• Stille Kranzniederlegung: Potsdam gedenkt der Opfer der Pogromnacht 1938

Stille Kranzniederlegung : Potsdam gedenkt der Opfer der Pogromnacht 1938

Vor 82 Jahren wurde Potsdams Synagoge in der Pogromnacht zerstört. In einer Videobotschaft mahnte Oberbürgermeister Mike Schubert Wachsamkeit an, damit die Glut von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht wieder auflodert.  

In Potsdam und vielen anderen Städten wurde am Montag der Opfer der Reichspogromnacht am 9. November 1938 gedacht. 
In Potsdam und vielen anderen Städten wurde am Montag der Opfer der Reichspogromnacht am 9. November 1938 gedacht. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - In Potsdam ist am Montag der Opfer der Pogromnacht vor 82 Jahren und der Zerstörung der Potsdamer Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gedacht worden. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Pete Heuer (SPD), Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD), Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sowie Vertreter der jüdischen Gemeinden wohnten einer stillen Kranzniederlegung am Standort der Alten Synagoge am Platz der Einheit bei.

„Die Pogromnacht markierte den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung. Sie bildete den Auftakt zum Völkermord, bei dem mehr als sechs Millionen Menschen jüdischer Herkunft getötet wurden. Ihrer gedenken wir heute“, teilte Schubert in einer Videobotschaft mit. Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger. 

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Schubert verwies in seiner Videobotschaft auf aktuelle Ereignisse wie den Anschlag in Wien in der vergangenen Woche, richtete den Blick aber auch auf Potsdam. "Wir müssen die offene Hetze und die Anfeindungen auf offener Straße, auch in unserer Stadt, registrieren. Wir müssen wachsam bleiben, dass die Glut von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht wieder auflodert und zu Flächenbränden von Hass und Feindschaft führt", mahnte der SPD-Politiker.

Keine zentrale Gedenkveranstaltung

Wegen der Corona-Pandemie war in diesem Jahr keine große Gedenkveranstaltung möglich. Er vermisse diese Einigkeit vor Ort, sagte Schubert. "Umso mehr möchte ich Sie aber ermutigen: Halten Sie inne und gedenken Sie der Opfer! Tragen Sie dazu bei, dass jüdisches Leben weiterhin ein so wichtiger Bestandteil für unser Land bleibt."

Schüle warnte vor einer weiteren Ausbreitung von Antisemitismus. „Der Antisemitismus grassiert“, ließ sie mitteilen. Dafür stünden die jüngsten Attacken auf und vor Synagogen eindrücklich. „Es sind nicht mehr dieselben Menschen wie vor 75, 80 Jahren - aber es ist dasselbe Böse.“ Es sei ein gutes Signal, dass die Jüdische Gemeinde Oberhavel in Oranienburg ein eigenes Synagogen- und Gemeindezentrum erhalten solle.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht, die Katastrophe mit Gewalt, Mord und Zerstörung gegen die deutsche jüdische Bevölkerung sei eine ewige Mahnung. 

Gedenkveranstaltungen in Potsdam

Die Synagogengemeinde Potsdam kompensierte den Ausfall einer Gedenkveranstaltung mit mehreren kurzen Andachten am Standort der zerstören Synagoge aus. Die Junge Union lud für 16 Uhr an den Stolpersteinen in der Kiezstraße 10 zum Gedenken ein. Am Wochenende hatte die Jugendorganisation bereits Stolpersteine in Potsdam gereinigt, wie Anna Lüdcke, die Kreisvorsitzende JU Potsdam, auf Twitter mitgeteilt hat.

Auch Mitglieder der Linke-Fraktion im Stadtparlament, darunter Fraktionschefin Sigrid Müller, Stefan Wollenberg und Hans-Jürgen Scharfenberg, legten am Nachmittag am früheren Standort der Synagoge einen Kranz nieder. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) rief zum individuellen Gedenken am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Platz der Einheit auf und hat dafür auch einen Online-Beitrag zum Hören vorbereitet.

In Kleinmachnow rief die Aktionsgruppe Stolpersteine zur Putzaktion der Gedenksteine für ermordete jüdische Mitbürger auf. (mit dpa)

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