: Laggners letzte Chance

Streit um Bürgerbahnhof in Potsdam : Laggners letzte Chance

Seit 2011 wartet Potsdam auf die Eröffnung des Bürgerbahnhofs. Nun wurde dem Investor ein Ultimatum gestellt. Gegenüber den PNN hat Gastronom Josef Laggner aber jetzt einen Eröffnungstermin genannt.

Der "Bürgerbahnhof" in Potsdam West.
Der "Bürgerbahnhof" in Potsdam West.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Geplant ist immer noch ein Biergarten-Restaurant in bester Lage am Park Sanssouci. Bereits vor neun Jahren sollte er eröffnet werden. Bisher gibt es aber: nichts. Doch jetzt zieht die Stadt im Streit um den noch immer unfertigen Bürgerbahnhof bei Inhaber und Großgastronom Josef Laggner die Daumenschrauben an. Dieser wiederum will mit den Arbeiten nun auch zum Ende kommen. „Die Außenanlagen werden gerade gestaltet“, sagte er den PNN am Dienstag. Möglichst noch in diesem Jahr wolle er den Bürgerbahnhof eröffnen. Vorher allerdings, Ende Oktober, solle eine ebenfalls lange geplante Gastronomie eröffnen – am Flughafen BER.

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Anlass für die Anfrage an Laggner war eine den PNN zugespielte nicht-öffentliche Vorlage an die Stadtverordneten mit brisantem Inhalt. Man wolle Laggner nun eine „letztmalige (anwaltliche) Aufforderung“ zukommen lassen, endlich die Sanierung des Gebäudes zu beenden und es als Gaststätte mit Biergarten zu eröffnen, teilte das Rathaus in dem Schreiben mit. Andernfalls drohe die Kündigung des 2010 geschlossenen Kaufvertrags mit Laggner – der damals schon als aufstrebender Großgastronom galt, inzwischen rund 25 Restaurants besitzt. Angesichts seiner jahrelangen verzögernden Herangehensweise müsse Laggner „zum einen deutlich auf die Konsequenz hingewiesen werden, dass für den Fall der Ausübung des Rücktrittsrechts alle bisher getätigten Aufwendungen für ihn verloren sind und er gegebenenfalls weiteren Schadensersatzansprüchen sowie wirtschaftlichen Folgen ausgesetzt ist“, so das Rathaus. Eine konkrete Frist will die Stadt laut der Erklärung noch festlegen.

Rücktrittsrecht und Vertragsstrafe

Auch Vertragsdetails werden mit der Vorlage bekannt. So habe der Verkaufspreis des heruntergekommenen Gebäudes damals genau 275.500 Euro betragen. Laggner hatte den Bau nach einer städtischen Ausschreibung erhalten, kurz zuvor hatte er bereits das Krongut Bornstedt übernommen. Damals habe sich die Stadt auch vertraglich ein Rücktrittsrecht für den Fall gesichert, dass Laggner die „Gebäude nicht innerhalb von drei Jahren vollständig saniert“. Sonst müsste er das Grundstück an die Stadt wieder übergeben und bekäme den Kaufpreis zurück, „ohne Zinsvergütung“. Auch eine 50.000-Euro-Vertragsstrafe sei damals festgehalten worden. Die bisherige Sanierung des Bahnhofs habe Laggner mit Darlehen finanziert, so die Stadt. „Zu deren Sicherung wurde durch den Käufer eine Grundschuld in siebenstelliger Höhe für die finanzierende Bank bestellt.“

So sah es 2005 am Bürgerbahnhof aus, hinten der Kaiserbahnhof.
So sah es 2005 am Bürgerbahnhof aus, hinten der Kaiserbahnhof.Foto: Manfred Thomas

Doch fertig ist das Projekt eben noch nicht. Laut der Erklärung wurde der Vertrag schon zweimal geändert, auch Fristen verlängert. Ferner seien insgesamt bereits 40.000 Euro Vertragsstrafe fällig geworden, die Laggner auch bezahlt habe, so die Stadt. Wie gegenüber den PNN hat Laggner auch gegenüber der Stadt erklärt, dass derzeit Arbeiten an den Außenanlagen stattfänden und dass der Innenausbau im November 2020 beginnen soll – nach der Eröffnung der bereits erwähnten Gastronomie im BER-Flughafen.

Angesichts dessen will die Stadt nun eine letzte Frist dulden – zumal ein Rücktritt auch Risiken birgt. Denn ob Laggner in der Lage sei, mit seinem Geld „die Löschung der besagten Finanzierungsgrundschuld tatsächlich herbeizuführen, ist im Hinblick auf die allgemeine coronabedingte finanzielle Situation der Gastronomiebranche nicht gesichert“. So könnte die Bank, falls Darlehen von Laggner nicht mehr beglichen würden, den Bürgerbahnhof zwangsversteigern, um die Schulden einzutreiben, so das Rathaus. Inwiefern die Stadt Potsdam dann noch Zugriff habe, werde derzeit rechtlich geprüft, heißt es in der Vorlage. Das könne zu einem jahrelangen Rechtsstreit führen, währenddessen das Grundstück und der nicht fertige Bahnhof weiter brach lägen.

Gastronom nennt Gründe

Laggner sagte den PNN, bei dem Projekt habe es viele Probleme gegeben – von gestiegenen Denkmalschutzauflagen bis Baustellendiebstahl führte er eine Reihe von Gründen an. Umso mehr hoffe er nun auf die Eröffnung, die dank des Platzes in dem Gebäude auch unter Corona-Bedingungen möglich sei. Insgesamt habe er mehr als eine Million Euro vor Ort investiert, erklärte er. Mit der Stadtverwaltung stehe er im Kontakt, fügte er hinzu.

Gastronom Josef Laggner
Gastronom Josef LaggnerFoto: Andreas Klaer (Archiv)

Laggner betreibt in Potsdam auch das „Augustiner“ in der Mittelstraße und die Matrosenstation Kongsnæs an der Schwanenallee. Beides laufe auch in der Coronakrise gut. Schwierig sei hingegen die Lage im Krongut Bornstedt und im Schloss Glienicke vor den Toren der Stadt in Richtung Wannsee. Beide Lokalitäten hätten sehr unter den Corona-Einschränkungen für Veranstaltungen zu leiden. Gerade das Geschäft mit Firmenfeiern und Hochzeiten sei eingebrochen. Daher sei auch im Krongut nur noch die Hofbäckerei regelmäßig geöffnet, das Restaurant und der Biergarten dagegen nur sporadisch an Wochenenden, so Laggner. Die Zahl der Mitarbeiter sei von 50 auf 15 bis 20 reduziert worden. Daher entspreche auch der Pflegezustand des Kronguts aktuell nicht der gewohnten Qualität, sagte Laggner. Zuletzt hatten sich mehrere Gäste bei den PNN darüber beklagt, dass das Ensemble einen vernachlässigten Eindruck mache. Laggner hatte das Krongut 2008 übernommen. Seitdem kritisiert er regelmäßig die fehlende Haltemöglichkeit für Reisebusse direkt am Krongut, weil die Stadt zum Schutz von Anwohnern ein Einfahrtverbot für solche Großgefährte verhängt hatte.


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