• Straßennamen-Streit: Kein Kompromiss in Sicht

Straßennamen-Streit : Kein Kompromiss in Sicht

Der Streit um drei neue Straßennamen für die Potsdamer Mitte geht weiter. Die Initiative Mitteschön macht jetzt einen Kompromissvorschlag.

Die Potsdamer Mitte wird nach historischem Vorbild bebaut - um die Straßennamen gibt es Streit.
Die Potsdamer Mitte wird nach historischem Vorbild bebaut - um die Straßennamen gibt es Streit.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Streit um die Benennung der neu entstehenden Straßen in der Potsdamer Mitte geht in die nächste Runde. Die Initiative Mitteschön veröffentlichte am späten Sonntagabend einen neuen Kompromissvorschlag: Demnach sollen die drei Frauen Anna Zielenziger, Erika Wolf und Anna Flügge an anderer Stelle geehrt werden – nämlich auf der anderen Seite der Havel, in der Speicherstadt am Hauptbahnhof. Dort seien sieben Planstraßen aufgelistet und bisher nur mit Nummern versehen, erklärte die Initiative Mitteschön: „Dieser zentrale Ort am Havelufer mit einem großen Hotel wäre sicher würdevoller als die jetzt wiederzuerrichtenden Stummel historischer Straßen – verdiente Frauen haben Anspruch auf die Benennung ganzer Straßen.“

Wie berichtet hatte der Kulturausschuss unlängst mit großer Mehrheit dafür plädiert, für die neu entstehenden Straßen in der Potsdamer Mitte nicht die historischen Straßennamen Schloss-, Schwertfeger- sowie Kaiserstraße zu wenden – sondern eben die Namen der langjährigen Vorsitzende der israelitischen Frauengemeinde, Anna Zielenziger, der brandenburgischen CDU-Ehrenvorsitzenden Erika Wolf und der SPD-Stadtpolitikerin Anna Flügge. Darüber soll bei der Stadtverordnetenversammlung in einer Woche entschieden werden, angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament gilt die Zustimmung als sicher.

Mitteschön: "Straßennamen kein Ort für politische Grabenkämpfe"

So bekräftigte der Linken-Stadtverordnete Sascha Krämer gegenüber den PNN, in den vergangenen Jahrzehnten seien Frauen bei der Benennung von Straßen übergangen worden – wie berichtet gibt es 51 weibliche und 334 männliche Straßennamen. Daher sei es wichtig, Frauen nun auch über Straßenbenennungen „ins politische und gesellschaftliche Bewusstsein“ zu rücken und zwar gerade auch in der Mitte der Stadt, so Krämer. Das Argument von Mitteschön, mit der Neubenennung der Straßen würde Identität zerstört, lässt Krämer nicht gelten: Es gehe der Initiative nur um ihre eigenen Forderungen. Unter Bezug auf zum Beispiel den von Mitteschön befürworteten Abriss der Fachhochschule erklärte Krämer: „Wenn Identitäten anderer mit Baggern zerstört werden“, dann habe Mitteschön „keine Träne dafür übrig“. Der Initiative fehle der Wille zum Kompromiss, so Krämer weiter.

Hingegen beharrt Mitteschön schon aus ihrer Sicht aus praktischen Gründen auf den historischen Namen: „Straßennamen sollten kein Ort für politische Grabenkämpfe und Verewigungsfantasien von Parteien sein, sondern dienen nach der Straßenverkehrsordnung zuerst der Orientierung, das ist offenbar in Vergessenheit geraten.“ Die Kritik hat zumindest bei der Potsdamer CDU schon Wirkung gezeigt: Diese hatte am Wochenende angekündigt, nun doch nicht für die Namenspläne zu votieren. So habe sich die Familie von Wolf gegen die Ehrung ausgesprochen – dies wolle man respektieren, begründete die Unionsfraktion ihre neue Position (PNN berichteten).