• Steigende Mieten: Teures Wohnen in Potsdam

Steigende Mieten : Teures Wohnen in Potsdam

Laut einer Studie sei das Wohnsegment in Potsdam „überdurchschnittlich stark“ vertreten. Die Beliebtheit der brandenburgischen Landeshauptstadt als Wohnort wachse stetig.

Teures Bauen. Vor allem Wohnungen werden in Potsdam gebaut, doch billiger wird mieten nicht – im Gegenteil.
Teures Bauen. Vor allem Wohnungen werden in Potsdam gebaut, doch billiger wird mieten nicht – im Gegenteil.Foto: Andreas Klaer

Potsdam wird auch in Zukunft mit steigenden Wohnungsmieten zu rechnen haben. So ist der Kern einer Studie zur Entwicklung des Immobilienmarktes in Berlin und Potsdam. Gestern präsentierte die TLG Immobilien GmbH gemeinsam mit der Hochtief Projektentwicklung GmbH in Berlin zum fünften Mal die Studie „Die Immobilienmärkte in der Metropolregion Berlin/Potsdam“.

Aktuell liegt die Durchschnittsmiete in der Landeshauptstadt für neu auf den Markt kommende Wohnungen bei 8,65 Euro pro Quadratmeter. Die Spitzenmiete – der Durchschnitt der oberen fünf Prozent – stieg auf elf Euro pro Quadratmeter. Das spiegele die erhöhte Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum wider, so die Studie.

Potsdam ist für Projektentwickler vor allem für Investitionen in Wohnimmobilien interessant. „Über die Hälfte des realisierten Flächenvolumens entfällt auf Wohnimmobilien“, so Carsten Sellschopf von Hochtief. Bei Projekten, die bereits im Bau sind, sind es sogar 80,9 Prozent. Auch bei den geplanten Bauprojekten machen Wohnungen noch gut die Hälfte der Fläche aus. Es gebe in der Stadt so gut wie keinen Leerstand. Potsdam sei weiterhin eine attraktive Wohnlage – insbesondere in wassernahen Lagen wie der Berliner Vorstadt, so Sellschopf. „Bei Wohnimmobilien liegt die Stadt auf einem Niveau mit Städten wie Wiesbaden, Augsburg oder Lübeck“, so Andreas Schulten vom Analysehaus Bulwien Gesa, das die Studie erstellte. Sie erfasst alle Bauprojekte ab 1000 Quadratmeter in Berlin und Potsdam, die zwischen 2008 und 2015 geplant, gebaut oder fertig gestellt werden.

Ausschlaggebend für die Entwicklung des Wohnungsmarktes sei neben der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Zuzug und ein wachsender Trend zu Wohneigentum. Insgesamt sei auffällig, so die Studie, dass in Potsdam 53 Prozent der Bauvorhaben von regionalen Projektentwicklern getragen werden.

Die Entwicklung des Wohnungsmarktes freut Investoren und Projektentwickler, bedeutet für Mieter aber eine Belastung. „Selbst wenn wir das Grundstück geschenkt bekämen, würde der Mietpreis im Neubau um 9,50 Euro liegen“, so Sellschopf. Der Grund seien gestiegene Qualitätsstandards. Man könne keine schön gestalteten und Energie sparenden Gebäude wollen und dann eine Kaltmiete von fünf Euro erwarten, so Sellschopf. Billigere Wohnbauten seien nur in Systembauweise realisierbar, unterstrich Schulten. Wer bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen will, könne dies nicht vom Markt erwarten. Das sei eine soziale Aufgabe des Staates.

Bei Büroimmobilien besitzt Potsdam laut der Studie einen bedeutenden Bestand. Etwa 1,3 Millionen Quadratmeter Bürofläche gibt es. Zum Vergleich: In Berlin sind es 18,4 Millionen Quadratmeter. Jährlich werden 21 000 Quadratmeter neu vermietet. Da die Nachfrage stabil sei und wenig neu gebaut werde, gebe es wenig Leerstand. Die Spitzenmiete für Büros liege bei 11 Euro je Quadratmeter.

Für Flächen im Einzelhandelsmarkt stagniere die Durchschnittsmiete seit zwei Jahren bei 30 Euro je Quadratmeter. Die Spitzenmiete habe sich nach einem Einbruch Ende der 90er Jahre wieder stabilisiert und liege bei 65 Euro pro Quadratmeter. „Große Mietsteigerungen sind hier in den nächsten Jahren nicht zu erwarten“, sagte Jörg Lammersen, Niederlassungsleiter der TLG.

Bei den geplanten Immobilienprojekten verschieben sich die Gewichte zumindest vorübergehend: Einen Anteil von 38,4 Prozent nehmen Einzelhandelsflächen in den geplanten Projekten ein. Bei den im Bau befindlichen sind es nur 3,5 Prozent. Der Grund ist, dass das umstrittene Drewitz-Center in die Statistik einfließt. Dort sollen bis zu 40 000 Quadratmeter Einzelhandelfläche entstehen. Eine Entscheidung ist hier noch nicht gefallen. Kürzlich hatte der Stern-Center Betreiber ECE verlauten lassen, dass mit dem Sportartikelmarkt Decathlon verhandelt wird. Dieser war eigentlich für den Drewitzer Standort im Gespräch. Angesichts von Anwohnerprotesten erarbeitet die Stadtverwaltung zurzeit sechs alternative Nutzungsmöglichkeiten, die im November oder Dezember den Stadtverordneten vorgelegt werden sollen.