• Wikipedia-Editoren auf Tour durch Potsdams Schlossgärten

Stiftung hatte eingeladen : Wikipedia-Editoren auf Tour durch Potsdams Schlossgärten

Die Schlösserstiftung hat Ehrenamtler, die das Online-Lexikon Wikipedia betreuen, zu einer Führung eingeladen.

Seit 2015 nimmt die Schlösserstiftung an der Aktion „Wiki loves Monuments“ teil.
Seit 2015 nimmt die Schlösserstiftung an der Aktion „Wiki loves Monuments“ teil.Foto: Varvara Smirnova

Potsdam - „Das Lindstedter Tor wurde Achtzehnhundert-Schlagmichtot eingebaut“, sagt Sven Hannemann, Fachbereichsleiter der Schlösserstiftung für den Park Sanssouci mit einem Lachen. Die genaue Jahreszahl will ihm am Samstagnachmittag nicht einfallen. Und grinsend fährt er fort: „Aber Sie können ja bei Wikipedia nachschauen.“ Rund 20 der etwa 7000 in Deutschland für Wikipedia arbeitenden Ehrenamtler trafen sich am Wochenende auf Einladung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, um diesmal nicht in die Schlösser, sondern in die Gärten zu schauen.

Die Editoren fühlen sich wertgeschätzt

„Eine solche Einladung gibt es zum ersten Mal und sie ist Anerkennung und Motivation zugleich“, sagt „Bot Bln“, dessen Wiki-Name sich aus Botaniker und Berlin zusammensetzt. Er interessiert sich speziell für tropische Pflanzen und hat das Treffen mit Sanssoucis Gartenchefs organisiert. Zuvor war schon ein Besuch im Schloss Caputh und im Jagdschloss Grunewald möglich, erklärt die Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung, Elvira Kühn.

Blick von der Orangerie. Sven Hannemann führt durch die Gärten.
Blick von der Orangerie. Sven Hannemann führt durch die Gärten.Foto: Varvara Smirnova

Nach anfänglichen Problemen mit einigen Ungenauigkeiten im weltgrößten Lexikon sind die Stiftung und die Wikipedianer zu guten Partnern geworden. Seit 2015 nimmt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an der seit 2011 jährlich stattfindenden Aktion „Wiki loves Monuments“ teil, bei der ehrenamtlichen Wikipedianern kulturelles Gut nahegebracht und über neueste Entwicklungen informiert wird. Fotografen dürfen Aufnahmen machen und sie frei für das Lexikon verwerten. Darüber musste man sich erst einigen. Denn seit die Stiftung 2010 einen Rechtsstreit um die Verwertung von Fotografien ihrer Liegenschaften vor dem Bundesgerichtshof gewann, sind Foto-, Film- und Fernsehaufnahmen zustimmungspflichtig.

Im Medienarchiv Wikimedia Commons sind aber Fotos überwiegend unter freien Lizenzen verfügbar. Inzwischen hat es bei der Schlösser-Stiftung ein Umdenken gegeben. Denn auch dort weiß man inzwischen, dass nur der Aufmerksamkeit bekommt, der im Netz präsent ist. Davon können die Wikipedia-Fotografen nun profitieren. Auch Student Steffen Schmitz, der schreibt und fotografiert.

Auch naschen durften die Editoren

Am Samstagvormittag kriegen Schmitz und seine Wiki-Kollegen einen einen Einblick in das „Herz von Sanssouci“, durch den Sizilianischen Garten führte Vize-Gartendirektor Jörg Wacker. Am Nachmittag beschäftigte sich die Führung Hannemanns mit den Vorlieben von Friedrich Wilhelm IV. Auf den geht auch das Orangerieschloss zurück, an dem der zweistündige Rundgang bis zum Belvedere auf dem Klausberg beginnt. Im Botanischen Garten, der seit Jahrzehnten von der Potsdamer Universität betreut wird, einst aber zum Park Sanssouci gehörte, gab es viele Besonderheiten zu bewundern und es durften auch Maulbeeren verkostet werden.

Mal was Neues. Ein Wikipedianer probiert saftige Maulbeeren.
Mal was Neues. Ein Wikipedianer probiert saftige Maulbeeren.Foto: Varvara Smirnova

„Nein“, sagt Hannemann, „Seidenraupen züchtet hier noch niemand. Aber die Liebe zu den Bienen haben schon einige privat entdeckt.“ Auf die Schafe am Wiesenrand angesprochen erzählt er: „Fünf Hektar Grünfläche sind für einen Wanderschäfer freigegeben, um zu untersuchen, ob das Beweiden gut für den Zustand der Wiese ist oder ob es ihr eher schadet.“ Darüber werde eine Masterarbeit geschrieben, erklärt er. Sollten sich die Schafe als gute Gärtner erweisen, könnten weitere Flächen freigegeben werden. Denn Hilfe im Garten tut not. Hannemann wagt den Vergleich zu früher. Für die Schlossgärten seien zu Kaiserszeiten etwa 500 Gärtner im Einsatz gewesen, jetzt verfüge man über 50. Natürlich helfe moderne Technik, aber gepflanzt werden müsse immer noch per Hand und neu kämen nun auch noch die Klimaschäden hinzu. Zurzeit beschäftige man sich mit dem Gedanken, die Nachzucht von Bäumen selbst zu übernehmen, da dieser Baumnachwuchs robuster sei als der aus Baumschulen. „Aber auch dafür brauchen wir Leute“, sagt Hannemann.

Auf den Weinberg werfen die Wikipedianer nur einen Blick von oben, doch es interessiert sie, ob und wie viel Liter Qualitätsweine man von den Sanssouci-Reben keltern könne. 2000 Liter, erklärt Hannemann. Und die seien nicht nur trinkbar, sondern als Geschenk sehr begehrt.

Aber noch mal zum Lindstedter Tor: Es wurde von Kaiser Wilhelm II. nach der Weltausstellung in Chicago zurückgekauft und – laut Wikipedia – 1862 nahe des Neuen Palais in den Schlossparkzaun eingebaut.